Empörung in Empfingen: Kundgebung gegen Werksschließung von Ceratizit

Bereit für die Kundgebung am Montag: Die Belegschaft von Ceratizit in Empfingen wehrt sich gegen die Werkschließung.
IG Metall FreudenstadtBeginn der Kundgebung ist um 13.30 Uhr. Geplant sind Redebeiträge von Gewerkschaft, Betriebsrat und Unterstützern – sowie ein „Band der Solidarität“ als sichtbares Zeichen für den Erhalt des Standorts. „Diese Schließung ist weder wirtschaftlich noch sozial nachvollziehbar“, heißt es im gemeinsamen Aufruf von IG Metall und Betriebsrat. Rund 230 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, nachdem die Plansee-Gruppe angekündigt hat, die Produktion nach Luxemburg und Italien zu verlagern – trotz guter Zahlen, wirtschaftlicher Stabilität und eines eingespielten Teams in Empfingen, wie die IG Metall unterstreicht.
Dorothee Diehm, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Freudenstadt, betont: „Die geplante Schließung trifft nicht nur die Beschäftigten hart, sondern gefährdet auch das Vertrauen in soziale Verantwortung und nachhaltige Unternehmensführung.“ Die Kundgebung solle deutlich machen, dass die Belegschaft nicht kampflos zusieht.
Petition und Alternativkonzept: Gewerkschaft legt nach
Bereits zuvor hatte die Gewerkschaft mit einer Petition und einem Alternativkonzept reagiert. Die Petition fordert drei zentrale Punkte:
1. Den sofortigen Stopp der Schließungspläne
2. Transparente Gespräche mit Betriebsrat und IG Metall über Alternativen
3. Die Entwicklung eines nachhaltigen Standortkonzepts zur Sicherung der Arbeitsplätze
Das von der IG Metall gemeinsam mit Experten erarbeitete Alternativkonzept liegt nach eigenen Angaben bereits vor. „Es habe bereits einen regen Austausch mit der Geschäftsführung gegeben“, berichtete Georg Faigle, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Freudenstadt, im Gespräch mit unserer Redaktion vor einigen Wochen. Details sollten dem Vorstand der Plansee-Gruppe in Kürze vorgestellt werden.
Die Reaktionen der Beschäftigten sind eindeutig: „Auf einer Mitgliederversammlung hat die Belegschaft beschlossen, für den Erhalt des Standorts zu kämpfen“, so Faigle. Der Protest werde „aktiv und sichtbar geführt“, auch mit Unterstützung erfahrener Partner.
Kritik am Umgang mit der Belegschaft
Kritik äußert die Gewerkschaft nicht nur an der Entscheidung, sondern auch am Umgang mit der Belegschaft. Faigle: „Ein Unternehmen muss seinen Beschäftigten auch eine Chance geben. Es wurde nicht versucht, mit dem Betriebsrat und der IG Metall ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam Alternativen zur Schließung zu entwickeln.“
Auch die wirtschaftliche Begründung für den Schritt wird bezweifelt. Gemeinsam mit dem IMU-Institut analysiert die IG Metall derzeit die vorgelegten Zahlen. „Die Hauptargumentation – nämlich, dass die Standorte in Luxemburg und Italien durch die Aufträge aus Empfingen eine bessere Auslastung erreichen und aufgrund der niedrigeren Personalkosten besser dastehen – ist zu hinterfragen“, sagt Faigle. Und er fragt weiter: „Was passiert, wenn die wirtschaftliche Lage wieder anzieht? Können dann neue Aufträge überhaupt noch alle angenommen werden?“
Appell an Konzernleitung
Zum Abschluss richtet Faigle einen Appell direkt an die Konzernleitung und die Eigentümerfamilie Schwarzkopf: „Zeigen Sie Verantwortung – für Ihre Mitarbeiter, für die Region und für eine faire Unternehmenspolitik.“ Es könne nicht sein, „dass ein gesundes, erfolgreiches Unternehmen geschlossen wird, nur um die Renditeerwartungen der Familie Schwarzkopf zu befriedigen.“