Marktplatz Hechingen
: Nach dem Modellversuch weiterhin ohne Autos? Bürgermeister nimmt Stellung

Ein Sommer mit Sandkasten, Sitzgelegenheiten und Lampions und vor allem ohne Parkplätze. Bleibt es so auf dem Marktplatz von Hechingen? Die Bevölkerung kann online ihre Meinung sagen, und die Geschäfte werden auch noch befragt.
Von
Ernst Klett
Hechingen
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Der Süden lässt grüßen auf dem Hechinger Marktplatz. Auf Einladung des CDU-Stadtverbands haben sich Kommunal-, Landes  und Bundespolitiker ein eigenes Bild gemacht. Mit dabei waren (von links) Stadtverbandschef Christoph Kühnert, Bundestagsabgeordneter Christop Naser, Bürgeresiter Philipp Hahn, Landtagsabgeordneter Manuel Hailfinger und Stadtrat Ronny Stengel.

Der Süden lässt grüßen auf dem neu möblierten Hechinger Marktplatz. Auf Einladung des CDU-Stadtverbands haben sich Kommunal-, Landes und Bundespolitiker ein Bild gemacht. Mit dabei waren (von links) Stadtverbandschef Christoph Kühner, Bundestagsabgeordneter Christoph Naser, Bürgermeister Philipp Hahn, Landtagsabgeordneter Manuel Hailfinger und Stadtrat Ronny Stengel.

Ernst Klett
  • Hechingens Marktplatz bleibt nach Modellversuch vorerst autofrei, Rat entscheidet im Herbst.
  • Stadt befragt aktuell online die Bevölkerung, der Einzelhandel folgt nach der Sommerpause.
  • Bürgermeister Hahn sieht mehr Aufenthaltsqualität und verweist auf ausreichend nahe Parkplätze.
  • Land fördert Möblierung mit 324.000 Euro – der Platz soll zudem barrierefrei werden.
  • CDU-Besuch vor Ort: Naser wirbt für Autofreiheit, Hailfinger und lokale CDU begleiten Termin.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Weint jemand den neun Parkplätzen auf dem Hechinger Marktplatz nach? Man kann sich durchaus vorstellen, dass ein Teil der Geschäftsleute mit dem Aus für Autos hadert. Der Einzelhandel wird nach der Sommerpause von der Stadt gezielt befragt. Bereits begonnen hat eine Online-Umfrage, an der sich die gesamte Bevölkerung beteiligen kann. Beide Ergebnisse werden in die Entscheidungsfindung des Gemeinderats einfließen. Das Kommunalparlament soll im Herbst den Daumen heben oder senken: War der Modellversuch erfolgreich, oder sollen etwa die Autos wieder her in der guten Stube der Zollernstadt?

CDU-Abgeordnete im Doppelpack in Hechingen

Ein Stimmungsbild gab es beim Vor-Ort-Termin der CDU am Mittwochmorgen. Der Stadtverband hatte im Rahmen der Sommertouren gleich Parlamentarier im Doppelpack eingeladen: Christoph Naser, seit zwei Monaten Doch-noch-Bundestagsabgeordneter für Tübingen-Hechingen, und Manuel Hailfinger, langjähriger Landtagsangehöriger für Hechingen-Münsingen. Während sich der Mann aus Stuttgart eher zurückhielt, machte Christoph Naser eindeutig Werbung für den autofreien Marktplatz.

Bürgermeister Philipp Hahn, ebenfalls Christdemokrat, kündigte nach den Befragungen eine „wichtige Entscheidung“ nach der Sommerpause an, ließ aber erkennen, wohin die Reise seiner Ansicht nach gehen soll: Kurzfristig sollte sich am jetzigen Zustand nichts ändern, die Parkplätze und die Durchfahrt blieben also gestrichen. Zumindest mittelfristig. Es braucht einen längeren Atem. Erst, wenn man auch abends auf dem Marktplatz bewirtet wird, dürfte die Sache richtig rund sein. Immerhin, das Café mit Katzen in der früheren Strumpfboutique ist im Werden. Parkplätze gibt es in der direkten Umgebung reichlich: auf dem Kirchplatz, dem Parkdeck Münzgasse und beim Jugendzentrum.

