Der Maibaum steht und ist versteigert: Die Wagners und die Narrengilde freuen sich, denn jetzt kann der Mai kommen. Foto: Kauffmann

Die 200 Euro erhält Stadtpfarrer Michael Knaus für einen sozialen Zweck. Zahlreich sind die Zuschauer gekommen, um das Aufstellen des 17 Meter hohen Stamms mitzuverfolgen. Die Narrengilde hat wieder ganze Arbeit geleistet. Der Mai kann kommen.

Kurz vor 18 Uhr haben warten zahlreiche Schaulustige aufs Maibaumstellen an der Johannesbrücke, während von der Herrenackerstraße eine Motorsäge erklingt. Es ist wie Musik in den Ohren: Gleich trägt die Narrengilde den 17 Meter hohen Baum heran, doch sie machen es nochmal spannend: Bevor gearbeitet wird, ziehen sie erstmal die Jacken aus. Hub für Hub wuchten sie den Stamm dann unter dem Applaus der Zuschauer in die Höhe.

Mit der Säge hat die Narrengilde den Stamm kurz vor dem Aufstellen am unteren Ende zurechtgesägt. Nun muss er noch gedreht werden. Roland Baur zeigt in welche Richtung. Foto: Kauffmann

Gefragt sind Muskelkraft und Geschicklichkeit

Jochen Grau gibt die Kommandos. Und er berichtet im Nachgang, dass es dabei nicht nur um Muskelkraft geht, sondern auch um Geschicklichkeit. Dieses Jahr ganz besonders, denn es sind nur drei Schwalben, mit denen die Narrengilde den Stamm in die Höhe bringt, nicht wie normalerweise vier. Doch die Narrengilde ist oben auf, man kann sagen: Es sind Experten im Maibaumstellen. Grau berichtete in einem Interview mit der Redaktion: „Unsere Gruppe besteht überwiegend aus Zimmerleuten, dazu Maurer und Schreiner. In den Berufen ist man in der Regel gut trainiert und kann schwere Lasten einschätzen.“

Hub für Hub hievt die Narrengilde den Maibaum in die Höhe. Foto: Kauffmann

Narrengilde versteigert Baum

Immer wieder reckt Grau seinen Blick zum Wipfel, letzte Feinjustierungen sind nötig, damit der Stamm gerade steht. Seine Höhe hängt auch von den Ausmaßen des Lochs ab. So kann etwa der Narrenbaum schon mal an die 30 Meter hoch sein.

Jochen Grau gibt die Kommandos. Foto: Kauffmann

Die Höhe in ganz anderem Sinne ist noch etwas Besonderes am Maibaumstellen an der Johannesbrücke: Die Narrengilde hat den Baum an den Meistbietenden versteigert. Die Infos zum Baum hat die Narrengilde noch „gratis“ verkündet: Der Baum sei in heimischen Wäldern „glücklich gewachsen“, danach „sanft gefällt“ und mit den Autogrammen der Mitglieder der Narrengilde versehen worden. Grau scherzt: „Schon deswegen ist der Baum unbezahlbar.“

Mit Schwalben, zwei Stangen mit Kette, wird der Maibaum auf Höhe gebracht. Foto: Kauffmann
Muskelkraft und Geschicklichkeit ist nötig, um den Maibaum aufzustellen. Foto: Kauffmann
Die Jungs von der Narrengilde beim Maibaumstellen. Foto: Kauffmann

Kein Brennholz, aber eine Sitzbank

Die Auktion beginnt. Erstes Gebot: 30 Euro. Es geht langsam hinauf, bis jemand aus den Zuschauerreihen „150 Euro“ ruft. Grau, der auch Auktionator hätte werden können, ruft: „Seid nicht so geizig!“ Und siehe da: Die Gebote werden höher, erst 160 Euro, schließlich 200 Euro, „zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“. Der Baum ist verkauft und zwar an Michael Wagner. Gespendet wird das Geld an Stadtpfarrer Michael Knaus, der es für eines seiner sozialen Projekte einsetzen wird. Zur Feier des Tages darf Wagner nun ganz im Sinne der Maibaum-Tradition das Bierfass anstechen und die Biergläser füllen.

Die Besucher halten den Moment mit ihren Kameras fest. Foto: Kauffmann

Wie die Narrengilde berichtete, wird er den Stamm brennholzfertig für den Ofen erhalten. Aber der Baum sei etwas ganz Besonderes, meint Wagner. Ihm schwebt da eher vor, eine Bank draus zu machen. Grau willigt ein, er könne ihm eine Zeichnung zukommen lassen. Und wie breit soll die Bank werden? Wagner humorvoll: „Zwei Ärsche breit.“

Michael Wagner, der den Maibaum den Maibaum ersteigert hat, sticht das Bierfass an. Foto: Kauffmann

Hübsch geschmückter Baum

Etwas Geduld braucht Wagner noch: Der Maibaum bleibt im Monat Mai erst einmal an Ort und Stelle, danach wird er abgebaut. Bunt geschmückt haben ihn Nelly Bulach, Tanja Bulach und Heike Grau – auf dass der Baum Glück bringen möge im Wonnemonat Mai.

Partnerschaft

Nach dem Maibaumstellen ging es im Festzelt weiter, zu hören gab es Musik von Daniel Fink und seiner Band. Auch tagsüber waren die Besucher eingeladen, kurzweilige Stunden bei Mittagessen, Kaffee und Kuchen im Festzelt zu verbringen. Eingeladen zum Maibaumfest hatte die Narrenvereinigung 1990 Zoller-Hexen.

1990
Die Narrengilde stellt den Maibaum bereits seit 1990. Mit der Narrengilde Geislingen besteht eine Partnerschaft, die gerne gepflegt wird. So haben die Geislinger geholfen, den Hechinger Maibaum zu stellen, und umgekehrt machen die Hechinger in Geislingen mit.