Ein Dorf in Feierlaune: Bestes Spätsommerwetter lacht dem Dorffest in Stetten

Stoßen nach dem Fassanstich gemeinsam mit dem Fanfarenzug auf ein tolles Dorffest an (von links): Volker Ehwald, Leiter des Salzbergwerks in Stetten, Bürgermeister Heiko Lebherz und Ortsvorsteher Julian Higi.
Thomas KostEs ist ja so einen Sache mit den Zahlen in Stetten. 1975 hat der Ort mit einem großen Fest seine Ersterwähnung im Jahr 1275 im „Liber Decimationis“ gefeiert. Aber – wie das Leben so spielt – man ist etwas später auf eine Urkunde aus dem Jahr 1085 aufmerksam geworden, in der steht, dass das Dorf „Stetin“ dem Kloster St. Jörgen (heute St. Georgen) im Schwarzwald zu jener Zeit geschenkt worden ist. Stetten ist also mit ziemlicher Sicherheit älter als 750 Jahre.
Ein Dilemma, das Ortsvorsteher Julian Higi ganz elegant löste, indem er bei der Festeröffnung am Samstagnachmittag vom „50. Jubiläum der 700-Jahr-Feier“ sprach, die man jetzt mit einem Dorffest feiere.

Viel los war am Sonntag vor allem im Schulhof
Foto: KostUnd ein Gutes hat das andere Datum sowieso: Auch wenn niemand in so kurzer Zeit um 190 Jahre altern möchte, so kann Stetten bereits in zehn Jahren das nächste Jubiläum feiern: nämlich die Ersterwähnung vor 950 Jahren.
Auch für den Stettener Ortsvorsteher ist es ein besonderer Tag
Der vom Fanfarenzug Stetten lautstark eingeläutete Festauftakt fiel aber auch fast punktgenau auf einen anderen Jahrtag, denn am 5. September 2024 war Julian Higi vom Ortschaftsrat Stetten zum jüngsten Ortsvorsteher in der Geschichte der Gesamtstadt Haigerloch gewählt worden. Higis kurzes Fazit: „Es war ein arbeitsreiches Jahr, denn mit der Renovierung der alten Schulturnhalle, der Organisation des Dorffestes und der Einarbeitung in die Aufgaben und Pflichten eines Ortsvorstehers wurde es mir nie langweilig“.
Nachdem er sich bei allen Helfern, den am Fest beteiligten Vereinen und Sponsoren für ihre Unterstützung bedankt hatte, gehörte das Mikrofon Bürgermeister Heiko Lebherz.
Lebherz wil die Stettener nicht an ein Kloster verschenken
Und der wählte nicht weniger launige Worte. „Eines kann ich euch versprechen“, sagte der Bürgermeister zu den Stettenern in Anspielung auf das Datum 1085, „ich werde euch nicht an ein Kloster verschenken, ihr dürft weiterhin einer der wichtigsten Stadtteile Haigerlochs bleiben.“
Heiko Lebherz lobte das große bürgerschaftliche Engagement, das hinter dem Fest steckt und begrüßte unter den Gästen ganz besonders den letzten Bürgermeister Stettens: Wilfried Selinka.
Fassanstich gelingt – aber nicht ganz auf Anhieb
Der eigentliche Fassanstich nahm dann Volker Ehwald vor, seit Oktober 2023 Leiter des Salzbergwerkes. Mit einem herzlichen „Glückauf!“ nahm der gebürtige Pfälzer den Schlegel in die Hand. Im ersten Moment schoss zwar ein Strahl Bier aus dem Spundloch aber im Großen und Ganzen klappte der Fassanstich; schnell waren eine ganze Reihe von Biergläsern zum Anstoßen auf ein gelingendes Fest gefüllt.
Danach nahm der Festbetrieb seinen Lauf, viele machten auch einen Abstecher in die Glückaufhalle, wo eine Foto-Wand mit alten Vereins-, Schul- und Jahrgangsbildern und viele Dokumente oder Uniformen die Dorfgeschichte zum Leben erweckten. Ein Highlight war der auf Super-8 gedrehte und inzwischen digitalisierte Film von der 700-Jahr-Feier im Jahr 1975.
Abends spielt Siggi aus Gruol, Sonntags zwei Musikvereine
Auch am Abend herrschte beim Dorffest reges Treiben, auch wenn es doch schon herbstlich kühl war. Auf der Bühne spielte Alleinunterhalter „Siggi“ aus Gruol mit seiner zwölfsaitigen Westerngitarre jede Menge Pop- und Rock-Klassiker aus den vergangenen Jahrzehnten.
Am Sonntag sorgte zuerst der MV Bierlingen mit „Django“ für musikalische Unterhaltung, am Nachmittag spielte dann die „Lyra“ aus Bittelbronn auf der Festbühne im Andreasweg. Besitzer von Oldtimern, die zum Dorffest gekommen waren, konnten ihrer Raritäten auf zwei und vier Rädern auf dem Freigelände hinter der Werkrealschule parken.