Kulturdenkmal Wendelinskapelle: Warum Trillfingen stolz auf die Wiederbelebung einer Kirche ist

Von links: Heiko Bodenmüller, der Fördervereinsvorsitzende Martin Beuter und Ortsvorsteher Horst Henle mit drei Bildern des Rangendinger Malers Wolfgang Haug, die man beim Tag des offenen Denkmals ersteigern kann.
Thomas Kost- Wendelinskapelle seit Anfang 2022 gesperrt, jetzt wieder nutzbar und instandgesetzt.
- Sanierung in drei Abschnitten: Statik, Innenraum und Außenbereich abgeschlossen.
- Orgel von 1728 gereinigt und neu gestimmt, eine Pfeife ersetzt – seltenes spielbares Instrument.
- Viele Arbeiten durch Fachbetriebe und Ehrenamt, Kosten blieben im Rahmen.
- Nächster Schritt: Neueindeckung des Dachs mit Biberschwanzziegeln, dafür wird Unterstützung nötig.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Unser Ziel, die Begehbarkeit der Kapelle wiederherzustellen, haben wir erreicht. Uns ist eine zeitwertgerechte Instandsetzung gelungen“, ist Ortsvorsteher Horst Henle mehr als zufrieden. Gemeinsam mit Martin Beuter, dem Vorsitzenden des Fördervereins zum Erhalt des Trillfinger Wahrzeichens, hat zu einem Gespräch eingeladen, um über die vor wenigen Tagen abgeschlossene Kapellensanierung eine erste Bilanz zu ziehen.
Und die sieht sehr gut aus: Alle Aufgaben, die man sich vorgenommen hat, sind inzwischen abgehakt, es gab so gut wie keine bösen Überraschungen und die Kosten für die Ertüchtigung der kleinen Wallfahrtskapelle am höchsten Punkt des Ortes sind nicht aus dem Ruder gelaufen.
Drei Bauabschnitte gebildet
In drei Bauabschnitte war die Sanierung der Wendelinskapelle gegliedert. Zuerst ging es um die statische Ertüchtigung der kleinen Kirche. Zimmermann Bernd Odermatt aus Hechingen-Stetten hat wichtige Balken im Dachgeschoss behutsam so erneuert, dass die Last des Glockenturms – eher ein Dachreiter – wieder auf sechs Punkten ruht und so die Belastung auf den Baukörper gleichmäßig verteilt wird. Das Gewicht des Turms war nämlich dafür verantwortlich, dass sich in den Wänden der Kapelle lange Risse gebildet hatten.
In Bauabschnitt zwei stand die Innensanierung im Mittelpunkt. Zuerst zogen die ehrenamtlichen Helfer die Sitzbänke in der Mitte zusammen und deckten sie ebenso wie den Altar und die alte Barock-Orgel mit Planen ab, damit die Maler und Gipser des Rosenfelder Stuckateurfachbetriebes von Markus Schneider dem Salpeter in den Wänden mit einem speziellen Kalkputz zu Leibe rücken konnten. Sie verpressten die Risse in den Wänden mit einem Spritzputz und strichen die Wände in grau-weißer Farbe, was stimmiger ist. Selbst die beiden bisher in rotbraun gestrichenen Podeste für die Figuren des Heiligen Wendelin und die Pietà „Mater Dolorosa“ wurden farblich angepasst.
Experten reinigen die Orgel
Als innen alles weitgehend erledigt war, kümmerten sich schließlich Orgelrestaurator Wolfgang Braun aus Bickelsberg und der Haigerlocher Flötenuhrenspezialist Matthias Naeschke um die Barockorgel auf der Empore. Die aus dem Jahr 1728 stammende Orgel ist eine absolute Rarität und eine der noch wenigen Orgeln dieser Art im „Ländle“, die überhaupt noch spielbar sind. Beide haben den Staub und Dreck aus den Pfeifen geblasen (eine Pfeife musste ausgetauscht werden) und das fast 300 Jahre alte Instrument neu gestimmt. Für die beiden Fachmänner sei das eine Ehre gewesen, freut sich Ortsvorsteher Henle über so viel Engangement.
