Stadtgespräch in Rottenburg
: Bildungspolitik diskutiert und kritisch hinterfragt

Das Bildungssystem, pädagogische Fragen, Schulplanung Integration und Inklusion: Darum ging es im Café Stadtgespräch der Stadtbibliothek Rottenburg.
Von
Marzell Steinmetz
Oberndorf
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Über Bildungspolitik diskutierten Timm Kern (FDP/von links), Thomas Poreski (Grüne), die Wurmlinger Schulleiterin Donate Kolb, Finanz- und Bildungsbürgermeisterin Manuela Beck, Nina Klett (St. Meinrad-Gymnasium) Andreas Greis (Eugen-Bolz-Gymnasium), Dorothea Kliche-Behnke (SPD), Andreas Sturm (CDU) und Moderator Ottmar Schneck.

Marzell Steinmetz

Die Bürgerstiftung hatte zum Thema Bildungspolitik Politiker, Schulleiter und die Rottenburger Finanz- und Bildungsbürgermeisterin Manuela Beck eingeladen. Im Publikum saßen viele Lehrkräfte und Interessierte aus der Umgebung.

Ein bisschen spielte schon der Wahlkampf mit hinein Es gab zu Beginn gleich einen Schlagabtausch zwischen den bildungspolitischen Sprechern ihrer jeweiligen Landtagsfraktion Timm Kern (FDP) und Thomas Poreski (Grüne). „Ich will eine passende Schule für jedes Kind und unterschiedliches Bildungsangebot. Man braucht auch geschützte Räume“, positionierte sich der FDP-Landtagsabgeordnete. Für Poreski kommt es darauf an, dass das Ergebnis optimal ist und das Wohlbefinden der Schüler in den Mittelpunkt gestellt wird. Er sprach sich für längeres gemeinsames, aber auch fachübergreifendes Lernen aus. Kinder hätten in einem integrativen Bildungssystem nicht weniger Chancen.

Der Unterschied zwischen Öffentlich und Privat

Doch wie sieht das zwischen einer Privatschule und einer öffentlichen Schule aus? Dazu äußerten sich Nina Klett vom katholischen Sankt Meinrad-Gymnasium (SMG) und Andreas Greis vom Eugen-Bolz-Gymnasium (EBG). Die Hauptaufgabe sei, junge Menschen aufs Leben vorzubereiten. So steht es im Schulgesetz, und in dem Punkt waren sich die beiden Rottenburger Schulleiter einig. Greis räumte ein, dass es auch einen privaten Weg zu diesem Ziel gibt. Das schade nicht, unterstrich Nina Klett, Privatschulen gehörten zur demokratischen Grundordnung. Zum St. Meinrad sagte sie: „Wir haben viel ausprobiert.“ Als Beispiele nannte sie vernetztes Denken im Unterricht, das viele Schulen inzwischen aufgegriffen hätten.

Privatschulen mit Leuchtturmfunktionen und Innovationsmöglichkeiten ergänzten die Vielfalt des Schulsystems, stellte Tim Kern fest. Donate Kolb (Grundschule Wurmlingen) warf allerdings einen Kritikpunkt ein - das Stichwort Ungerechtigkeit. Vielen Kindern sei der Zugang zu privaten Schulen verwehrt.

Gute Bildung muss für alle da sein „Gut, dass es Privatschulen gibt“, meinte die SPD-Landtagsabgeordnete Dorothea Kliche-Behnke. Grundsätzlich fand sie aber, dass Bildung kostenfrei sein muss. „Dass man Eintritt zahlt, entspricht nicht unserem Verständnis. Gute Bildung muss für alle da sein“, betonte sie.

EBG-Schulleiter Andreas Greis stellte fest: „Wir haben ein anderes Klientel als die SMG.“ Für ihn ist aber entscheidend, dass die Lehrer neben dem fachlichen Anspruch des Gymnasiums jedes Kind ernst nehmen.

Das sind die Zahlen aus Rottenburg

So viele Schulen und Schüler gibt es in Rottenburg Eine Frage ans Publikum zwischendurch: „Wie viele Schulen gibt es in Rottenburg?“, wollte Moderator Ottmar Schneck wissen. Gar nicht so einfach zu beantworten, wie die Finanz- und Bildungsbürgermeisterin Manuela Beck zugab. Es komme darauf an, ob man Schule oder Schulstandort zähle. „24 bis 28 wäre die richtige Lösung“, verriet sie. Aktuell sind es in Rottenburg 6790 Schüler, bis zu 40 Prozent kämen nicht aus der Verwaltungsgemeinschaft. Manuela Beck versicherte: „Bildung hat einen hohen Stellenwert in Rottenburg. Wir versuchen, Standards zu halten und Schulen adäquat auszustatten.“ Jeder Wunsch könne jedoch nicht erfüllt werden.

Das größte Rottenburger Schulprojekt Der Um- und Neubau des Eugen-Bolz-Gymnasiums ist mit 50 Millionen Euro das größte Rottenburger Schulprojekt. Was würde Donate Kolb mit so viel Geld anfangen?, fragte Schneck die Wurmlinger Grundschulleiterin. Sie musste nicht lange überlegen. Sie würde sich zuerst nach mehr Personal umsehen. Ideal wäre eine Doppelbesetzung. Auf der Wunschliste stünde für sie auch eine Sporthalle mehr in der Nähe der Schule. Aktuell sei sie mit der Ausstattung zufrieden. „Aber wir müssen aufpassen, dass es nicht zu einem Knick kommt“, fügte sie hinzu.

Inklusion ist ein Menschenrecht

Migration, Integration und Inklusion Migration, Integration und Inklusion sind große Herausforderungen an den Schulen. Mangelnde Sprachfähigkeiten hätten aber nicht nur etwas mit Migration zu tun, sondern müsse global betrachtet werden, sagte der CDU-Sprecher für Kulturpolitik und Berichterstatter für Inklusion, Andreas Sturm. Darauf werde reagiert. Bei der Inklusion gebe es unterschiedliche Anforderungen. „Wir stehen hier für Wahlfreiheit“, erklärte Sturm die Position seiner Partei.Was für die SPD-Abgeordnete Dorothea Kliche-Behnke dagegen überhaupt nicht geht, wäre, Flüchtlingskinder in Extraklassen zu stecken. Sie wies auch darauf hin, dass Inklusion ein Menschenrecht und nicht die Idee von Ideologen sei.

Gleichwohl ist es eine Herausforderung, die, so EBG-Leiter Greis, seine Schule zwar aufbringe, aber die auch Ressourcen koste. „Wir sind seit mehr als 20 Jahren eine inklusive Schule“, berichtete Donate Kolb. Die Umsetzung sei ein Problem, das ihre Kolleginnen sehr beschäftige und belaste. Nichtsdestoweniger wolle sie die Kinder mit Beeinträchtigungen an ihrer Schule haben. Sie kennt Beispiele, das Inklusion gelingen kann, nur müsse in den Köpfen noch viel passieren.

Handyverbot ja oder nein? An der Grundschule sei die Handynutzung verboten, teilte die Wurmlinger Schulleiterin mit. „Wir erlauben in den verschiedenen Altersstufen eine unterschiedliche Nutzung“, sagte Nina Klett. Sie wünschte sich jedoch klare Rahmenbedingungen.

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