S-Bahn strandet in Forbach: Pannenserie auf der Murgtalbahn setzt sich fort – was unternimmt die AVG?

Immer wieder gibt es Probleme mit den S-Bahnen, die auf der Murgtalbahn unterwegs sind. (Symbolbild)
BeyerEin Rütteln geht durch die S-Bahn. Es fühlt sich an, als wollte ein Teil des Zugs losfahren und ein anderer Teil lieber stehenbleiben. Aus der Fahrerkabine ist zu hören, wie über Funk fieberhaft nach einer Lösung gesucht wird.
Der Zugführer eilt durch die Waggons, setzt die S-Bahn ein Stück zurück. Zumindest das funktioniert. Doch auch der nächste Versuch, die Fahrt fortzusetzen, endet mit einem gequälten Ruckeln des Fahrzeugs.
Nun wird es ganz wild. Die Türen des Zuges gehen auf. Kalte Winterluft umweht die Fahrgäste. Nach einer Weile gehen die Türen wieder zu. Dann gehen alle Lichter aus, nur um kurz darauf flackernd wieder anzugehen. Emsig sucht der Zugführer nach dem Fehler, öffnet Abdeckungen in den Waggons, macht sich an der Technik zu schaffen.
Zunehmende Ungeduld
Dann geht es endlich vorwärts. Allerdings nur ein paar Meter. Der Zug bleibt erneut stehen. Den Passagieren im Wagen ist die zunehmende Ungeduld anzumerken. Viele greifen zum Handy, um Familien und Freunden Bescheid zu sagen, dass es mal wieder später wird. Ein Mann stellt frustriert fest, dass er seinen Anschlusszug verpassen wird.
Erst nach einer halben Stunde kommt der Moment der Erlösung: Die S-Bahn setzt endlich ihre Fahrt fort. Zugetragen hat sich dieses Schauspiel am Montagabend auf der Murgtalbahn bei einer Fahrt von Freudenstadt nach Rastatt. Unser Reporter war dabei und konnte den ganzen Vorgang beobachten.
AVG reagiert schmallippig
Es ist nicht das erste Mal, dass eine S-Bahn der AVG mit technischen Problem auffällt. Schon im Januar strandete ein Zug nahe Baiersbronn auf freier Strecke. Minutenlang saßen die Passagiere im Dunkeln. Deutlich brisanter war aber ein Vorfall im Februar. Mitten in der Fahrt griff plötzlich eine Bremse. Rauch breitete sich im Zug aus. Das Fahrzeug musste evakuiert werden. Die Feuerwehr rückte an.
Lassen sich die Vorfälle auf eine gemeinsame technische Ursache zurückführen? So genau lässt sich das nicht sagen. Denn als unsere Redaktion wegen des Vorfalls am Montag nachfragt, regiert die zuständige Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) äußerst schmallippig. So bestätigt das Unternehmen nur das, was sowieso schon bekannt ist. Nämlich dass es an dem Fahrzeug zu einer technischen Störung gekommen ist und der Zug in der Folge um eine halbe Stunde verspätet war.
Regelmäßige Wartung
Die Gründe für die technische Störung will eine Sprecherin der AVG aber nicht nennen. Selbst die Frage, ob das Unternehmen die Ursache nicht kennt, oder diese einfach nur nicht verraten möchte, bleibt unbeantwortet.
So scheint die AVG keine Standardvorgehensweise zu haben, um solchen Problemen auf den Grund zu gehen. So verweist die Sprecherin nur darauf, dass die S-Bahnen regelmäßig gewartet und dabei technisch geprüft würden. Dadurch sei die Sicherheit der Fahrzeuge gewährleistet. Ob dabei aber auch wirklich alle Probleme entdeckt werden, ist fraglich. Sonst wäre es vermutlich gar nicht erst zu der Panne gekommen.
Auch führt die AVG laut eigenen Angaben keine Statistik über solche und ähnliche Vorfälle. Damit bleibt fraglich, wie die AVG so grundlegende Probleme an ihrer Fahrzeugflotte erkennen und künftige Pannen verhindern will.
Und das, obwohl ein gestrandeter Zug auf der Murgtalbahn keine Kleinigkeit ist. Denn ein großer Teil Strecke ist eingleisig. Kann ein Zug nicht mehr weiterfahren, oder ist wegen einer Panne nicht mehr pünktlich unterwegs, blockiert das häufig die Gleise für andere Züge. Die Verspätungen verbreiten sich dann wie Schockwellen durch das ganze System. Entsprechend gering ist die Toleranz für Fehler.