Zum 150. Todestag
: Der Papst unfehlbar? Nicht mit Franz Xaver Dieringer aus Rangendingen

Er war Kirchenmann in höchsten Ämtern und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung. Dabei stammte er aus einem alten hohenzollerischen Bauerngeschlecht. Dass er sich mit den obersten Katholiken anlegte, kostete ihn den Job. Verbiegen lässt sich ein Rangendinger halt nicht.
Von
Hermann-Josef Speier
Rangendingen
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Hohenzollern erinnert sich bis heute ehrfürchtig an Franz Xaver Dieringer, den streitbaren Gottesmann und Politiker aus Rangendingen. Auf dem Friedhof der Gemeinde Veringendorf ist sein Grabdenkmal noch erhalten.

Hohenzollern erinnert sich bis heute ehrfürchtig an Franz Xaver Dieringer, den streitbaren Gottesmann und Politiker aus Rangendingen. Auf dem Friedhof der Gemeinde Veringendorf ist sein Grabdenkmal noch erhalten.

Gemeinde Veringendorf
  • Franz Xaver Dieringer widersprach dem Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit und verlor Ämter.
  • Der 1811 in Rangendingen geborene Theologe starb am 8. September als Pfarrer in Veringendorf.
  • Er war Professor in Bonn, Domkapitular in Köln und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung.
  • Dieringer gründete ein homiletisch-katechetisches Seminar und leitete den Borromäus-Verein.
  • In Veringendorf steht sein Grabdenkmal, in Rangendingen erinnert die Professor-Dieringer-Straße.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Ein unbequemer Rangendinger.“ So lautet die Überschrift unseres Autors für den streitbaren Gottesmann Franz Xaver Dieringer, der an diesem Dienstag, 8. September, den 150. Todestag hat. Wer sich auskennt im Hohenzollerischen, mag sich denken, dass die Menschen hier alle sich nicht so leicht verbiegen lassen, und besonders die Rangendinger bekannt sind für ihre Hartnäckigkeit. Für den Pfarrer und Politiker, der seine Karriere seiner Überzeugung opferte, mag das noch extra gelten.

Eine Straße erinnert an Professor Dieringer

Auf der Homepage der Gemeinde ist er als wohl berühmtester Sohn nicht erwähnt. Rangendingen widmete ihm jedoch eine Straße, die „Professor-Dieringer-Straße“. Die Gemeinde Veringendorf hat ihm vor 150 Jahren, nach seinem Tod im Jahr 1876, ein Grabdenkmal errichtet, das heute noch auf dem dortigen Friedhof vorhanden ist. Am 8. September, dem Fest Mariä Geburt, ist Franz Xaver Dieringer als einfacher Landpfarrer in Veringendorf gestorben.

Aus altem Rangendinger Bauergeschlecht stammend, wurde er am 22. August 1811 in der Starzelgemeinde geboren. Sein Vater Jakob Dieringer (1786-1814) war Mesner, seine Mutter war Johanna, geborene Schenk (1790-1847). Er fiel auf als sehr kluger Schüler und erhielt seine Gymnasialausbildung in Sigmaringen und Konstanz. An der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen und an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg studierte der Rangendinger Bauernsohn katholische Theologie und wurde am 19. September 1835 in Freiburg zum Priester geweiht. Eine große theologische Karriere lag vor ihm. Dieringer wurde in hohe kirchliche Ämter berufen, und auch politisch war er vom 29. Mai 1844 bis zum 29. September 1848 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung (Paulskirche), der katholischen „Casino-Fraktion“ angehörend.

Seine kirchlich-theologischen Aufgaben begann er nach der Priesterweihe als Repetent am erzbischöflichen Seminar in Freiburg. 1840/1841 war er Dogmatik-Professor am Lyzeum Speyer. 1843 lehrte er als Professor der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn, war dort von 1845 bis 1861 Universitätsprediger und Direktor des von ihm gegründeten homiletisch-katechetischen Seminars.

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Mehrmals wurde er als Kandidat für den Kölner Bischof genannt

Im Jahr 1844 war Dieringer Mitbegründer des katholischen Borromäus-Vereins zur Verbreitung guter Bücher, dessen Präsident er bis zum Jahr 1871 war. Ab 1853 wirkte Franz Xaver Dieringer in Köln. Als Domherr (Domkapitular) hatte er dort großen Einfluss auf das religiöse Leben. Er war Professor für Dogmatik, erzbischöflicher Beauftragter für die Frauenklöster, Publizist für verschiedene katholische Zeitungen und Präsident des akademischen Kölner Dombauvereins. Mehrmals wurde er als Bischofskandidat genannt, erhielt den Ehrentitel „Dr. h.c.“ der Stadt Prag 1848 und der Stadt Wien 1865.

Die Wende für Dieringer kam beim Vatikanisches Konzil

Beim Vatikanischen Konzil 1869/1870 gab es die große Wende in seinem Leben. Für die kirchlichen Oberen war er unbequem geworden, denn er sprach sich entschieden gegen das Dogma von der „päpstlichen Unfehlbarkeit“ aus.

Ein Rangendinger unterwirft sich nicht!

Vom Kölner Erzbischof aufgefordert, den Dogmenstreit zu beenden und sich zu unterwerfen, legte er an Ostern 1871 seine Professur und alle hohen kirchlichen Würden nieder. Er zog sich als einfacher Landpfarrer in seine hohenzollerische Heimat, auf die Pfarrstelle in Veringendorf, zurück. Dort wirkte er, von der Bevölkerung geliebt und geachtet, jedoch krank sowie seelisch und moralisch gebrochen, noch fünf Jahre. Seine große Wohltätigkeit, schon zu Kölner Zeiten, war bekannt und kam auch den Veringerdorfern zugute.

Info Der gebürtige Rangendinger mit den hohen kirchlichen und politischen Ämtern ist über all die Jahre immer wieder ein Thema für Autoren gewesen. Zum Wirken und zur Person von Franz Xaver Dieringer sind verschiedene Publikationen erschienen: 1877, 1957, 1975, 1990, 1998 und zuletzt 2012.