Ritterspiele in Horb
: Was macht die Mittelalter-Tage Empfingen anders?

Zum ersten Mal machen die Mittelaltertage in Station bei Empfingen. Werden sie die Ersatz-Ritterspiele von Horb?
Von
Jürgen Lück
Horb/Empfingen
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Mittelaltertage Wiesenstetten Empfingen

Ein Reiter beim Turnier bei den Mittelaltertagen in Wiesenstetten. 2027 sollen sie in Empfingen stattfinden. Ersetzt diese Veranstaltung die Ritterspiele Horb?

Juergen Lueck
  • Mittelaltertage in Wiesenstetten dienen als Testlauf, 2027 soll das Fest vor der Täleseehalle Empfingen sein.
  • In Horb wackeln die Ritterspiele wegen hohem Defizit und Personalkosten, Skepsis im Gemeinderat.
  • Preise im Vergleich: Eintritt Wiesenstetten 10 Euro, Horb 14 Euro plus 25 Euro fürs Turnier.
  • Wiesenstetten setzt auf familiäres, klassisches Konzept mit kleinem Turnier und ohne große Bühne.
  • Horb bietet großes Spektakel mit Action-Turnier, Bands und viel Show – jedoch teurer und aufwendiger.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Gefühlt gibt es einen sportlichen Wettkampf zwischen Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner und Horb. Macht Empfingen Horb jetzt auch noch die Ritterspiele abspenstig?

Fakt ist: Horbs größte und renommierteste Veranstaltung mit im Schnitt 15.000 zahlenden Besuchern steht möglicherweise vor dem Ende. Das Defizit der Ritterspiele Horb in Höhe von über 150.000 Euro plus Personalkosten – die sich ingesamt auf über 300.000 Euro belaufen – sorgt für große Skepsis im Gemeinderat und Rathaus. Offenbar mehren sich die Stimmen, angesichts klammer Kassen und Gebühren, die man deshalb erhöhen musste, könne man sich das nicht mehr leisten.

Fabula Corvinus dagegen hat sich jetzt in Wiesenstetten für den großen Auftritt 2027 vor der Täleseehalle in Empfingen warmgelaufen. Veranstalterin Anja Kurz: „Weil uns das Gelände im Schloss in Günningen geplatzt ist, hat uns Truffner den Standort Wiesenstetten als Ersatzspielort angeboten.“

Will Empfingen Horb die Ritterspiele abspenstig machen?

Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner: „Ich will Horb nichts wegnehmen. Wir haben lediglich den Platz in Wiesenstetten 2026 auf Anfrage vermietet. Und auch für den Termin 2027. Ansonsten haben wir kein Interesse an Mittelalter-Veranstaltungen. Das passt eher zu Horb als zu uns.“ Truffner verweist darauf, dass die Historie Empfingens hauptsächlich durch die Hohenzollern geprägt ist - was auch in entsprechenden Märkten und Veranstaltungen dokumentiert wird.

In Horb hatten der Mittelaltermarkt in Wiesenstetten vor allem in Kreisen des Stadtmarketings für Irritationen gesorgt. OB Michael Keßler (CDU) sieht das „entspannt“, wie er dieser Redaktion sagt: „Wir machen unsere Veranstaltungen. Die Empfinger ihre.“

Der Ritterspiel-Vergleich bei den Getränkepreisen

Beim Vergleich zwischen den Rittertagen Horb und den Mittelaltertagen Wiesenstetten ergibt sich ein gemischtes Bild.

Essen und Getränke. Bier: 0,5 Liter 5 Euro. „Krug“-Pfand 5 Euro. In Horb gab es gekühlte Tonkrüge, in Wiesenstetten Gläser. Die Kosten für Softdrinks in Wiesenstetten (Apfelschorle, Süßer Sprudel): 0,2 Liter 3,50 Euro. Horb: 0,5 Liter für 4,50 Euro. Die Bratwurst kostet bei den Mittelaltertagen in Wiesenstetten 5 Euro. Currywurst Porto Neckar Horb: 6 Euro. Die Getränkepreise der Ritterspiele Horb hatten zu Diskussionen geführt.

Eintritt: Ritterspiele mehr als doppelt so hoch wie in Wiesenstetten

Eintritt: 10 Euro. Anja Kurz: „Eigentlich wollten wir 12 Euro mit Turnier nehmen.“ Horb: Eintritt normal (Wegezoll): 14 Euro. Turnier: 25 Euro. Das Turnier in Horb ist aber mit seinen Zuschauertribünen und der Dramatik rund um den Horber vertrag deutlich größer und opulenter angelegt.

