Feierlicher Gottesdienst: Pfarrer Kellers Abschied von Horb

Mit Honig und selbstgebranntem Schnaps verabschiedete der Bauer unter den Pfarrern Hans-Jörg Dieter das Ehepaar Keller
MorlokMit einem Gottesdienst, in dem die bodenständige und geerdete Frömmigkeit von Michael Keller, dem scheidenden evangelischen Stadtpfarrer, die ihm sein langjährige Wegbegleiter, der Schuldekan Hans Jörg Dieter attestierte, sehr deutlich zum Tragen kam, verabschiedete sich der Geistliche von seiner Gemeinde.
Michael Keller geht in den verdienten Ruhestand und stand zum letzten Mal in offizieller Mission am Altar unter dem Kreuz der Horber Johanneskirche.
Was vor rund zehn Jahren mit einem Wort des Apostel Paulus begann, nahm mit den gleichen Worten zu Beginn des Gottesdienstes auch sein Ende.
Seine Abschlusspredigt baute Michael Keller auf die Worte von Micha auf, der einst sagte: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“.
„Im Grunde genommen sind die Worte und die Botschaft von Micha einfach“, so Keller. „Doch sie sind im Leben so schwer umzusetzen, doch kürzer als im Wort von Micha kann man die wichtigsten Tugenden eines Christen nicht zusammenfassen.“ Recht zu halten und zu üben bedeutet, dass man nicht das Recht hat, nur an seinen eignen Vorteil zu denken, und Recht sei es auch nicht, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken.
Eine eindrucksvolle letzte Predigt in Horb
Auch Liebe ohne Mitgefühl sei nichts wert, und Demut sei, dass man sich und andere Menschen nicht unter einen anderen Wert stellt. „Diesen Glauben zu leben, stellt uns immer wieder vor Herausforderungen“, das Credo von Keller, der am Anfang seiner Predigt Facetten seiner Amtszeit Revue passieren ließ.
Nach dieser sehr eindrucksvollen letzten Predigt von Pfarrer Michael Keller kam der große Moment der Entpflichtung. Schuldekan Hans-Jörg Dieter, der für die Kirchenbezirke Freudenstadt und Sulz verantwortlich ist, entpflichtete seinen Amtsbruder, mit dem er schon viele Jahre befreundet ist, offiziell aus seinen Kirchenämtern.

Die Gläubigen standen Schlange, um sich von Pfarrer Keller zu verabschieden.
Foto: MorlokDieter überbrachte den Dank der Landeskirche und richtete nach der weihevollen Amtshandlung gute und sehr persönliche Worte an das Ehepaar Keller.
Susanne Keller bezeichnete er zwar als keine typische Pfarrersfrau, die aber trotzdem viele Aufgaben im Hintergrund mit übernahm. Gerade die nicht so medienaffinen Handlungen seien das Tagesgeschäft in jedem Pfarramt, hob er hervor und dankte ganz persönlich dem Ehepaar für das, was sie gemeinsam in ihren Pfarrämtern in all den Jahren geleistet haben.
Mit Honig von seinen vielen Mitarbeiterinnen und Schnaps, aus einer Birnensorte gebrannt, die sonst für nichts gut ist, beschenkte er die beiden auf seine besondere Weise. „Wer nicht genießen kann, der wird schnell ungenießbar“, erinnerte er an einen Satz des Song-Poeten Konstantin Wecker.
Dieser letzte Gottesdienst wurde umrahmt vom Horber Posaunenchor unter Leitung von Charly Herrmann und dem „musikTEAM“ der Gemeinde.
Nach dem Gottesdienst verabschiedeten sich viele der Besucher – die Kirche war nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt – von dem beliebten Geistlichen, doch viele von ihnen nahmen sich auch die Zeit, nebenan im Pfarrhaus Grußworten des Dekan-Administrators Christoph Hofius, von Pfarrerin Susanne Veith, von ihrem Kollegen Johannes Unz aus Mühlen, von der Vorsitzenden des Kirchengemeinderates Claudia Buck sowie von Götz Peter zu hören, der für die Horber Schulen sprach.
Es war ein Abschied, der das Wirken von Pfarrer Keller in Horb widerspiegelt. Grundehrlich, schnörkellos, bescheiden, dankbar, doch auch voller Empathie, Herzlichkeit und Gottvertrauen.