Jubiläum der Horber Imker: Bereits seit 1875 im Dienst der Natur

Ein Imker zeigt eine Honigwabe
Patrick Pleul/dpaIm Jahr 1875, als die Landwirtschaft das Leben prägte und die Bedeutung der Biene langsam ins öffentliche Bewusstsein rückte, gründeten engagierte Bürger aus Horb und Umgebung den Bezirksbienenzüchterverein Horb am Neckar. 150 Jahre später existiert dieser Verein immer noch – mit heute über 70 Mitgliedern, der weit über Horb hinaus wirkt.
In Horb gibt es zwei Imkervereine: einen in Dettingen und einen in Horb. „Wir arbeiten seit Jahren sehr gut zusammen. Es ist uns egal, wer in welchem Verein ist: Wichtig ist, dass wir alle die Imkerei nach vorne bringen wollen“, sagt Oliver Riese, der für den Jubiläumsrückblick viele historische Quellen gesichtet und ein Jubiläumsprogramm mitorganisiert hat.
So wird das Jubiläum gefeiert Gefeiert wird am Samstag, 4. Oktober, im Dettinger Adler: Nach Sektempfang und Ausstellung mit Einblicken in 150 Jahre Imkerei, können Besucher verschiedene regionale Honigsorten probieren. Highlight des Abends wird ein Vortrag von Helmut Horn sein, dem Präsidenten des Imkerverbands – über die Entwicklung der Imkerei im Wandel der Zeit.

Eine Königin, umringt von Arbeiterinnen
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-ZentraFrüher wurde mit einfachen Beuten und viel Handarbeit gearbeitet, Rauch war das zentrale Hilfsmittel: „Dieser Rauch signalisiert den Bienen ‚Gefahr‘: Dann drehen diese ihren Kopf in die Waben und fangen an zu essen, damit sie später vor dem befürchteten Waldbrand fliehen können. Das führt dazu, dass die Bienen ruhig werden“, erklärt Riese.
Die heutigen Herausforderungen Die Herausforderungen der Gegenwart sind komplexer. Drei Punkte nennt Riese besonders: „Die Varroa-Milbe kam vor circa 20 bs 30 Jahren auf und lässt ganze Bienenvölker sterben, wenn der Imker hier nicht vorsorglich eingreift. Damit dies zukünftig nicht mehr nötig sein soll, wird aktiv daran gearbeitet, varroaresistente Bienen zu züchten. Bei diesen neuen Züchtungen ist unser Vorsitzender Rado Stupar aktiv überregional vorne mit dabei. Da sind wir im Verein sehr stolz drauf.“
Hinzu kommt die asiatische Hornisse, die sich inzwischen auch im Vereinsgebiet zeigt. „Diese Hornissen ernähren sich von Honigbienen. Sie fliegen vor das Flugloch am Bienenstock und schnappen sich eine Honigbiene nach der anderen, bis alle Bienen im Volk aufgegessen sind.“
Auch der globale Honigmarkt sorgt für Unmut. Riese: „Immer wenn auf einem Honigglas steht ‚aus europäischen und nicht europäischen Ländern‘, dann kommt 95 Prozent des Honigs aus China oder Mexiko. Dies ist allermeist kein echter Honig, sondern eine Zuckerwasserlösung.“
Nachhaltigkeit ist den Imkern wichtig Nachhaltigkeit spielt in der Arbeit des Vereins eine zentrale Rolle – nicht nur in der Bienenhaltung selbst, sondern auch in der Vermittlung ökologischer Zusammenhänge. Imkerinnen und Imker setzen sich aktiv für den Erhalt der Artenvielfalt ein, fördern Blühflächen und pflegen insektenfreundliche Gärten. „Bienenhaltung ist eng mit ökologischen Kreisläufen und dem Schutz der Biodiversität verbunden“, betont Oliver Riese.
In Schulungen wird auf chemiearme, schonende Methoden gesetzt, die das Gleichgewicht im Bienenvolk und in der Umwelt bewahren. Auch die Zusammenarbeit mit Schulen, Gemeinden und Umweltgruppen gehört fest zur Vereinsarbeit.
Junge Menschen interessieren sich für Imkerei Trotz solcher Herausforderungen wächst das Interesse an der Imkerei – auch bei jungen Menschen. In gut besuchten Anfängerkursen wird der Einstieg erleichtert, die Theorie findet im NABU-Haus in Horb statt, die Praxis an den Bienenstöcken in der Umgebung. Nachhaltigkeit und Biodiversität sind zentrale Leitgedanken: „Der Verein versorgt die Region mit gesundem Honig. Auch bestäuben die tausenden Vereinsbienen in der ganzen Gegend Obstbäume, Blumen und Nutzpflanzen. Beides sind wichtige Aufgaben in der Region.“
Über den Bezirksimkerverein
Vereinsname
Der Vereinsname war damals noch Bezirksbienenzüchterverein Horb a.N. (erst 1985 wurde daraus ein eingetragener Verein e.V.).
Nachkriegszeit
In der Nachkriegszeit spielte der Verein eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung der lokalen Imkerei. Ab 1947 traf sich der Verein wieder regelmäßig, wie man im Vereinsarchiv nachlesen kann.
Mitgliederentwicklung
Die stärkste Mitgliederanzahl war wohl in den 70 bis 90er-Jahren mit über 111 Mitgliedern. „Heute sind wir mit über 70 Mitgliedern gut aufgestellt“, so Riese
Anzahl der Bienenvölker
Die Anzahl der Völker im Verein war in Spitzenzeiten, zum Beispiel 1974, 2101 Bienenvölker. Heute hat sich die Zahl bei 500 bis 600 Völkern eingependelt.
Vereinsvorsitzende
An der Spitze waren unter anderem Anton Gramer (1961), Franz Schiebel, Hans Vogel (1978–2006, am längsten im Amt) oder Eden Volohonsky.
Vereinssitzungen
Die Vereinssitzungen waren früher in der Linde/Eutingen, im Steiglehof/Hohenberg und heute beim Nabu Horb in der Weingasse 3.
Mitglieder
Riese gibt den Tipp: „Am besten kommt man einfach zu einer Inhouse-Veranstaltung in den Räumen des Nabu oder zu einer Outdoor-Veranstaltung direkt an den Bienenstöcken einfach mal vorbei.“