Jubiläum in Starzach: Kleine Alexandra verzaubert Schloss Weitenburg

Baron Raßler und SWR-1 Moderatorin Petra Klein: Humorvoll und selbstironisch führen beide die Gäste ins Programm.
LückStarzach - Der Festakt. Der sichtlich nervöse Baron Freiherr Max-Richard von Raßler gesteht: "Ich habe Lampenfieber." SWR1-Moderatorin Petra Klein ist seine Moderationspartnerin, kontert: "Da kann ich doch nur ihr Placebo sein."
Und Raßler kommt gleich in Fahrt. Begrüßt launig Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, die zum CDU-Kreisverband Zollern-Alb gehört. Der FDP-Fraktionsvize im Kreistag: "Wir sind Ihnen und der CDU treu ergeben. Dazu begrüße ich meinen Kollegen Thomas Noé (Freie Wähler) – er gehört zu einer anderen Fraktion, aber das Frei haben wir gemeinsam!"
Der Saal – voll mit politischer Macht
Charmant erklärt Petra Klein noch die Zahl 363. Eigentlich hat Schloss Weitenburg vor drei Jahren 300-Jähriges gehabt. Corona-Lockdown. Weihnachten wurde der Schlossherr 60. Macht im Jahr 2023 zusammen 363.
Der Saal. Voll mit Macht und Einfluss. Tübingens OB Boris Palmer (Grüne), Joachim Walter (Vorsitzender Landkreistag), Regierungspräsident Klaus Tappeser, Roland Bernhard (Landrat Böblingen) und Rottenburgs OB Stephan Neher. Reutlingens IHK-Präsident Christian Erbe: "Ich genieße es, so viele Krawattenträger hier zu sehen. Bei der Jubiläumsfeier meiner Firma mit Bundeskanzler Olaf Scholz gibts eine Protokollnotiz: Wir bitten, vom Tragen von Krawatten abzusehen. So tief sind wir gesunken, nur nicht hier."
Landrat Walter: Der Baron bleibt auf dem Teppich
Landrat Joachim Walter: "Baron Raßler hat eine große Bürgernähe. Er bleibt auf dem Teppich – am liebsten natürlich auf dem Roten."
Moderatorin Petra Klein listet die vielen Ehrenämter auf, die Baron Raßler hat. Der Freiherr bescheiden: "Ohne meine Mitarbeiter könnte ich das nicht leisten. Sie sind mein Schatz."
Baron Rassler scherzt: Bei uns nur zehn Prozent Abgaben!
Als Klein die 303-jährige Geschichte des Schlosses in kurzen Zügen auflistet, betont Baron Raßler: "Damals wurde unser Land durch Meierhöhe bewirtschaftet. Die Pächter mussten eine Abgabe von zehn Prozent leisten. Vergleichen sie das mal mit der heutigen Abgabenlast an den Staat!"
Baron Rassler und sein Schlosshotel. Wirtschaftsministerin Hoffmann-Kraut und Starzachs Bürgermeister Noé erwähnen unisono, dass es hier seit 1988 das erste private Standesamt im Land gibt. Der rote Salon mit bisher 1259 Trauungen.
Ist "Ehe-Geling-Garantie" nur Marketing-Gag der Schlossherren?
IHK-Chef Erbe: "Meine Eltern waren das vierte Paar, das hier getraut wurde. Ihr Vater hat damals gesagt: Alle Ehen, die hier geschlossen wurden, halten. Später habe ich erfahren, dass meine Eltern erst das vierte Paar waren, das auf der Weitenburg getraut wurde." Pikant: Ist die "Ehe-Geling-Garantie" nur ein Marketing-Gag der Schlossherren? Starzachs Bürgermeister Noé: "Das erste Brautpaar ist bis heute verheiratet und hat drei Kinder!"
Höhepunkt: Kamarova-Schwestern begeistern die Gäste
Bei der Jubiläumsfeier im Schloss schaffen es die Kamarova-Schwestern aus Horb, die Gäste mit ihrer Musik glücklich zu machen. Das emotionale Highlight! Erst legt die neunjährige Alexandra bei Bachs Violinenkonzert in E-Dur ein perfektes Solo hin, dann brilliert sie mit ihren Schwestern Alisija und Nastja am Cello bei Vivaldis Violinenkonzert Nummer 12 Opus 3. Dirigent Sven Gnass vom Horber Kammerorchester will die drei Schwestern aufs Podium holen. Doch die drei Mädchen sind zu schüchtern. Baron Raßler höchstpersönlich stürmt sofort zu den Blumensträußen auf der Theke, schnappt sie sich und verteilt sie an die drei Schwestern. Macht deutlich: Sie haben emotional der Feier die Krone aufgesetzt. Gerührt sagt er: "Das war wirklich entzückend!"
Heuss-Enkel setzt perfekten Schlusspunkt
Dann der Schlusspunkt. Baron Raßler ist ja 60 geworden. Bekennender Freidemokrat. Wer besser als Ludwig Theodor Heuss – Enkel des ehemaligen FDP-Bundespräsidenten Theodor Heuss (1884-1963) – kann auf den Punkt bringen, was der Freiherr politisch lebt?
Heuss zunächst: "Mein Großvater Theodor war gegen liberal im Parteinamen. Meine Großmutter Elly wollte sogar austreten, wenn das kommt." Heuss: "Die Freiheit bedeutet einerseits wenig Staat. Aber auch Individuen, die in Gebundenheit und Verantwortung stehen. Dieser zweite Halbsatz fällt oft weg. Dazu gehört auch, für das Individuum materiell Voraussetzungen zu schaffen, um frei zu sein!" Baron Raßler hat es geschafft. Lebt es. Das liberale Plädoyer von Heuss: Wir brauchen Menschen wie Baron Raßler. Die dafür kämpfen, dass jeder Bürger frei sein kann. Ein perfekter Schlusspunkt.