Anja Kurz Fabula Corvinus

Anja Kurz von Fabula Corvinus aus Haiterbach veranstaltet auch die Mittelaltertage in Wiesenstetten. Nächstes Jahr wird er in Empfingen vor der Täleseehalle sein.

Juergen Lueck

Die Horber Ritterspiele dürften im Jahr 2024 einen Etat in Höhe von fast gut 600.000 Euro gehabt haben (424.000 Euro Einnahmen, Defizit: 156.000 Euro). Anja Kurz von Fabula Corvinus: „Unser Etat ist deutlich geringer.“

Bands und Entertainment

Thema Mittelaltermusik. Es gibt in Wiesenstetten ein paar Spielleute, die ihre Standorte wechseln, aber keine Bühne. Bezaubernd, wie vier Tänzerinnen vor ätherischer Musik von Dulcimus mit ihren Hüten Ruhe und Entspannung zaubern.

Bei den Ritterspielen Horb wird den Bands nicht nur eine große Bühne geboten, sondern mit Fanfarenzügen, jeder Menge Gewandeten und Mittelalter-Künstlern sowie dem Horber Vertrag ist deutlich mehr Spektakel geboten.

Action-Turnier in Horb, klassisch in Wiesenstetten

Turnier: Während Horst Bulheller mit seinem EHS-Team auf dem Geläuf auf der Turnierwiese in Horb mit jeder Menge Reitern aus dem Vollen schöpfen kann, ist der Platz in Wiesenstetten limitiert. Die gefühlt 40 Meter reichen gerade mal zum An-Galopp. In Wiesenstetten gibt es drei Reiter.

Ritterspiele Wiesenstetten

Unterhaltung beim Ritterturnier in Wiesenstetten: Dieser Ritter liebt offenbar sein Bier mehr als den Kampf und fällt gleich vom Pferd.

Juergen Lueck

Der Entertainment-Faktor hier: Ein Ritter kommt betrunken rein, das Bier spritzt aus dem Glas und er fällt betrunken vom Pferd. Reitkunst: Rose in eine Vase stecken, Ringestechen und Helme mit Schwertern runterholen. Lanzenstechen und diverse Exzerzitien. Zwischendurch wird noch der Schatz geklaut und die Wachen niedergestochen.

Wenig Tempo, wenig Rasanz, wenig Show. Matthias Ertel, ehemaliger Vorstand des Rittervereins Horb: „Das ist ein klassisches Turnier. Das ist näher an den Ritterspielen, wie wir sie auch einmal in Horb hatten.“

Das steckt hinter dem Konzept von Fabula Corvinus

Was macht Fabula Corvinus so erfolgreich? Anja Kurz: „Mein Mann und ich stemmen das allein. Wir konzentrieren uns darauf, ein familienfreundliches Mittelalter zum Nacherleben zu bieten. Wir haben uns ein Netzwerk von Marktleuten und Versorgen aufgebaut. Schausteller erkennt man daran, dass sie beim Abbau sich nur um sich kümmern. Wir schaffen alle zusammen – auch beim Abbauen. Diese Stimmung kommt auch auf die Gäste rüber.“

  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Das Turnier bei den Ritterspielen in Horb: Das lange Geläuf erlaubt Voll-Galopp und damit auch Action. Die Fantasy-Elemente machen das Turnier zum Spektakel.

    Jürgen Lück
  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Das Turnier bei den Mittelaltertagen in Wiesenstetten: Der kleine Platz erlaubt allenfalls das kurze Angaloppieren.

    Jürgen Lück
  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Unterhaltungsfaktor: Bei den Ritterspielen Horb sorgen farbenprächtige Kostüme mit Fanfarenzügen für auch akustisch eindrucksvolle Auftritte.

    Jürgen Lück
  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Verträumt: Zu ätherischer Musik tanzen diese vier Ladys ganz entspannt und in Ruhe zum genießen bei den Mittelaltertagen in Wiesenstetten.

    Jürgen Lück
  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Bei den Ritterspielen Horb sorgen zum Beispiel die Wikinger für mittelalterliche Atmosphäre im Egelstal im Ritterlager.

