So lief die die Wahl
: Andreas Junt wird neuer Landrat im Landkreis Freudenstadt

Das war eine schnelle Wahlentscheidung: Andreas Junt setzte sich klar gegen seinen Kontrahenten Michael Ruf, Bürgermeister von Baiersbronn, durch. So lief die Wahl.
Von
Florian Ganswind
Oberndorf
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Klaus Michael Rückert gratuliert seinem Nachfolger Andreas Junt und Ehefrau Stefanie.

Florian Ganswind

Es war ein Wahlnachmittag voller Spannung und klarer Worte: In einer öffentlichen Kreistagssitzung im Kienbergsaal des Freudenstädter Kongresszentrums wählten die Kreisräte am Montag Andreas Junt zum neuen Landrat. Michael Ruf hatte das Nachsehen.

Rund 150 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um die entscheidende Sitzung live zu verfolgen. Die beiden Kandidaten nutzten die Gelegenheit, sich jeweils in einer 15-minütigen Präsentation zu positionieren – sachlich, engagiert und mit persönlicher Note.

Die Rede von Michael Ruf

„Ich kandidiere nicht, um zu verwalten – sondern um gemeinsam mit Ihnen zu gestalten.“ Mit diesen Worten warb Michael Ruf, CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, und machte deutlich, wofür er steht: für eine „Politik mit Rückgrat“.

Ruf sah sich dabei nicht als Einzelkämpfer, sondern als Moderator eines gemeinsamen Weges. „Entscheidungen entstehen nicht im Alleingang, sondern im Dialog. Mein Anspruch ist, diese Entscheidungen mit Ihnen auf Augenhöhe zu treffen.“ Für ihn bedeutet Führung, Menschen zusammenzubringen – Kommunen aus Ost und West, Verwaltung und Bürgerschaft und Kreisräten.

Ein zentrales Thema seiner Rede war die finanzielle Lage des Landkreises: „Die Kassen sind leer, das Defizit liegt bei 18 Millionen Euro – und selbst ein harter Sparkurs kann den Schuldenanstieg kaum bremsen.“ Ruf fordert daher einen strukturellen Kurswechsel und ein aktives Einfordern der Unterstützung von Bund und Land.

Die Rede von Andreas Junt

„Ich stehe heute nicht nur als Bewerber um das Amt des Landrats vor Ihnen – sondern als Mensch, der mit dem Landkreis Freudenstadt tief verbunden ist.“ Mit diesen Worten begann Andreas Junt seine Vorstellung.

Er erklärte: „Ich will mit Ihnen, mit allen Fraktionen im Kreistag zusammenarbeiten. Unser Ziel muss sein, tragfähige Lösungen zu finden.“ Dazu gehört für ihn auch ein klarer Verwaltungsstil: „Mehr Klartext, weniger Fließtext“ beispielsweise bei Verwaltungsvorlagen.

Ein Schwerpunkt seiner Rede war die angespannte Finanzlage des Landkreises: „Unser Haushalt steht massiv unter Druck.“ Junt hat bereits, wie er berichtete, Gespräche auf Landes- und Bundesebene geführt und will über den Landkreistag und zusammen mit anderen Landkreisen mehr Druck auf Land und Bund machen. Dabei sei Sparen unumgänglich, betont er – aber mit Augenmaß und gemeinsam mit den Mitarbeitenden: „Ich will die Menschen in der Verwaltung mitnehmen und gezielt nach Einsparpotenzialen suchen.“ Auch die geriatrische Reha in Horb thematisierte Junt. Er verwies auf die große Unterstützung aus der Bevölkerung – über 10.000 Unterschriften – und versprach, die Zahlen und Fakten schnellstmöglich zu prüfen.

Kreisräte befragen die beiden Kandidaten

Im Anschluss nutzten die Kreisräte die Möglichkeit, gezielt Fragen zu stellen – etwa zur Krankenhaus-Finanzierung und aktuellen Finanzlage des Landkreises. Die Antworten fielen routiniert, aber auch mit persönlichen Nuancen aus.

Besonders aufmerksam verfolgten die Zuschauer die Aussagen zum Kreishaushalt – ein Thema, das beide Kandidaten als zentrale Herausforderung bezeichneten.

Junt gewinnt klar im ersten Wahlgang

Die Wahl selbst verlief geheim, wie gesetzlich vorgesehen. 43 Kreisräte waren stimmberechtigt. Schon im ersten Wahlgang gab es die absolute Mehrheit: Junt erhielt 26 Stimmen, Ruf 17 Stimmen.

Der Applaus war groß, als das Ergebnis bekannt gegeben wurde. Junt nahm die Wahl sichtlich bewegt an und bedankte sich für das Vertrauen.

Letzte Sitzung von Rückert

Junt wird das Amt zum 1. Oktober 2025 antreten und damit die Nachfolge von Klaus Michael Rückert antreten, der sein Amt zum 30. September vorzeitig niederlegt. Für Rückert war es die letzte Sitzung des Kreistags, die er leitete. Er wurde mit stehendem Applaus gewürdigt.

Das ist der Sieger

Andreas Junt, bisher noch Vizepräsident der Gemeindeprüfungsanstalt Baden-Württemberg, trat bewusst überparteilich auf – mit einem klaren Versprechen: frischer Wind für Verwaltung und Politik. Der Diplomverwaltungswirt kennt das Landratsamt aus jahrelanger Tätigkeit im Kommunal- und Rechnungsprüfungsamt und setzt in seiner Kandidatur auf neue Impulse, wirtschaftliches Denken und eine bürgernahe Verwaltungsmodernisierung. Seine Schwerpunkte reichen von einem soliden Kreishaushalt über mehr Effektivität und Priorisierung im Verwaltungshandeln bis hin zu einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung.

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