Ceratizit-Werk in Empfingen
: Beschäftigte enttäuscht und wütend – Sozialplan gescheitert

Die Verhandlungen über einen Sozialplan für die rund 230 Beschäftigten des Ceratizit-Werks in Empfingen sind gescheitert. Das teilt die IG Metall Freudenstadt mit.
Von
Florian Ganswind
Oberndorf
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Die Ceratizit-Belegschaft in Empfingen macht deutlich, was sie von ihrer Geschäftsführung hält.

IG Metall

Die Verhandlungen über einen Sozialplan für die rund 230 Beschäftigten des Ceratizit-Werks in Empfingen sind gescheitert. Das teilte die IG Metall Freudenstadt am Montag in einer Pressemitteilung mit. Nach dem Abbruch der Gespräche wird nun eine Einigungsstelle eingerichtet. Die Gewerkschaft kritisiert das Verhalten der Geschäftsführung scharf – und die Beschäftigten reagierten erneut mit Protest.

„Nach dem Besuch von über hundert Beschäftigten bei der Konzernzentrale in Reutte (Österreich) hatte der Vorstand noch zugesichert, gute und faire Lösungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden“, erklärt Georg Faigle, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Freudenstadt. „Dieses Versprechen war bisher nichts wert“, so Faigle weiter.

Ceratizit-Belegschaft ist sauer

Der Unmut bei der Belegschaft wächst: Bereits am vergangenen Freitag versammelten sich erneut Beschäftigte vor dem Werkstor, um ihrem Ärger Luft zu machen. Die zentrale Forderung: ein tragfähiger Sozialplan, der den langjährigen Mitarbeitern zumindest eine gewisse Absicherung bietet. Doch nach Ansicht der IG Metall sei das bisherige Angebot der Geschäftsleitung „unzureichend“ gewesen.

„Statt einer fairen Lösung habe die Geschäftsführung versucht, die Beschäftigten mit einem unzureichenden Angebot abzuspeisen. Da der Betriebsrat das bisherige Angebot nicht akzeptieren konnte, geht es jetzt in die Einigungsstelle“, heißt es in der Mitteilung. Für die Gewerkschaft ein deutliches Zeichen mangelnder Kompromissbereitschaft.

Das ist eine Einigungsstelle

Was bedeutet das nun konkret? Die Einigungsstelle ist ein formales Schlichtungsverfahren im deutschen Arbeitsrecht. Sie kommt zum Einsatz, wenn Betriebsrat und Arbeitgeber bei bestimmten Themen – wie etwa einem Sozialplan – keine Einigung erzielen können.

Die Ceratizit-Mitarbeiter wehren sich.

Foto: IG Metall

Das Gremium setzt sich aus einem neutralen Vorsitzenden, meist ein Arbeitsrichter, und einer gleichen Anzahl von Beisitzern auf beiden Seiten zusammen. Ziel ist es, eine verbindliche Lösung herbeizuführen.

IG Metall: „alarmierendes Signal“

Dass es überhaupt zu diesem Schritt kommen muss, wertet die IG Metall als alarmierendes Signal. „Es ist bedauerlich, dass Ceratizit diesen Schritt geht. Die Entscheidung, eine Einigungsstelle anzurufen, zeigt deutlich, dass der Vorstand immer noch nicht bereit ist, sein gegebenes Wort einzuhalten“, sagt Faigle.

Der Standort in Empfingen soll laut Unternehmensangaben zum 30. Juni 2026 geschlossen werden. Für die Belegschaft bedeutet das nicht nur den Verlust ihrer Arbeitsplätze – sondern auch das Ende einer jahrzehntelangen Industriegeschichte am Ort. Viele Beschäftigte sind bereits seit Jahrzehnten im Werk tätig.

Die IG Metall kündigt an, den Druck aufrechtzuerhalten. Die Protestaktionen sollen weitergehen, bis eine für alle Seiten tragbare Lösung gefunden ist. Für die Beschäftigten steht dabei viel auf dem Spiel: nicht nur ihre wirtschaftliche Existenz, sondern auch die Anerkennung für ihre langjährige Arbeit.

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