Theater in Bildechingen
: Deutsch wie’s deutscher nicht geht

Die deutsch-türkische Gruppe Theater Ulüm spielte in der Turn- und Festhalle türkisches Familienleben zwischen Urlaub und Berufsleben.
Von
Peter Morlok
Oberndorf
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Schwungvoll begrüßte das Ensemble vom Ulmer Theater Ulüm die Zuschauer.

Peter Morlok

Der Einheitlich Demokratische Verein aus Horb (EDV) hatte für Sonntagnachmittag zu einem Gastspiel des deutsch-türkischen Theaters Ulüm in die Bildechinger Turn- und Festhalle eingeladen. Um die 250 Besucher erlebten die heiteren Probleme der türkischen Familie Dash im schönen Deutschland live und in Farbe. Schon der Titel des Theaterstückes: „Sind sie Ausländer? Nein, Türke“ ließ erahnen, dass es hier recht fröhlich zuging.

„Wir sind ein weltoffener Verein mit überwiegend alevitischen Mitgliedern“, erklärte Bildechingens Ortschaftsrätin Sirma Celik am Rande der Veranstaltung zum EDV. „Wir machen keinen Unterschied, ob die Mitglieder Christen oder Muslime sind. Bei uns steht der Mensch im Vordergrund.“

Ein Statement, dass später auch der Horber SPD-Gemeinderat Cem Atas hervorhob, der die Gäste im Namen des Vereins begrüßte. Er betonte unter anderem, dass der EDV daran glaubt, dass man gemeinsam viele Probleme lösen kann. Und dies ohne Ansicht von Person, Staatsangehörigkeit und Religionsgemeinschaft.

Aus dem Familienleben

Dieser Nachmittag war auch eine erholsame Auszeit vom Stress der Weihnachtszeit. Es gab keine Wünsche nach Ruhe und Besinnlichkeit von Leuten, die einen vor lauter Hektik fast umrannten, sondern nur den normalen Wahnsinn der türkischen Familie Dash, die kollektiv eingedeutscht und „ein bisschen zu integriert“ ist.

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Nach einer stimmungsvollen Vorstellung der Ensemblemitglieder des Ulmer Theater Ulüm stieg man auch gleich in den ersten Sketch ein.

Das Publikum in der Turn- und Festhalle erlebte ein nicht alltägliches Theater.

Foto: Peter Morlok

Papa Mehmet Dash glaubt, wie er nachdrücklich versicherte, dass er der alleinige Herr im Hause Dash, also der Oberbefehlshaber sei, und sich alle Familienmitglieder – seine Frau, ein Sohn und eine Tochter – an seine Anweisungen halten. Aber Pustekuchen, der wahre Chef bei den Dash’s ist natürlich die Ehefrau, die Anne, die ihren Pascha erst mal zum Einkaufen schickte, bevor sie mit den Kids mit der Urlaubsplanung anfing. Ferienwohnung kam für die Tochter nicht in Frage, denn dann könne sie gleich zuhause weiterarbeiten. Und für Papa Mehmet, der inzwischen mit seinen Aldi-Tüten vom Einkaufen zurück war, war die Idee, nach Malle oder sonst wohin zu fahren, geradezu grotesk.

Die Urlaubsplanung

„Dann renn ich mit Socken und Sandalen als Deutscher über den Strand“, so seine Gruselvorstellung. Er, der beide Staatsbürgerschaften besitzt und gerne Musik machen würde, fährt wie jedes Jahr in sein Dorf in die Türkei. Aus, Basta.

Der Fahrgast gibt Alexa Anweisungen – der Fahrer versteht da etwas ganz anderes.

Foto: Peter Morlok

Dass die Einbürgerung und Integration auch recht seltsame Blüten treiben kann, das bewies der Besuch von Bekannten. Ein als Bayern verkleidetes Paar saß plötzlich auf dem Sofa der Familie Dash und haute Sprüche raus, bei denen den ansonsten gastfreundlichen Deutsch-Türken die Spucke wegblieb. Fremdschämen war angesagt. Und hinterher musste man, wie die bayerischen Türken, ein Haus kaufen, um vor den Nachbarn gut dazustehen. Und um dafür Geld zu beschaffen, nahm „Baba“ Mehmet einen Job als einziger deutscher Taxi-Fahrer bei einem türkischen Unternehmen an.

Noch deutscher geht’s wirklich nicht mehr: Die Freunde aus Bayern sind ganz arg integriert.

Foto: Peter Morlok

Die Dialoge, die er während der Fahrt mit seinen Passagieren hatte, waren genial. Besonders lustig die Geschichte, als eine junge Dame ihren Staubsauger anrief, er solle rechts und links fahren. „Das geht nicht, entweder rechts oder links, nicht beides gleichzeitig“, merkte Mehmet an, doch die Frau erklärte, sie hätte mit ihrer Alexa gesprochen. „Das ist schön, dass ihre Kinder im Haushalt mithelfen, meine Kinder machen das nicht.“

Theater Ulüm behandelte in diesem Stück wieder ernste Themen in einer humorvollen Sichtweise. Sie hielt ihrem Publikum den berühmten Spiegel vor, doch Lachen und ein bisschen Schadenfreude kamen nie zu kurz.

Mit Baklava, Pfannkuchen und Çay, dem türkischen Tee, konnte man sich an diesem sehr unterhaltsamen Nachmittag stärken.