Schülerbeförderung im Land
: Initiative startet Petition an Landtag für Mehrkindregelung beim D-Ticket

Was die Elterninitiative Schülerbeförderung im Landkreis Freudenstadt jetzt vom Landtag und der Kreisverwaltung fordert.
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red/pm
Kreis Freudenstadt
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ARCHIV - Kinder steigen am 06.09.2013 in Stuttgart (Baden-Württtemberg) in einen Schulbus ein. Foto: Franziska Kraufmann/dpa (zu «Schulbuslinie in Südhessen fährt am besten» vom 24.10.2016) +++ dpa-Bildfunk +++

Wer drei Kinder hat, die zur Schule gehen, muss im Kreis Freudenstadt tief in die Tasche greifen. Dagegen kämpft eine Elterninitiative an.

Franziska Kraufmann/dpa
  • Elterninitiative im Kreis Freudenstadt fordert Mehrkindregel beim D-Ticket JugendBW.
  • Hintergrund: D-Ticket kostet seit April 45 Euro, ab Januar 48,80 Euro – Kreis zahlt keinen Zuschuss.
  • Kritikpunkt der Eltern: Wegfall der Befreiung fürs dritte Kind verteuert Familien spürbar.
  • Beispielrechnung: statt 118 Euro für zwei Kinder nun 146,40 Euro für drei – rund 340 Euro mehr im Jahr.
  • Initiative plant Petition an den Landtag und schlägt übergangsweise halben Eigenanteil vor.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Im Technischen Ausschuss des Kreistags hat die Verkehrsgemeinschaft Landkreis Freudenstadt (VGF) ihren Bericht über das Jahr 2025 vorgelegt: Über 7000 Schülerinnen und Schüler im Kreis fahren inzwischen mit dem D-Ticket JugendBW, nur noch 230 mit einer Schülermonatskarte. In der Aussprache forderte die Grünen-Kreisrätin Elisabeth Gebele, das Landratsamt solle den Eltern den Preisvorteil des D-Tickets gegenüber den früheren Monatskarten deutlicher vorrechnen, um der Kritik an der geänderten Schülerbeförderung zu begegnen.

Diese Anregung greift jetzt die Elterninitiative Schülerbeförderung Landkreis Freudenstadt auf und verweist darauf, dass das JugendBW-Ticket zwar günstiger als die Schülermonatskarte ist, aber zu 70 Prozent durch das Land finanziert wird. Der Landkreis hat seinen eigenen Zuschuss zum 1. April gestrichen. Seither kostet das Ticket im Kreis nicht mehr 35, sondern 45 Euro im Monat, ab Januar 48,80 Euro. „Der Vorteil wird also jedes Jahr kleiner und der Kreis trägt nichts mehr dazu bei“, heißt es in der Mitteilung. Diese eine Zahl sei allerdings nur die halbe Rechnung. Auch der Mehrwert sei kleiner, als es klinge: Laut VGF-Tarifheft gab es mit der Schülermonatskarte im ganzen Landkreis werktags ab 9 Uhr, am Wochenende und in den Schulferien ganztägig freie Fahrt. Das D-Ticket bietet die bundesweite Nutzungsoption.

„Die Kritik der Eltern richtet sich auf etwas anderes. Bis zum vergangenen Schuljahr war das dritte Kind einer Familie vom Eigenanteil befreit, wie damals in nahezu allen Landkreisen des Landes. Seit September zahlt es den vollen Preis“, heißt es in der Mitteilung. Die Initiative rechnet es an einem Beispiel vor: eine Familie aus einem Teilort, drei Kinder an weiterführenden Schulen, früher Schülermonatskarten über vier Zonen. Eine solche Karte kostet 118 Euro, die Eltern trugen davon nach der früheren Satzung die Hälfte, 59 Euro je Kind.

