Nationalpark Schwarzwald: Was mit geerntetem Holz aus dem Nationalpark passiert

Ein umfassendes Bild über den aktuellen Stand im Nationalpark wollte sich CDU-Landtagsabgeordnete Katrin Schindele mit mehreren Kleinen Anfragen verschaffen.
Nationalpark Schwarzwald/Charly EbelFür die CDU-Wahlkreisabgeordnete Katrin Schindele ist das zehnjährige Bestehen des Nationalparks der richtige Zeitpunkt für eine Bestandsaufnahme, wie Schindeles Büro in einer Mitteilung schreibt.
„Ich werde immer wieder von Bürgerinnen und Bürgern auf den Nationalpark angesprochen. Einige sind dort engagiert, andere sehen den Nationalpark nach wie vor kritisch. Daher habe ich mehrere Kleine Anfragen zu unterschiedlichen Themenkomplexen an das Umweltministerium gerichtet, um ein umfassendes Bild über den aktuellen Stand im Nationalpark zu erhalten“, wird Schindele zitiert.
Für die Region stelle der Rohstoff Holz einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor dar. Bereits mit der Gründung des Nationalparks seien der Holzwirtschaft und den örtlichen Sägewerken Zusagen gemacht worden. „Daher möchte ich wissen, welche wirtschaftlichen und finanziellen Nebeneffekte für die örtliche Holzwirtschaft und Waldbesitzer durch den Nationalpark entstanden sind“, erklärt Katrin Schindele.
Begrenzte Anzahl von Erhebungspunkten
Der Waldzustandsbericht sei ein wichtiges Instrument zur Überwachung und Bewertung der Entwicklung der Wälder. Er wird jährlich erstellt und liefert umfangreiche Daten zu verschiedenen Indikatoren des Waldzustands – wie der Gesundheit der Bäume, dem Befall von Schädlingen und den Auswirkungen von Klimaveränderungen. Besonders im Fall des Nationalparks Schwarzwald sei dieser Bericht von großer Relevanz. Allerdings könnten aufgrund der begrenzten Anzahl von vier Erhebungspunkten keine spezifischen Auswertungen vorgenommen werden. Daher stelle sich die Frage, welche Menge an Holz seit der Gründung im Jahr 2014 durch Sturm, Schädlinge und Trockenheit abgestorben ist. Diese Daten wurden beim Umweltministerium angefragt und sollten nach Jahren aufgeschlüsselt werden sowie der prozentuale Anteil am Holzvorrat und an der Gesamtfläche des Nationalparks angegeben werden.
Seit der Gründung des Nationalparks im Jahr 2014 wurden auf rund 2380 Hektar jährlich etwa 61 198 Festmeter Holz geerntet. Dabei wurden etwa 90 Prozent dieser Menge durch Insektenbefall, Sturmschäden und Dürre verursacht. Diese Holzmengen liegen unter dem langfristigen jährlichen Zuwachs und machen weniger als zwei Prozent des durchschnittlichen Holzvorrats von 285 Vorratsfestmetern pro Hektar aus.
Obwohl die Holznutzung nicht zu den primären Zielsetzungen eines Nationalparks gehöre, fielen dennoch bei verschiedenen Maßnahmen Holzmengen an, die auf dem Markt angeboten werden. Daher wurde auch gefragt, wie viele Festmeter Holz als Stammholz mit Klassifizierung sowie als Brennholz (Hackschnitzel) verkauft wurden und wer die Abnehmer waren. Schließlich habe das Land im Vorfeld der Gründung des Nationalparks zugesagt, die durch die Ausweisung des Nationalparks wegfallenden Holzmengen den Sägewerken zur Verfügung zu stellen.
Holzverkauf erfolgt über Forst BW
Laut Umweltministerium wurde in den letzten sechs Jahren die wegfallende Holzmenge auf dem Markt weitgehend durch den erhöhten Holzanfall durch Dürreschäden infolge des Klimawandels ausgeglichen. Der Holzverkauf erfolge dabei über Forst BW, Betriebsteil Mittlerer Schwarzwald. Ein Großteil des Holzes werde an regionale Kunden und einen Kunden im Elsass verkauft. Erstaunlich sei allerdings, dass wegen des hohen Anfalls an Käferholz im vergangenen Jahr sogar Holz nach China exportiert worden sei.
Im Nationalpark sollen natürliche Ökosysteme bewahrt und geschützt werden, während gleichzeitig Forschung, Bildung und Erholung gefördert werden. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig zu untersuchen, welche Erfahrungen zum Borkenkäfermanagement vorliegen und ob diese Erkenntnisse auch für den Wirtschaftswald genutzt werden können.
500 Meter breite Pufferzone eingerichtet
Mit einer Zunahme von Störeffekten sei bereits bei der Gründung des Nationalparks gerechnet worden. Um angrenzende Wirtschaftswälder vor dem Borkenkäfer zu schützen, wurde eine 500 Meter breite Pufferzone eingerichtet. Diese Zone werde intensiv überwacht, und befallenes Holz werde innerhalb von zwei Wochen nach Erkennung aus dem Wald entfernt.
Ein umfassendes Borkenkäfermanagementkonzept sei in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren entwickelt worden und werde von Forst BW und der Verwaltung des Nationalparks umgesetzt. Das gesamte Borkenkäfermanagement werde wissenschaftlich begleitet. Die Entwicklung der „Borkenkäfer-App“ leiste einen landesweiten Beitrag zum Borkenkäfermanagement und werde maßgeblich von Forst BW vorangetrieben.