Fasnet in Haigerloch: Trillfingen wird zur Narrenhochburg

50 Jahre alt: Das wird vom 9. bis 11 Januar 2026 in Trillfingen groß gefeiert.
Carola LenskiDenn seit Wochen und Monaten laufen die Vorbereitungen für das große Narrentreffen vom kommenden Freitag, 9. Januar, bis Sonntag, 11. Januar, mit dem die Trillfinger Narren ein echtes Jubiläum feiern: ihr 50-jähriges Bestehen.
Im Jahr 1976 war der Verein gegründet worden, um die örtliche Fasnet zu bewahren, die auf zwei sehr alten Fasnetstraditionen fußt. Da ist zu einen die Kinderfasnet mit ihren fest Einzelfiguren (Polizist) und Gruppen (Hochzeitsgesellschaft, Schnupftabakmännle, Zigeunerinnen, Hutzlaweible, Hanswürsten), die es so nirgends im Stadtgebiet gibt.
Die Kinderfasnet wurde laut dem Lokalhistoriker Karl-Werner Steim („Fasnacht in Haigerloch“) mit ziemlicher Sicherheit schon in den 1920er Jahren gefeiert, möglicherweise sogar früher. Er bezieht sich dabei auf mündlichen Überlieferungen und schriftliche Dokumente.
Das Männersäen gibt es nur alle sieben Jahre.
Noch wesentlich älter ist das Männersäen, ein Brauch um Ehen zu stiften und somit für Nachkommenschaft zu sorgen. Dabei machen sich am Fasnetsmontag die in schwäbische Fuhrmannshemden gekleideten ledigen Burschen Trillfingens auf die Jagd nach den ledigen jungen Mädchen.
Sind diese gefangen, werden sie vor eine Egge gespannt und der ganze Tross zieht vor einer großen Zuschauerkulisse durch das Dorf. Vorneweg marschiert der Sämann, der aus seinem Sack Samen auf die Straße wirft, der von dem nachfolgenden Gespann symbolisch in die Erde untergepflügt wird. Ins Sämannsgewand schlüpft üblicherweise der Mann aus dem Ort, der als letzter geheiratet hat.

Das bisher letzte Männersäen fand 2023 statt.
Foto: LenskiDas Männersäen soll auf das 18. Jahrhundert zurückgehen. Früher musste es immer stattfinden, wenn zwischen Dreikönig und Aschermittwoch kein junges Paar den Schritt in die Ehe getan hatte. Weil das heute kaum noch der Fall ist, müsste das Männersäen fast jedes Jahr aufgeführt werden. Der Trillfinger Narrenverein will diesen alten Brauch aber nicht verwässern und so hat er sich auf einen etwa siebenjährigen Rhythmus für das Männersäen festgelegt. Letztmals fand es übrigens im Jahr 2023 statt. Weitere seit vielen Jahrzehnten ausgeübte Traditionen sind das Scherenschleifen im Ort und das Fasnetverbrennen am Vorabend des Aschermittwoch.
Alte Bräuche, aber auch alte Masken und Häser
Die Hauptfiguren der Trillfinger Fasnet sind das Schantle und der Narro. Auch das Schantle gab es schon lange bevor die Fasnet im Dorf vereinsmäßig organisiert war. Die Fasnetsfigur gibt es schon seit mindestes Anfang der 1950er Jahre (seit 1952). Es ist ein Narr mit einer recht finsteren, fast hexenartigen Maske und einem Häs aus vielen bunten Plätzle. Die Schantle sollen den Winter vertreiben.
Ein klassisches Weißnarren-Häs ist das 1970 entstandene Narro. Zwei Studenten, die an einem Pult mit dem Trillfinger Ortswappen stehen, zieren die Jacke – eine Anspielung auf den Spitznamen der Trillfinger, die man landläufig wegen ihrer guten Schulbildung als „Hauschüaler“ (Hochschüler) bezeichnet. Die Hosen zieren vorne die Motive des Sämannes und hinten sind Weinreben abgebildet, die darauf hindeuten, dass seit dem Mittelalter in Trillfingen Weinanbau betrieben wurde.

Der Ausschuss des Trillfinger Narrenvereins im Gewand des Narrenrates, der Schantle und des Narros.Vorne links: Der Vorsitzende Enrico Kienzle, rechts: sein Stellvertreter Dominik Medic.
Foto: NarrenvereinEin fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft
Zu Schantle, Narro und Narrenrat (mit großen Schlapphüten) gesellen sich seit jeher äußerst erfolgreiche Tanzgarden, derzeit gibt es allerdings nur eine Mini-Garde, die von Ann-Kathrin Rapp und Luisa Kästle betreut wird.
Mit rund 300 Mitgliedern ist der Narrenverein Trillfingen bis heute ein fester Bestandteil in der Dorfgemeinschaft. Neben der Bewahrung von Traditionen ist es sein Ziel, dass Jung und Alt gemeinsam Spaß an der Fasnet haben. Und deshalb hofft man, dass man mindestens 50 weitere Jahre die fünfte Jahreszeit gemeinsam miteinander zelebrieren kann.
Das Programm zum Narrenjubiläum
Freitag, 9. Januar:
Nacht der Haigerlocher Vereine in der Mehrzweckhalle mit Unterhaltung durch DJ Seaman und buntem Programm (Haigerlocher Narrenvereine haben vorrangig Eintritt); Beginn 20 Uhr, Einlass 19 Uhr.
Samstag, 10. Januar:
Showtanz für Mini- und Juniorenshowtanz in der Mehrzweckhalle; ab 13 Uhr, Einlass ab 12.30 Uhr. Showtanz für große Garden und Unterhaltung durch DJ Seaman; ab 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr (Eintritt 8 Euro).
Sonntag, 11. Januar:
Großer Jubiläumsumzug mit rund 2000 Hästrägern vom Dorfplatz zur Mehrzweckhalle, dort Unterhaltung im Barzelt mit DJ Seaman und DJ Marco; ab 13.33 Uhr.