Spektakel an der Johannesbrücke: Die Bilder vom Maibaumstellen in Hechingen

Die Narrengilde Hechingen hat den Maibaum an der Johannesbrücke gestellt.
RothDie Rahmenbedingungen für eine ausgelassene Feier in den Mai hätten besser nicht sein können: Sonnenschein pur, frühsommerliche Temperaturen deutlich über 20 Grad Celsius und ein Feiertag vor der Brust. Dementsprechend groß war das Zuschauerinteresse beim Maibaumstellen der Narrengilde Hechingen am Mittwochabend an der Johannesbrücke.
Gegen 18 Uhr wurde der Kreuzungsbereich für den Verkehr gesperrt, wenig später schleppten die knapp 20 Zimmermänner das 18 Meter lange Prachtexemplar, das morgens mit bunten Bändern und Kranz geschmückt wurde, zum Ort des Kraftakts.
Kraftakt warum? Weil die Mitglieder der Narrengilde beim Stellen des Baumes wie gewohnt nur mit Hilfe dreier „Schwalben“ und somit purer Muskelkraft den Baum in die Höhe hievten. Schnell wurde aber klar: Die Männer in Zimmermannskluft – bestehend aus schwarzen Cordhosen, weißen Hemden, Westen und Schlapphüten – kennen sich in ihrem Fach aus.
Jochen Grau gibt Kommandos an
Jochen Grau leitete seine Kollegen wie gewohnt an, auf sein Kommando wurde der Maibaum Schritt für Schritt in die Höhe gereckt. „Nächste Schwalbe“, „etwas reindrehen“ oder „in meine Richtung“ waren die üblichen Ansagen. Grau forderte auch immer wieder Konzentration ein, schließlich besteht doch immer ein Restrisiko, dass die Aktion schief geht.
Doch: Besonders beeindruckend war für das Publikum der Einsatz der „Schwalben“. Die Handwerkzeuge bestehen aus langen, gestaffelten Stangen, die am Ende mit Ketten oder Seilen verbunden sind und als Hebel genutzt werden. An jedem Ende einer Stange, die zur Baumspitze hin immer länger werden, wurde der Baum durch die Mitglieder der Narrengilde nach oben gehievt wird. Klar wird, dass hier neben Kraft auch Geschicklichkeit gefragt ist.
Nach einer halben Stunde ist es geschafft; der Baum steht in seiner Vorrichtung im Boden; Applaus brandet auf. Letztlich wird der Stamm noch mit Holzresten verkeilt. Dabei legte dann sogar ein Nachwuchs-Zimmermann mit breitem Grinsen Hand an. Schließlich durfte der Richtspruch nicht fehlen, genauso wenig wie das am Boden in Scherben zersplitterte Glas.
Versteigert wird der Baum für 340 Euro
Versteigert wurde der Baum traditionsgemäß natürlich auch. Zum zweiten Mal nach 2023 erhielt Michael Wagner den Zuschlag. Geboten hatte er 340 Euro. Die Auktion entwickelte sich schnell zum Duell zwischen Wagner und einem der Zimmerleute von der Narrengilde selbst. Wagner sagt unserer Redaktion: „Eigentlich ist es zu wenig Geld für den Baum.“
Trotzdem freut er sich: Vor zwei Jahren hätte ihm die Narrengilde aus dem Maibaumholz eine Sitzbank gebaut. Bleibt abzuwarten, welche Idee ihm diesmal einfällt. Das Geld der Versteigerung kommt indes zu 100 Prozent Stadtpfarrer Michael Knaus zugute, der damit verschiedene soziale Projekte, beispielsweise den Tafelladen, unterstützt.
Der Maibaum selbst stammt wieder aus dem Hechinger Stadtwald. Um der Stadt ihren Dank auszudrücken, haben die Hechinger Narrengruppen erst kürzlich eine Baumpflanzaktion mit Stadtförster Jürgen Baumer abgehalten, wie die Mitglieder der Narrengilde erzählen. „Es soll ein Geben und Nehmen sein.“
In nächsten Jahr steht das Jubiläum an
Einen Blick voraus wagten die Baumsteller bereits auf das nächste Jahr. Dann wird Jubiläum gefeiert. Zum zehnten Mal in Folge will die Narrengilde an der Johannesbrücke dann die Maifeierlichkeiten mit dem Baumstellen einläuten. Man habe die Aktion vor neun Jahren begonnen, um eine Tradition daraus zu machen. Das ist wahrlich gelungen.
Und so starteten die Feierlichkeiten bei der anschließenden Hockete am Starzelufer. Im Zelt der Zollerhexen sorgten sich zahlreiche Vereinsmitglieder um das Wohl der Gäste. Rote Würste, Schnitzel und Pommes wurden am laufenden Band zubereitet. Musik dröhnte aus den Lautsprechern. Dort saß die Feiergemeinde noch bis in die Nacht zusammen, feierte in den Mai und genoss das hervorragende Wetter.
