Pfarrer Keller geht: Zehn prägende Jahre in Horb erlebt

Pfarrer Michael Keller verlässt in wenigen Tagen die Horber Gemeinde
MorlokDer geschäftsführende evangelische Stadtpfarrer Michael Keller geht Ende des Monats in seinen wohlverdienten Ruhestand.
Am kommenden Sonntag, 22. Oktober, wird er sich um 10.30 Uhr im Gottesdienst, der vom Posaunenchor und dem „musikTEAM“ in der Johanneskirche musikalisch umrahmt wird, in den Ruhestand verabschieden. Anschließend ist ein Stehempfang im Gemeindehaus Weingasse mit Grußworten und kleinem Imbiss vorgesehen. Dort gibt es die Möglichkeit, sich persönlich von Pfarrer Michael Keller und seiner Familie zu verabschieden.
Abschied auch von Horb Dieser Einschnitt im Leben des beliebten Geistlichen bedeutet aber auch, dass er sich kurz darauf von Horb verabschieden wird.
„Am Mittwoch, den 25. Oktober, ist mein letzter Arbeitstag und wenn alles klappt werden wir am 21. November in unsere neue Wohnung nach Pfullingen umziehen“, verrät er seine aktuellen Pläne.
In Pfullingen, beziehungsweise der Reutlinger Gegend, hat das Ehepaar viele Bekannte, und Susanne Keller kann dort auch weiterhin an zwei Tagen die Woche in der frauenärztlichen Praxis weiterarbeiten, in der sie schon seit über 20 Jahren als Ärztin aktiv ist. „Auch meine beiden Brüder leben dort in der Gegend“, ergänzt Pfarrer Keller, der betont, dass es grundsätzlich üblich ist, dass Pfarrer nicht an ihrer alten Wirkungsstätte bleiben sollen. „Ein wenig Abstand ist oft ganz gut“, so seine Einschätzung.
Pilgerprojekt läuft noch Am 1. September 2013 hat er in Horb das Pfarramt 1 übernommen. Es waren zehn Jahre, die gespickt waren von prägenden Ereignissen, zu denen vor allem die Begegnungen mit den Menschen, aber auch die Zusammenarbeit mit den sozialen Stellen zählten.
Besonders gerne erinnert er sich an das Pilgerprojekt nach Wittenberg, das rund 20 Gemeindemitglieder seit 2015 gemeinsam unter die Wanderstiefel genommen haben und im nächsten Jahr zu Ende bringen wollen. „Die Idee, solch einen Pilgerreise zu unternehmen, kam damals vom katholischen Kollegen Armin Noppenberger“, erinnerte sich Keller und sprach damit gleich ein weiteres Highlight an, das ihm während seiner Amtszeit viel bedeutete – die Ökumene.
Kontakt zu Muslimen Zusammen mit seinem katholischen Amtskollegen Elmar Maria Morein führte er mit den hier lebenden Muslimen einen engen Dialog, der dazu führte, dass man viel Verständnis für die religiöse Sichtweise des Gegenübers aufbauen konnte, ohne sich gegenseitig zu missionieren.
„Wichtig war mir in all den Jahren in Horb die Arbeit am Beziehungsgeflecht innerhalb der Gemeinde und in den Gremien. Andere Stimmen hören, Ideen umsetzen und sie, beispielsweise im Rahmen des Reformationsfestes, in unterschiedliche Veranstaltungen umzusetzen, das war mir wichtig“, so Keller. „Das Verbindende ist evangelisch“, so seine Erkenntnis aus der Arbeit in der Diaspora.
„Bei uns in der Gemeinde gab und gibt es keine Flügelkämpfe“, seine Erkenntnis aus den letzten zehn Jahren.
Stelle ist ausgeschrieben Doch wenn er an die Zukunft der Kirche denkt, dann wird ihm bange, wie er unumwunden zugibt. „Wir können das bisherige System so nicht mehr halten.“ Immer weniger Gemeindemitglieder brauchen immer weniger Gebäude, macht er an einem Beispiel deutlich. Auch Corona hat deutliche Spuren hinterlassen. „Diese Zeit hat viel Kraft und Energie gekostet“, so seine Erfahrung.
Die Folgen dieser Auswirkungen sind, dass das Horber Dekanat dem Freudenstädter zugeschlagen wird und das Sulzer Dekanat komplett aufgelöst wird. Tröstlich sei jedoch, dass seine Stelle bereits ausgeschrieben sei und man nun noch auf seinen Nachfolger warten müsse. Bis dahin ist Susanne Veith die erste Ansprechpartnerin im Horber Bezirk.
Erst mal gar nichts tun „Das erste Jahr meines Ruhestandes werde ich gar nichts machen“, lautet seine Idealvorstellung. Natürlich wird er nicht Däumchen drehend im Lehnstuhl den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, sondern sich auf Schusters Rappen oder auf dem Fahrrad in der Natur aufhalten, sich eventuell stärker in der deutsch-polnischen Friedensbewegung „Znaki Nadziei“ („Zeichen der Hoffnung“) engagieren, dafür sein Polnisch etwas aufbessern und sich, wie schon vor 20 Jahren, in der Kunst der Kalligraphie üben.
Seinen Horber Mitbürgern hinterlässt er den Wunsch nach Barmherzigkeit und die Hoffnung, dass alle, die unter dem Dach der Gemeinde leben, weiter auf dem guten christlichen Weg mitgenommen werden.