Deutlich weniger Besucher: Ritterspiele-Bilanz – ein schwieriges Jahr für Horbs Großevent

Erst heiß, dann regenerisch und schwülwarm: Beim Ritterspiel-Turnier am Sonntagnachmittag bleibt die Hälfte der Plätze leer. Was bedeutet das für die Zukunft von Horbs größtem Sommerfest?
Jürgen LückDas Fest war perfekt. Die Besucherzahl bei den Ritterspielen nicht. Die Evakuierung und die schwülwarme Hitze kosteten 5000 Besucher. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Gemeinderat entscheidet, ob man sich das noch leisten kann.
Horbs OB Michael Keßler (CDU): „Wir haben die Ritterspiele 2019 in städtischer Eigenregie übernommen. Noch in diesem Sommer werden wir die Bilanz ziehen. Dann muss der Gemeinderat entscheiden, ob wir das Defizit weiter tragen oder nicht.“
Fakt ist: Zu den Horber Ritterspielen 2026 kamen insgesamt gut 20.000 Besucher – das sind 5000 weniger als im vergangenen Jahr.
Laut Stadtmarketing-Chefin Claudia Beuter wurden gut 15.000 Tickets verkauft. 2500 weniger wie im letzten Jahr. Dabei bringen die Turniertickets die höchsten Einnahmen. Beuter: „Wir haben auch Kombi-Tickets für zwei Turniere verkauft.“ Deshalb dürfte die Einnahmenseite der Ritterspiele (206.000 Euro Erträge laut Haushaltsplan 2026) nicht proportional zurückgegangen sein.
Wie hoch ist das Defizit? Doch wie hoch fällt das Minus aus? OB Keßler: „Deutlich höher als 40.000 Euro.“ Das war die Garantiesumme, die das Rathaus vor dem Aus der Veranstaltungsagentur MPS an den damaligen Betreiber bezahlt hatte.
Welche Rolle spielt die Evakuierung? Rauschbart-Wirt Michael Singer berichtet: „Das war zum ungünstigsten Zeitpunkt. Das Bier fing gerade an, richtig zu laufen. Ich schätze, durch die fehlenden vier Stunden gingen auf dem Gelände vielleicht 100.000 Euro Umsatz verloren.“
So lief die Evakuierung der Ritterspiele OB Keßler über die Evakuierung: „Ich habe das entschieden.“ Claudia Beuter: „Wir haben die Lage genau in Echtzeit anhand der Satellitendaten analysiert. Als wir gesehen haben, dass sich eine Gewitterlage in Rexingen entwickelt, haben wir evakuiert.“

Dumm: Am Samstag Abend gab es das zweite deutsche Spiel bei der Fußball-WM. Diese Fans sind aber erst beim Turnier der Horber Ritterspiele.
Foto: Jürgen LückWelche Rolle spielt die WM? Eine Besucherin: „Der Platz leerte sich zum Deutschland-Spiel kurz vor 22 Uhr. Die Band hat aufgehört, zu spielen.“ Claudia Beuter: „Die Feuershow, die parallel auf dem Turnierplatz zum Deutschland-Spiel lief, war voll.“
Welche Rolle spielen die Getränkepreise Kiri von der Taverne Goldener Hahn auf der Inselspitze: „Als wir gelesen haben, dass es Familien verboten wird, Getränke aufs Gelände mitzunehmen, haben wir die Zapfstelle für Trinkwasser aufgebaut. Das ist ja sonst lebensgefährlich.“
Singer: „Ich habe Familien mit Kindern einen Becher mit Trinkwasser und Eiswürfeln gereicht. Erwachsene merken, wenn sie dehydrieren, Kinder nicht.“ OB Keßler: „Wir haben leider nicht daran gedacht. Wir hätten noch Trinkwasserbrunnen besorgen müssen.“ Claudia Beuter: „Das DRK hat Kinder mit kostenlosem Wasser versorgt.“
Insgesamt, so Beuter, habe es gut 50 Retter-Einsätze 2026 gegeben. 2024 – wo es ähnlich heiß war auf den Ritterspielen – waren das 200 Einsätze.
Warum Händler unter hohen Bewirtungspreisen leiden Wie zufrieden sind die Händler? Ein Händler, der anonym bleiben will, sagt: „Ich habe gerade mal 200 Euro mehr eingenommen als ich Kosten hatte. Die Ware ist damit noch nicht bezahlt. Schon nach den Weihnachtsmärkten bin ich mit 30 Prozent Umsatzminus rausgegangen. Für uns Händler ist klar: Je höher die Getränke- und Essenspreise sind, desto weniger Kaufkraft der Besucher bleibt für die Händler übrig. Ich komme wohl nicht wieder nach Horb.“
Kommen die Ritterspiele nicht mehr beim Publikum an?
Kristallmagier Ruven Nagel – unterwegs auf vielen Mittelalter-Events in Süddeutschland: „Das glaube ich nicht. Solche Veranstaltungen leiden unter der Hitze. Die Ritterspiele Horb bieten einen guten Mix aus Gewandeten, Show, tollen Händlern und Handwerkern.“ Claudia Beuter: „2019 haben wir abgerockte Ritterspiele übernommen. Inzwischen sind wir oben angekommen. Wir haben die Top-Künstler und Händler aus diesem Bereich für Horb gewinnen können. Inzwischen fragen immer mehr nach.“
Kann sich Horb die Ritterspiele noch leisten? OB Keßler: „Es geht nicht nur um das Defizit. Sondern darum, welchen Mehrwert die Ritterspiele bringen.“