Abschnitt Nummer drei richtete sich schließlich dem äußeren Erscheinungsbild der Kapelle zu. Auch hier gab es einiges zu tun: Der Sockel um die Kirche wurde von der Firma Schneider abgedampft, die Wände neu gestrichen und Risse geschlossen. Die Leibungen um die großen Bogenfenster farblich angepasst. Das Vordach wurde nicht nur neu hergerichtet und gestrichen es steht jetzt auch auf zwei neuen Pfosten – gestiftet vom Zimmereibetrieb Odermatt. Der Owinger Fensterbaubetrieb Hebrank hat sich um die außen auf den Bleiglasfenstern aufgebrachte Schutzverglasung gekümmert. Dabei mussten 13 schadhafte Glaselemente ausgetauscht werden. Der Trillfinger Maler Marvin Muschkowitz strich schließlich die Türen zum Haupt- und Seiteneingang neu.
Viele kleine Dinge erledigt
Und es wurden noch viele Dinge mehr erledigt, die man möglicherweise gar nicht wahrnimmt. Auf dem Dach der Kapelle wurden über 300 Biberschwanzziegel neu gesteckt. Elektrotechnikmeister Alexander Higi hat die alte Alarmanlage ausgebaut und neue Steckdosen und Schalter gesetzt. Dank vom Schotterwerk Schneider aus Haigerloch gespendetem Splitt konnte mit Hilfe der Trillfinger Firma Bodenmüller neben der Kirche ein kleiner Parkplatz angelegt werden. Zwischen ehemaligem Kolpinghäusle und Wendelinskapelle wurde der Weg neu gemacht.

Das neu gemachte Eingangsportal zur Wendelinskapelle. LInks: Ein Beet mit einem Sitzbänkle wurde ebenfalls angelegt.
Thomas KostAuch der Förderverein packte an vielen Stellen mit an. Dessen Mitglieder haben am Eingang zur Kirche nicht nur eine neue Bodenplatte gelegt, Efeu entfernt und ein neues Beet samt Sitzbänkle angelegt, sondern auch die Schutzglaselemente an den acht Kirchenfenstern ausgebaut. Das Reinigen der Kirche nach Abschluss der Sanierung (zusammen mit Steffi Majer) übernahm der Vereinsausschuss. „Wir hatten etwa ein Dutzend größere und kleinere Arbeitseinsätze“, schätzen Horst Henle und Martin Beuter.
Dach nächste große Aufgabe
Alle Schritte hat Heiko Bodenmüller als ehrenamtlich tätiger Baufachmann des Fördervereins akribisch in einem Bautagebuch festgehalten und die einzelnen Bauschritte mit Amelie Schwarzer vom Denkmalamt am Regierungspräsidium Tübingen und mit Yvonne Werner von der unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt des Zollernalbkreises abgestimmt. Ortsvorsteher Horst Henle hebt diesen Einsatz besonders hervor: „Er war mit viel Herzblut und Fachwissen dabei und hat den Baufortschritt täglich überwacht.“
Auch wenn alles prima gelaufen und die Kapelle jetzt wieder nutzbar für Traditionsveranstaltungen wie den Schäferjahrtag, den Gewerbejahrtag, Konzerte, Taufen oder Hochzeiten ist, so ist mit der Instandsetzung doch nur ein Zwischenziel erreicht. „Die große Herausforderung kommt noch“, sagt der Trillfinger Ortsvorsteher und meint damit die Neueindeckung des Daches. Weil dafür Biberschwanzziegel verwendet werden müssen, wird das kostspielig. Dafür braucht es dann viel finanzielle Unterstützung.
Das Programm zur Kapelleneröffnung
Gefeiert wird die Wiedereröffnung der Wendelinskapelle am Tag des offenen Denkmals mit einem Gottesdienst ab 10 Uhr in der Kapelle, den der ehemalige Trillfinger Pfarrer Dieter Mayer gestalten wird. Matthias Naeschke spielt dabei die Barockorgel und Ronja Schneider singt mehrere Lieder. Nach dem Gottesdienst gibt es Ansprachen. Neben der Kapelle wird ein Zelt aufgebaut, in dem der Förderverein einen Mittagstisch und am Nachmittag auch Kaffee und Kuchen anbietet. Ab 14 Uhr tritt der Gesangverein „Eintracht“ in der Kapelle auf und der Fördervereinsvorsitzende Martin Beuter wird bei Bedarf Führungen machen. Zudem werden in der Kapelle über eine Power-Point-Präsentation in Endlosschleife die einzelnen Baumaßnahmen dargestellt. Für den guten Zweck werden schließlich drei Bilder mit Trillfinger Motiven versteigert, die der Rangendinger Hobbykünstler Wolfgang Haug gemalt hat. Gebote dafür kann man in eine kleine Box werfen, das höchste Gebot bekommt schließlich den Zuschlag.
