Pferdeseuche im Kreis Tübingen
: So geht es dem Reiterhof in Neustetten nach dem Tod von Lissy

Im August wurde bei Pony Lissy im Kreis Tübingen eine ansteckende Blutarmut diagnostiziert. Das Pferd wurde eingeschläfert, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Wie es nun weitergeht.
Von
Julia Maria Meene
Oberndorf
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Seit dem Tod von Pony Lissy steht der Reittherapiehof Frank in Neustetten (Kreis Tübingen) still.

Frank

Eigentlich wollte Ina Frank Kindern die Welt der Pferde näherbringen - mit Reitunterricht, Ferienprogrammen und therapeutischen Angeboten. Im Februar 2024 erfüllte sie sich diesen Lebenstraum mit einem eigenen Reittherapiehof in Neustetten (Kreis Tübingen). Am Hof nicht mehr wegzudenken: die Ponydame Lissy mit ihrem ruhigen und kinderfreundlichen Gemüt.

„Lissy war etwas ganz Besonderes. Ruhig, ausgeglichen – ein Kinderpony, wie man es nur schwer findet“, sagt Frank. Seit Juni war sie bereits fester Bestandteil im Kinderreitunterricht, bei Kindergeburtstagen und dem Sommerferien programm der Gemeinde Neustetten. Ein halbes Jahr bildete Frank die 1,30 Meter große Ponydame aus. Vor wenigen Wochen konnte sie dann die Früchte ihrer Arbeit ernten: Lissy kam mit ihrem ruhigen und freundlichen Gemüt super bei Kindern an.

Die tödliche Diagnose für Pony Lissy

Anfang August war dann alles anders. Mit Verdacht auf eine Kolik wurde Pony Lissy zum Tierarzt gebracht. „Die Tierärztin meinte aber gleich, der Allgemeinzustand ist so schlecht, dass wir in die Klinik fahren sollten“, erzählt Ina Frank im Gespräch mit unserer Redaktion. In der Schwarzwald-Tierklinik in Neubulach folgten zahlreiche Tests. Das Ergebnis: Infektiöse Equine Anämie (IEA).

Die Tierseuche, die auf Deutsch „ansteckende Blutarmut bei Einhufern“ heißt, ist meldepflichtig – und leider auch unheilbar. „Das war ein furchtbarer Moment“, erinnert sich Frank. „Als das staatliche Institut das Ergebnis bestätigt hat, musste sie eingeschläfert werden.“ Jedes infizierte Tier muss getötet werden, um eine Verbreitung der Seuche zu verhindern.

Für Inhaberin Ina Frank ist seitdem nichts, wie es mal war. Der Betrieb ihres kleinen Hofes steht seit dem Tod von Lissy still. Für Frank bedeutet das gleich doppelte Belastung: „Meine Pferde wurden zwar getestet und sind alle negativ, aber wegen der dreimonatigen Inkubationszeit ist mein Betrieb bis Ende November gesperrt“, sagt sie.

Laufende Kosten trotz Quarantäne

Sie zwei zwar zuversichtlich, dass ihre anderen vier Pferde weiterhin gesund bleiben, trotzdem trifft die Quarantänezeit den Hof hart. Drei Monate ohne Reitstunden und Einnahmen, während Futter, Tierarzt, Hufschmied und Versicherungen weiterhin bezahlt werden müssen.

Hinzu kommt: Das Kinderpony fehlt. „So ein Pony wie Lissy zu finden ist unglaublich schwer“, erklärt Frank. Es brauche den richtigen Charakter, Geduld mit wechselnden Kindern und müsse belastbar sein. „Man merkt oft erst nach Monaten, ob es wirklich passt,“ so Frank. Lissy sei ein Glücksgriff gewesen, nachdem sie nun knapp ein halbes Jahr Ausbildung in das Pony gesteckt hatte.

Spendenaufruf gibt ihr Hoffnung

Um die schwierige Zeit zu überstehen, wurde ein Spendenaufruf für Franks Hof gestartet. Drei Monate Betriebsausfall, Lissys Tierarztkosten von rund 3500 Euro – und natürlich der Wert des Kinderponys, das nun nicht mehr da ist: Die Kosten sind hoch. Auch, weil Frank langfristig ein neues Pony kaufen muss. „Von der Tierseuchenkasse bekomme ich wohl einen gewissen Geldwert“, sagt sie. Dass dieser den wahren Wert von Lissy ersetzen kann, bezweifelt Frank.

Mehr als dankbar ist die Hofinhaberin daher über die zahlreichen Unterstützer. Mehr als 2800 Euro sind dank des Spendenaufrufs bereits zusammengekommen. „Das hilft mir unglaublich, dass ich meinen Betrieb nach der Quarantäne wieder aufnehmen kann“, sagt Frank zuversichtlich. „Ich bin einfach nur dankbar über jede Unterstützung.“

Die Krankheit Equine infektiöse Anämie

Die akute Form von IEA äußert sich bei Pferden etwa in Fieber, Apathie, Bewegungsschwäche, Herzrasen und Punktblutungen auf der Zungenunterseite, auf Schleimhäuten und der Lidbindehaut. Die chronische Form zeichnet sich durch wiederkehrende Fieberschübe, Konditionsverlust sowie Ödembildungen an Unterbauch und Extremitäten aus.

Die Infektion erfolgt primär über den Austausch von Blut. Aber auch durch direkten Kontakt zwischen Pferden sowie durch tierärztliche Behandlung kann die Krankheit übertragen werden.

Tiere mit unklaren Krankheitszeichen sollten sofort dem Hoftierarzt vorgestellt werden. Bei Seuchenverdacht ist umgehend das zuständige Veterinäramt zu informieren. Nachweislich infizierte Tiere sind lebenslang eine potenzielle Infektionsquelle; daher müssen diese getötet werden.

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