Ministerpräsident Winfried Kretschmann besuchte mit Umweltministerin Thekla Walker den Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Nationalparks Schwarzwald im Nationalparkzentrum.
Kretschmann war bereits vor zehn Jahren dabei, als der Nationalpark am selben Ort, bei noch bescheideneren Wetterbedingungen, eröffnet wurde. Von den Kritikern des Projekts, die sich damals lautstark am Ruhestein positioniert hatten, war am Samstag keiner mehr zu sehen.
Dafür schauten neben den rund 140 geladenen Gästen auch zahlreiche Besucher vorbei, die sich für das Erfolgsprojekt – und als solches kann man es nicht nur nach Kretschmanns Meinung nach zehn Jahren sicherlich bezeichnen – interessierten. Der Festakt wurde deshalb auch noch in den Kinosaal live übertragen.
Für die Öffentlichkeit gab es an diesem Wochenende ein umfangreiches Festprogramm mit Filmen, Vorträgen und Aktionen.
Der Ministerpräsident und auch Nationalparkleiter Wolfgang Schlund sowie Landrat Klaus Michael Rückert erinnerten in ihren Ansprachen an die „heftigen und manchmal kaum aushaltbaren Geburtswehen“ des Projekts, die seinerzeit bei einer Veranstaltung in der Baiersbronner Schwarzwaldhalle ihren Höhepunkt gefunden hatten. „Es gibt Konflikte, an denen lernt man sehr viel“, bilanzierte Kretschmann.
Konstruktive Diskussionen
Die Notwendigkeit des Ganzen habe die Zumutung im Lokalen erfordert. Bei den Windrädern sei das ähnlich, in Relation zur Gesamtfläche hier wie da aber geradezu „unbedeutend“. Trotzdem könne er die direkte Betroffenheit und daraus resultierende Kritik heute nachvollziehen.
Durch die Sichtweisen der Kritiker und konstruktive Diskussionen sei es gelungen, Lösungen zu finden, die dem Nationalpark weit über die Region hinaus heute zu einem Erfolgsprojekt gemacht haben. 90 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg seien heute Befürworter des Projekts. Kretschmann verglich den Nationalpark mit einem Freilandlabor, in dem man auch vor dem Hintergrund des Klimawandels sehr gut beobachten könne, was passiert, wenn man die Natur sich selbst überlässt und wie sich Ökosysteme vielleicht auch selbst stabilisieren.
Eine Intention sei auch, die Liebe und Begeisterung für das Projekt zu wecken. Nur so gelinge es, Interesse an der Natur zu erzeugen. Nur das, was emotional berühre, sei für jeden persönlich auch von Bedeutung.
Impulsgeber für Tourismus
Der Nationalpark sei auch ein wichtiger Impulsgeber für den Tourismus in der Region. Deshalb sei jetzt auch geplant, die große Lücke zwischen beiden Park-Teilen zu schließen.
Umweltministerin Thekla Walker beschrieb den Nationalpark Schwarzwald als „Scharnier zwischen Mensch und Natur“. Nie dürfe man vergessen, dass die Lebensgrundlagen nicht vom Menschen gemacht wurden, sondern „die große Werkstatt der Schöpfung“ sind. „Es gibt Dinge, da muss man einfach demütig sein“, sagte sie dazu. Wolle man heute unberührte Natur erleben, müsse man nicht mehr um die halbe Welt reisen.
Der Nationalpark werde deshalb inhaltlich und räumlich nun auch weiterentwickelt. Erste zarte Erfolge beim Artenschutz – und da auch beim Auerhahn – zeigten sich bereits. Auch deshalb werde das Gebiet erweitert.
Entscheidend für den Erfolg war für Landrat Klaus Michel Rückert, gleichzeitig Vorsitzender des Nationalparkrats, auch die stets konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Nationalparkverwaltung, den Ministerien und den kommunalen Partnern im Nationalparkrat.
Bei der anschließenden Diskussion mit Rückert, Walker und der erst 21-jährigen Valerie Castellani vom Young-Explorer-Programm stand die Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen im Fokus. Wünsche und Visionen zur weiteren Entwicklung wurden dabei thematisiert. Rückert appelliere eindringlich an das Land, die Nationalparkbuslinien auch weiterhin als Partner zu unterstützen. Castellani wünschte sich mehr Wildnis von der Politik und einen stärkeren Einbezug der Jugend in politische Prozesse.
Das weitere Programm
Für den Ministerpräsidenten
und die Umweltministerin ging es nach dem Mittagessen zu einer gut zweistündigen Wanderung in den Bannwald und das Schönmünztal unter der Leitung von Charly Ebel (Chefranger) und Wolfgang Schlund sowie dessen Stellvertreterin Britta Böhr. Zuvor suchte Kretschmann das Gespräch an den Ständen und mit den Forstarbeitern hinter der Villa Klumpp.