Großes Stadtfest Horb
: Wird „Unsere Stadt feiert“ kaputtgespart?

Betreiber, Aussteller und Besucher des Horber Stadtfests sind sauer: „Warum darf Essen erst ab 16 Uhr ausgegeben werden?“ Was das Stadtmarketing dazu sagt.
Von
Jürgen Lück
Oberndorf
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Diese drei Kinder sind am Samstag auf dem großen Stadtfest in Horb im Glück: Es ist nach 16 Uhr – endlich essen.

Juergen Lueck

Der Samstag tagsüber gilt bei Marktbeschickern oft als kritisch bei Horber Festen. Doch diesmal beim großen Stadtfest war er besonders seltsam.

12.20 Uhr. Geli Engeln staunt auf dem Flößerwasen: „Hier ist ja alles zu. Wie traurig. Ich gebe zu, ich habe das Programm nicht gelesen.“

Im Programm steht am Samstag als Öffnungszeit: 16 bis 24 Uhr. Erster Programmpunkt: 14 Uhr Eröffnung des Kunsthandwerkermarkts durch Michael Lepple. Auf der Turnierwiese ist Flohmarkt. Und zwischen beiden Märkten, die der Neckar trennt, auf dem Stadtfest-Gelände: gähnende Leere. Die Hütten zu.

Mark Heidenreich vom Eisstand am Flößersteg: „Es sind hier schon ordentlich Leute hin und her gegangen.“

Der Flößerwasen um kurz vor 14 Uhr am Samstag: Alle Hütten sind zu, die Beschicker dürfen erst um 16 Uhr essen ausgeben.

Foto: Juergen Lueck

Also erst mal am Bahnhof Essen gegangen. Um 16 Uhr ist der Flößerwasen voll. Und viele Betreiber von Essensständen sind stinksauer. Ein Marktbeschicker: „Ab 14.30 Uhr saßen die Leute hier und haben mit den Fingernägeln auf den Biertischen geklappert. Wir waren schon startbereit, aber es war uns verboten worden, vor 16 Uhr Essen auszugeben. Ein Stand von weiter oben Richtung Inselspitze hat einfach angefangen. Wir haben dann nachgezogen. Schade. Das, was wir gestern durch den wenigen Besuch nicht hatten, hätte das Mittagsgeschäft am Samstag ausgeglichen.“

Aussteller sind sauer, weil es vor 16 Uhr kein Essen gibt

Ein Aussteller vom Kunsthandwerkermarkt: „Wir durften ab 10 Uhr den Markt aufbauen, mussten um 14 Uhr startbereit sein. Doch Essen – außer dem ‘Neckarrauschen‘, wo ich jeden Tag hingehen kann - gab es nicht.“

Der Kunsthandwerkermarkt auf der Inselspitze.

Foto: Juergen Lueck

Essens-Ausgabe-Verbot auf dem Großen Stadtfest von Horb? Claudia Beuter, Leiterin des Stadtmarketing, bestätigt: „Letztes Jahr haben die Marktbeschicker gesagt, das Samstagmittag zu wenig los ist. Da haben wir gesagt, Essensausgabe erst ab 16 Uhr. Auch, um Personalkosten zu sparen.“

Zufälligerweise ist an diesem Samstag aber der Flohmarkt auf der Turnierwiese. Beuter: „Das ist eine private Veranstaltung. Die sind autonom, haben eigene Essensstände.“

Margret Peters und ihr Enkel. Zumindest dessen Hunger kann gestillt werden – trotz Essen-Ausgabe-Verbot.

Foto: Juergen Lueck

Ein Besucher des Horber Stadtfestes: „ Die Essensstände beim Stadtfest in Horb – gerade weil diesmal auch einige vom Fest der Kulturen dabei sind – bieten die Möglichkeit, Sachen zu essen, die man sonst in Horb nicht bekommt. Für mich absolut kundenunfreundlich, dass man die Betreiber zwingt, erst ab 16 Uhr das Essen servieren zu dürfen.“

Auch auf Facebook wird Kritik am neuen Konzept in der Gruppe „Horber Stadtgeflüster“ geübt. Karsten H.: „Wer kommt eigentlich auf die grandiose Idee, das Stadtfest erst um 16 Uhr zu öffnen?“ Dorothea V: „Gerade weil Flohmarkt ist, könnte man danach dort was essen und trinken.“ Anja H.: „Wir waren da und sind nach 30 Minuten wieder weg – totaler Reinfall.“

Eine Anweisung, um den Neckarrauschen-Biergarten von Michael Singer zu schützen? Singer: „Ich habe deswegen keine Absprache. Ich habe überlegt, ob ich diesen Samstag hier überhaupt so früh ab 11 Uhr aufmache.“

Bezaubernde Schui am Neckar

Immerhin: Trotz Kohldampf-Schieben am Samstag gab es schon die ersten Highlights, die auch am Stadtfest-Sonntag sind. Mitreißend: Die Show der Video-Clip-Girls von der Tanzschule im Neckartal. Jasmin Geyer kriegt gleich die ersten Ladys zum Mittanzen beim Line Dance.

Bei den Ginger Girls von der Balletschul-Kollegin Ginger Streibig wird es besonders rührend. Plötzlich greift sich die rothaarige Marylin das Mikro und sagt: „Wir müssen alle ein Geburtstagsständchen singen. Alicia hat heute Geburtstag.“ Und alle singen gemeinsam „Happy Birthday“.

Neckarfee Schui begeistert die Kinder beim Theaterspaziergang.

Foto: Juergen Lueck

Ergreifend: Der Neckarspaziergang „Wasser – ein Schatz für alle“ des Chamäleon-Theaters von Doro Jakubowski. Kapitän Holzbart hat das Holzschiff auf dem Piratenspielplatz geentert, Friedrich der Fisch hockt im Überlauf des Flusskraftwerks. Und die Neckarjungfrau Schui wirkt nicht nur auf Kinder bezaubernd.

Zwei Einzelhandels-Premieren am Stadtfest-Sonntag

Eismann Heidenreich: „Ich bin schon länger beim Horber Stadtfest dabei. Am Sonntag brennt die Hütte. Wenn das Wetter stimmt.“

Und auch beim verkaufsoffenen Sonntag (13 bis 18 Uhr) gibt es was ganz Besonderes zu entdecken: Jürgen Bolsinger von Argentum Antik in der Neckarstraße zeigt zum ersten Mal sein neues Ladenkonzept mit Damenschmuck und hochwertigen Herrenuhren. Und Julia Hagenlocher von awakee Kinder- Second-Hand öffnet ihr neues Geschäft am unteren Marktplatz (Ex-Raumausstatter Hug). Beide sagen: „Das ist die exklusive Gelegenheit, vor der endgültigen Eröffnung am 1. Oktober bei uns reinzuschnuppern.“

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