    Jürgen Lück
  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Gewandete bei den Mittelaltertagen in Wiesenstetten.

    Jürgen Lück
  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Die Getränkepreise bei den Ritterspielen in Horb sorgten für Diskussionen. Immerhin sind die Softdrinks hier alle 0,5 Liter.

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  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Die Getränkepreise bei den Mittelaltertagen in Wiesenstetten.

    Jürgen Lück
  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Die Musikanten spielen bei den Mittelaltertagen in Wiesenstetten direkt auf der Wiese.

    Jürgen Lück
  • Ritterspiel Vergleich Horb Wiesenstetten

    Bei den Ritterspielen in Horb gibt es die große Bühne für die Dudelsackspieler.

    Jürgen Lück
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Veranstalterin Kurz weiter: „Wir setzen auf das klassische Mittelalter-Fest. Natürlich leiden wir wie alle unter den politisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Kaufzurückhaltung der Gäste.“

Das größte Event von Fabula Corninus in diesem Jahr ist ihr Mittelalter-Markt beim Schwörtag in Reutlingen. Anja Kurz: „Wir arbeiten sehr fair mit unseren Partnern zusammen. Es gibt keine Knebelverträge. Wir ziehen nach jedem Spielort Bilanz und optimieren gemeinsam den Auftritt für das nächste Jahr.“ Und dieser Auftritt wird 2027 vor der Täleseehalle in Empfingen sein.

Das sagt der Mittelalter-Profi Bertholder

Harry Rischar hatte als Francois de Montcorbier die Horber Ritterspiele eröffnet und war als Bertholder der Erzähler im Kräutergarten. Jetzt sitzt er unter dem Apfelbaum in Wiesenstetten. Er sagt: „Das Honorar für mich ist gleich auf beiden Veranstaltungen auf die Zeit umgerechnet gleich.“

Ritterspiele Horb

Harry Rischar hat als Francois de Montcorbier die Ritterspiele Horb eröffnet. Er ist auch auf dem Mittelaltermarkt in Wiesenstetten.

Juergen Lueck

Der gelernte Sozialarbeiter kritisiert die immer höher werdende Bürokratie und Sicherheitsauflagen, welche die Ritterspiele Horb immer mehr vom Rest der Kernstadt abgegrenztem Spektakel gemacht haben. Bertholder, der Erzähler: „Der Raum ist der dritte Erzieher. Unvergessen, wie wir in Horb als Bundesliga unter den Mittel-Enactern erst das Tavernenspiel gemacht haben und dann noch die Sessions in den Besen in der Neckarstraße. Das wurde dann aufgrund der immer mehr werdenden Bürokratisierungen kaputt gemacht.“

Mittelaltermarkt

Schauspieler Andreas Schnell auf dem Mittelaltermarkt Wiesenstetten: Er verteilt Flyer für das Ensemble vom Chamäleon-Theater. Bei den Horber Ritterspielen stand er als der „böse“ Herzog Eberhard auf der Bühne.

Juergen Lueck

Bertholder sieht auch eine mangelnde Ritterspiel-Begeisterung in Horb: „Wenn der OB und die Gemeinderäte zu den Ritterspielen in Zivilkleidung kommt und die meisten Horber auch, dann merkt man, dass an dieser Stelle die Mittelalterbegeisterung nachgelassen hat.“ Leider, so der Mittelalter-Profi, hätten die Ritterspiele Horb einen Trend Richtung Stadtfest. Bertolder: „Das gilt in Mittelalter-Kreisen eher als Beleidigung.“

So gefällt Horbs bösem „Herzog Eberhard“ Wiesenstetten

Andreas Schnell, bei den Horber Ritterspielen beim Horber Vertrag auf großer Bühne, ist auch in Wiesenstetten. Er verteilt Flyer für die nächsten Auftritte des Chamäleon-Theaters. Der böse Herzog Eberhardt der Horber Ritterspiele: „Hier in Wiesenstetten ist es ruhig und beschaulich. Gemütlich.“

Fazit: Die Mittelaltertage und die Ritterspiele Horb sind nicht zu vergleichen. Horb ist definitiv ein Spektakel mit jeder Menge Action. Laut, bunt, mit jeder Menge optischer, musikalischer und sonstiger Reize. Wer will, bekommt aber auch authentisches Lagerleben im Egelstal. Das Konzept von Fabula Corvinus ist nicht so spektakulär. Aber familiär und gemütlich.

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