Hahn erinnerte daran, dass es sich um einen vom Land kräftig mitfinanzierten Modellversuch handelt: Die enorm gesteigerte Aufenthaltsqualität spreche alle Generationen an und solle für mehr Frequenz und damit auch für mehr Kunden für den Einzelhandel sorgen. Hechingen, so betonte das Stadtoberhaupt, sei beileibe kein Einzelfall mit seiner darbenden Innenstadt. Auch in Balingen und sogar in Stuttgart gebe es Leerstände. Hahn: „Alle Städte haben das gesamtgesellschaftliche Problem, dass die Leute im Internet kaufen.“

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Der Marktplatz soll auch barrierefrei werden

Manuel Hailfinger brachte die 324.000 Euro ins Spiel, mit denen das Land die „Möblierung“ des Marktplatzes unterstützt hat. Dass Hechingen weiterhin auf Geld aus Stuttgart baut, schob Philipp Hahn nach: Der Pflasterbelag ist absolut nicht barrierefrei. Selbiges soll der Marktplatz noch werden. Wie praktisch, dass Christoph Kühner und sein CDU-Stadtverband sich gemeldet haben für einen Halt der Abgeordneten auf ihrer Sommertour. Die nämlich steht unter der Überschrift „Innenstädte, Stadtbild und Straßenverkehrsinfrastruktur“.

Hechingen Marktplatz aktiv Kinder

Bei der Einweihung war viel Volk auf dem umgestalteten Hechinger Marktplatz. Danach kommt es ganz auf die Tageszeit und das Wetter an. Aber Leute sind immer dort (Archivbild).

Klaus Stifel

Metzger macht auf Teil-SB, Neubauten bringen viele Wohnungen

Christoph Naser, zu Hause in Bodelshausen, war beileibe nicht zum ersten Mal vor Ort und ist begeistert. „Mir gefällt das total gut“, kommentierte der Mann für Berlin aus dem Wahlkreis Tübingen-Hechingen. Bürgermeister Philipp Hahn verwies auf eine Reaktion aufs veränderte Einkaufsverhalten: Die Metzgerei Huber hat umgebaut zur teilweisen Selbstbedienung. Mutig und durchaus Erfolg versprechend. Davon hat sich jüngst sogar der Reutlinger Oberbürgermeister ein Bild gemacht. Hahn warb für flexiblere Öffnungszeiten auch am Sonntag. Das wiederum ist ganz die Sache von Manuel Hailfinger und seiner Ministerkollegin Nicole Hoffmeister-Kraut. Stadtrat Ronny Stengel zeigte auf die frühere Hofapotheke, fast das zweite Rathaus, und die privaten Neubauten am Rain: Es geht etwas am Marktplatz!

Ob es die Bevölkerung und die auswärtigen Besucher ausreichend würdigen? Der Bürgermeister sagte, man solle das Glas immer als halb voll und nicht als halb leer betrachten. Hahn: „Wenn wir nichts tun, haben wir gar keine Chance.“

Nächster Halt: B 27

Nach der Hechinger Altstadt die Fernstraße, die zwischen Nehren und Bodelshausen trotz jahrelanger Bekenntnisse zweispurig ist und derzeit obendrein für eine heftige Umleitung durch den Rammert sorgt. Dort hat der kleine CDU-Tross am Mittwochmorgen einen zweiten Halt eingelegt. Die Millionen, welche die Fahrbahnsanierung zwischen Ofterdingen und Bodelshausen kosten, dürften die vier Spuren nicht bremsen, sagt Christoph Naser. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist glühender Anhänger des Ausbaus: Die Industrie brauche eine funktionierende Hauptverkehrsachse genauso wie das Handwerk, die zehntausende von Pendlern, aber auch Einrichtungen wie die Pflegedienste. Alle zusammen stehen sie Tag für Tag schwerpunktmäßig im Stau, solange es nur zwei Spuren sind. Naser gibt sich angriffslustig: „Da muss Öffentlichkeit drauf.“ In der Folge müsse das Geld für den Ausbau bereitgestellt werden, und parallel dazu müsse die Planung zügig vorangehen. Dass zuerst die Einsprüche gegen die Trassenführung bei Ofterdingen geklärt sein müssen, sei hiermit ergänzt. Und die aktuelle 20-Kilometer-Umleitung? Christoph Naser wohnt in Bodelshausen und weiß Bescheid. Vielleicht, so deutet er an, könne die Bauphase doch noch verkürzt werden. Man mag es liebend gern glauben.