Rund 340 Euro mehr im Jahr

Mit dem D-Ticket zahlt diese Familie für die ersten beiden Kinder tatsächlich weniger: ab Januar 48,80 Euro je Kind. Das dritte Kind aber fuhr bis zum Sommer umsonst, jetzt kostet es ebenfalls 48,80 Euro. Unterm Strich: früher 118 Euro im Monat für zwei Kinder, ab Januar 146,40 Euro für drei, rund 340 Euro mehr im Jahr. Betroffen sind nach Angaben der Kreisverwaltung rund 290 Familien, die Ersparnis des Kreises liegt bei etwa 125.000 Euro im Jahr.

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Die Initiative: „Bei den Grundschülern greift das Mehrwert-Argument gar nicht. Ein Grundschulkind fährt nicht allein nach Stuttgart, sein Ticket ist reiner Schulweg.“ Die Preisentwicklung für Grundschüler ist horrend, da sie bis zum Schuljahr 2021/22 ohne Eigenanteil zur Schule fuhren: „Von 0 auf 585,60 Euro im Jahr innerhalb von vier Jahren, für Kinder, die den Bus nur nehmen, weil die Grundschule nicht im Ort ist“, kritisieren die Eltern. Manche müssten sogar Taxi oder Kleinbus nehmen, die kein D-Ticket abdeckt, weil in ihren Orten keine Busse fahren. „Und die Wege werden länger: Kleine Grundschulstandorte werden aufgegeben.“

Initiative nimmt Grünen-Kreisrätin beim Wort

Die Initiative beruft sich auf die Rubrik „Montagsspalte“, die Elisabeth Gebele im Mai in der SÜDWEST PRESSE schrieb. Politik müsse manchmal „Verzicht organisieren“, dabei aber „Angebote für Härtefälle“ erhalten, und es brauche mehr Menschen, die Verantwortung übernehmen, „im Ehrenamt, in Vereinen, in Initiativen“, heißt es darin.

„Die Initiative nimmt sie gern beim Wort. Genau das tun die Eltern seit Februar: ehrenamtlich, sachlich, mit Tausenden Unterstützerinnen und Unterstützern“, heißt es in der Mitteilung. Und sie stellen nicht nur die Frage „Was verliere ich?“, sondern die, die Gebele selbst stellt: „Was erhalten wir gemeinsam?“

Die Antwort der Initiative: „Familien, die mit drei und mehr Kindern auf dem Land bleiben. Eines aber muss klar sein: Das ist kein Einzelinteresse. Es geht um rund 290 Familien im Kreis, um mehr als 4.900 Menschen, die dafür unterschrieben haben (...). Kinderreiche Familien sind kein Sonderfall, sie sind die Zukunft dieses Landkreises.“ Die Schülerbeförderung ist so eine Pflichtaufgabe, den Kreisen vom Land zugewiesen und mit einer Pauschale abgegolten, heißt es in der Mitteilung.

Halber Eigenanteil als Kompromiss?

Und weil es in den Landkreisen verschiedene Regelungen gibt (Rottweil und der Zollernalbkreis befreien das dritte Kind weiter) und sich die Regeln nach dem Schul- und nicht dem Wohnort richten, bereitet die Initiative eine Petition an den Landtag vor: eine landesweite Mehrkindregelung beim D-Ticket JugendBW, geregelt vom Land, das das Ticket ohnehin zu 70 Prozent trägt. Einreichen wird sie eine Mutter Sulz, die sich der Initiative angeschlossen hat, weil ihre Kinder über die Kreisgrenze zur Schule fahren. „Die Petition ist in der Endredaktion, parallel bemüht sich die Initiative, Verbände als Unterstützer zu gewinnen“, heißt es in der Mitteilung.

Weil das jedoch Zeit benötigt, sieht die Elterninitiative den Kreis in der Pflicht. Sie hat dem Kreistag deshalb einen Kompromiss für die Übergangszeit vorgeschlagen: den halben Eigenanteil für das dritte Kind, befristet, bis sich die Finanzlage bessert oder das Land eine Regelung trifft. Die Initiative: „Bei den anstehenden Haushaltsberatungen hat jede Fraktion die Gelegenheit, ein Zeichen für die Familien zu setzen.“