Antikriegstag am 1. September: Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg – so war es in Hechingen

Zwangsarbeit war im Dritten Reich ein Massenphänomen. Die historische Aufnahme zeigt jüdische Frauen, die 1941 im polnischen Ghetto Dambrowa Gornicza an Nähmaschinen arbeiten. Auch in der Hechinger Textilindustrie waren zahlreiche Menschen zwangsbeschäftigt.
IMAGO- Hechingen erinnert am 1. September im Refugio an Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg.
- Beginn ist um 19 Uhr – das Bündnis für Demokratie und Menschenrechte organisiert die Veranstaltung.
- Inhalte: Informationen zur NS-Zwangsarbeit und ein Gespräch mit einem Zeitzeugen.
- In Hechingen waren 1940 bis 1945 insgesamt 720 Menschen zur Arbeit gezwungen.
- Zwangsarbeit prägte die Kriegswirtschaft, Millionen litten unter Hunger, Gewalt und Diskriminierung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Hechinger Bündnis für Demokratie und Menschenrechte erinnert am diesjährigen Antikriegstag, dem 1. September, um 19 Uhr im Refugio am Obertorplatz an das Thema „Zwangsarbeit“. Dabei handelt es sich um ein lange Zeit wenig beachtetes Kapitel der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, der am 1. September vor 87 Jahren mit dem Überfall des Deutschen Reiches auf Polen begann. Die Veranstaltung beinhaltet neben Informationen zum Thema auch ein Gespräch mit einem Zeitzeugen.
Millionen Menschen zur Arbeit gezwungen
Millionen Menschen wurden während des Zweiten Weltkriegs aus den von Deutschland besetzten Ländern nach Deutschland verschleppt und zur Arbeit gezwungen. Auch in Hechingen mussten während der NS-Zeit Hunderte Menschen unter Zwang arbeiten. Die Zwangsarbeit war ein zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft.
Während zum Beispiel 1944 etwa neun Millionen Männer in der Wehrmacht aktiv waren und als Produktivkräfte in der Wirtschaft fehlten, mussten mehr als 13 Millionen ausländische Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Bezieht man die besetzten Gebiete mit ein, waren etwa 20 Millionen Menschen betroffen. Im Sommer 1944 arbeiteten im Deutschen Reich rund 7,6 Millionen ausländische Arbeitskräfte, darunter etwa 5,7 Millionen zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie rund 1,9 Millionen Kriegsgefangene.
Zwangsarbeiter aus halb Europa
Die Menschen kamen aus nahezu allen von Deutschland besetzten Ländern Europas. Besonders viele stammten aus Polen und der Sowjetunion, aber auch aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Belgien und anderen Ländern. Ende 1944 befanden sich beispielsweise etwa 2,8 Millionen Menschen aus der Sowjetunion, rund 1,7 Millionen aus Polen und etwa 1,2 Millionen aus Frankreich als ausländische Arbeitskräfte im Deutschen Reich.

Kurze Texte aus knapp 100 Jahren, dazu Lieder über und gegen den Krieg: Vor Jahresfrist gab es am Antikriegstag im Hechinger Refugio ein Lesecafé des Bündnisses für Demokratie und Menschenrechte.
Ernst KlettSie mussten unter vielfach menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten: Lange Arbeitszeiten, Hunger, schlechte Unterbringung, Gewalt und rassistische Diskriminierung gehörten zum Alltag. Die nationalsozialistische Rassenideologie stufte viele der Betroffenen als angeblich „minderwertig“ ein. Zahlreiche Menschen starben an den Folgen der Zwangsarbeit – etwa 2,5 Millionen Menschen. Auch nach der Befreiung im Jahr 1945 litten viele Überlebende noch lange unter den Folgen von Verschleppung und Ausbeutung.
Zwangsarbeit auch in Hechingen
Zwangsarbeit war nicht nur ein Geschehen in den großen Industriezentren des Deutschen Reiches, sondern fand auch vor Ort statt. Nach einer Erhebung aus dem Jahr 1946 wurden für den Zeitraum 1940 bis 1945 insgesamt 720 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Hechingen erfasst. Davon waren 472 „Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter“ und 248 Kriegsgefangene. Die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt – unter anderem in der Landwirtschaft, in Handwerksbetrieben, im städtischen Forst sowie in Betrieben der Metall- und Textilindustrie.
Teil der Geschichte von Krieg, Rassismus, Ausbeutung
Die Zahlen machen deutlich: Auch in Hechingen gehörten Menschen, die ihrer Freiheit beraubt und zur Arbeit gezwungen worden waren, während des Krieges zum Alltag. Ihre Geschichte ist Teil der lokalen Vergangenheit und zugleich Teil der europäischen Geschichte von Krieg, Besatzung, Rassismus und Ausbeutung.
Rolf Vogt recherchierte dazu
Obwohl der Hechinger Historiker Rolf Vogt schon 2003 in einem ausführlichen Aufsatz auf das Thema Zwangsarbeit in Hechingen hingewiesen hat, ist das Thema in der Stadt kaum präsent. Die Veranstaltung am Antikriegstag im Refugio will es wieder ins öffentliche Bewusstsein bringen.
Der Antikriegstag im Refugio
Das Hechinger Bündnis für Demokratie und Menschenrechte möchte mit der Veranstaltung am Dienstag, 1. September, um 19 Uhr im Refugio am Obertorplatz an die Schicksale der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter erinnern und ein Thema beleuchten, das lange Zeit wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhielt.
Im Mittelpunkt des Abends stehen Informationen zur Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs und ihre Bedeutung für die nationalsozialistische Kriegswirtschaft. Dabei wird auch die Situation in Hechingen thematisiert. Ergänzt wird der Abend durch ein Gespräch mit einem Zeitzeugen.

