Technik verblüfft in Dornstetten
: So behält ein Landwirt 300 Kühe im Blick

Rund um die Uhr überwacht ein ungewöhnlicher Helfer die Kühe auf dem Benzinger Hof bei Dornstetten. Dabei liefert er Hinweise, die für Landwirt und Tierarzt entscheidend sein können.
Von
Anna-Sophie Zepf
Dornstetten
Tierarzt Florian Fischer und Landwirt Felix Schwenk

Nicht nur für den Tierarzt Florian Fischer und den Landwirt Felix Schwenk hat der ungewöhnlicher Helfer Vorteile, auch die Milchkühen auf dem Benzinger Hof in Dornstetten profitieren enorm von der Technik.

Anna-Sophie Zepf
  • Auf dem Benzinger Hof bei Dornstetten überwacht ein Tracker 300 Milchkühe rund um die Uhr.
  • Die Geräte messen Temperatur, Verhalten und Gang – Änderungen weisen früh auf Krankheiten hin.
  • Landwirt reagiert schneller, Tierarzt erhält Daten teils per WhatsApp und diagnostiziert früher.
  • Tracker helfen bei Brunsterkennung und Planung der Geburt, Boxen können rechtzeitig vorbereitet werden.
  • Die Technik ist seit rund zwölf Jahren im Betrieb und ersetzt händische Kontrollen im Stall.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Hunderte Kühe im Blick zu behalten, das klingt wie eine unlösbare Aufgabe. Doch was, wenn man nicht jede einzelne von ihnen ständig beobachten müsste, um zu wissen, wie es ihr geht? Auf dem Benzinger Hof bei Dornstetten im Schwarzwald gibt es dafür einen ungewöhnlichen Helfer, der nicht nur dem Milchbauer unter die Arme greift, sondern von dem auch Kühe enorm profitieren.

Während der Sommer sich verabschiedet, verspricht der Herbst nun wieder kühle und angenehme Temperaturen. Das ist nicht nur für den Menschen besser, sondern auch für die Kühe auf so manchem Bauernhof. Diese fühlten sich bei Temperaturen unter 20 Grad am wohlsten, verrät Landwirt Felix Schwenk vom Benzinger Hof. „Bei minus fünf Grad sind sie sogar richtig verspielt“, erklärt er schmunzelnd.

Auf dem Hof mitten im Schwarzwald wird deshalb versucht, es den 300 Rindern der Rasse Fleckvieh so angenehm wie möglich zu machen. Dazu gehört auch eine besondere technische Unterstützung, die die Tiere direkt um den Hals tragen. Denn jede einzelne Kuh ist mit einer Art „Fitnesstracker“ ausgestattet. Mit diesem kann der Gesundheitszustand der Tiere 24/7, also in jeder Minute, überwacht werden.

Dass die Tiere per Tracker so engmaschig überwacht werden, mag zunächst überraschend klingen. Für viele Landwirte gehört diese Form der gesundheitlichen Überwachung jedoch längst zum Alltag, erklärt Tierarzt Florian Fischer.

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Mit Zettel und Stift in der Tasche

Auch auf dem Benziger Hof ist die digitale Gesundheitsüberwachung seit Jahren etabliert. Vor rund zwölf Jahren habe der Betrieb die Technik eingeführt, berichtet Schwenk, der Junior-Betriebsleiter des Hofs. „Vorher war das alles händisch oder visuell – mit Zettel und Stift in der Tasche.“

Kühe mit Fitnesstracker

Die Fitnesstracker, die sich um die Hälse der Milchkühe befinden, unterstützt auch den Tierarzt in seiner Arbeit enorm.

Anna-Sophie Zepf

Doch was kann dieser Fitnesstracker überhaupt? Bei den Kühen werde beispielsweise überwacht, „welche Temperatur sie in Echtzeit haben, wie sie sich verhalten und wie sie laufen“, erläutert Fischer. Das bedeute auch, dass das System sehr schnell erkenne, wenn sich daran etwas ändere.

So könne der Tracker eine Entzündung oder eine sich anbahnende Krankheit vorhersagen, meint Schwenk, etwa durch einen hohen Ausschlag der Körpertemperatur. „Das kann man sich ja gar nicht vorstellen, was das für ein Quantensprung ist“, meint er begeistert und fügt hinzu, dass ein Landwirt dementsprechend auch schnell reagieren kann, etwa durch das Geben von Schmerzmitteln oder homöopathischen Mitteln wie Kräutern.

Ein kommentarloser Screenshot – per WhatsApp

In ernsteren Fällen ist auch gleich der Tierarzt zur Stelle: „Die schicken mir teilweise nur kommentarlos einen Screenshot – per WhatsApp“, meint Fischer in Bezug auf die Milchbauern. Auf dem Screenshot seien dann die Daten des Fitnesstrackers zu sehen. Für den Tierarzt könnten diese dann bereits auf eine Euter- oder Lungenentzündung bei Kuh XY hindeuten – zu einem Zeitpunkt, an dem äußerlich noch kaum etwas auf eine Erkrankung schließen lasse.

Kühe auf dem Benzinger Hof

Für die gynäkologische Untersuchung durch Tierarzt Florian Fischer werden die Kühe in ihrer Bewegung kurzzeitig eingeschränkt.

Anna-Sophie Zepf

Auch bei der Fortpflanzung der Kühe kommt der Fitnesstracker zum Einsatz: So kann die Technik dabei helfen, den richtigen Zeitpunkt für eine Besamung zu bestimmen, indem der Brunftzustand ermittelt wird. Wäre das nicht der Fall, dann „müsste eine Person den ganzen Tag hier im Stall sein und die Kühe beobachten, ob die jetzt brünstig sind und aufspringen oder nervöser sind als normal“, sagt Schwenk augenzwinkernd.

Die komplette Herde auf dem Bildschirm

Im Voranschreiten der Schwangerschaft einer Kuh unterstützt das Trackingsystem ebenfalls ungemein. „Jetzt sagt mir das System heute: In zwei Tagen kalben die Kuh Elsa und die Kuh Elfriede“, berichtet der Landwirt. Da könnten dann direkt schon mal die speziellen Boxen für die Geburt der kleinen Kälber freigemacht werden.

Die Technik unterstütze den Menschen einfach unwahrscheinlich, lobt Schwenk. Denn bei 300 Kühen könne man nicht überall gleichzeitig sein. Nun habe er die komplette Herde auf dem Bildschirm. „Ich kann da quasi schon alles vorhersagen“, scherzt er.