„Gaia“ im Schwarzwald: Das sollten Besucher im Bärenpark jetzt wissen

Ein Teil des Rundwegs ist aktuell für Besucher gesperrt.
Salome MenzlerDie Sommerferien machen sich bemerkbar – auch im Alternativen Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach füllen sich Rundweg und Imbiss recht schnell. Viele sind zum ersten Mal da, haben nach einem Ausflugsziel als Familie gesucht, andere sind schon ein paar Mal da gewesen und kennen sich besser aus.
Doch seit die neue Wildbärin JJ4, genannt „Gaia“ in ihre Hochsicherheitsanlage im Schwarzwald eingezogen ist, haben sich auch für die wiederkehrenden Besucher ein paar Dinge geändert. Größter Punkt: Ein Teil des Rundwegs ist aktuell gesperrt. Dieser befindet sich in der Nähe der neuen Anlage und der strömende Besucherverkehr mit dem ein oder anderen Vierbeiner an der Hand, irritiere die neue Bewohnerin, erklärt Projektleiter des Parks, Raoul Schwarze.
Wer die neue Wildbärin sehen will, hat also Pech. Sie sei nicht in den Schwarzwald gekommen, um bestaunt zu werden. Der Park habe sich ihrer angenommen, um ein bestmögliches Leben in Gefangenschaft zu ermöglichen.
Daher wird die Anlage auch in Zukunft für Besucher unzugänglich bleiben. Das entspricht auch dem eigentlichen Sinne der Hochsicherheitsanlage. Bevor der Entschluss gefasst wurde, „Gaia“ dort unterzubringen, war die Anlage für Wildtiere aus Deutschland gedacht, erklärt Schwarze.
Anlage zur Pflege und Auswilderung gedacht
„Angefahrene oder verletzte Wölfe – oder vielleicht auch einmal Bären – sollten hier gepflegt und anschließend wieder ausgesetzt werden.“ Diesem Sinne könne die Anlage nun nicht mehr dienen. Ob Bärin JJ4 jemals in eine andere Anlage verlegt wird, ist unklar.
Nachdem der Bärenpark einige Tage nach Ankunft der Bärin komplett geschlossen war, können Besucher diesen jedoch wieder frei besuchen. Auch wenn der Rundweg vorerst unterbrochen ist, können die Wege zum größten Teil begangen und weiterhin viel über die Tiere gelernt werden.
Mit Infotafeln an jeder Anlage werden Besuchern die verschiedenen Geschichten und Eigenheiten der einzelnen Tiere vermittelt. Dazu gehört beispielsweise Bärin Franca, die häufig nur in einem kleinen Kreis läuft oder auch die Wölfin Gaia, die besonders menschenfreundlich agiert, obwohl sie es nicht sein sollte.
Solche Verhaltensstörungen treten durch jahrelange Gefangenschaft der Tiere auf. Franca hatte bei französischen Schaustellern nur „ein dunkles Loch“ als Heimat, in dem sie sich nicht viel bewegen konnte. Gaia wurde von Hand aufgezogen und als Haushund gehalten, bis sie ausgewachsen war.

Franca lebt seit 2019 im Bärenpark Schwarzwald.
Foto: Salome MenzlerAus diesen Gründen, sollen Besucher auch nicht mit den Tieren im Park interagieren oder versuchen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Das Projektteam legt Wert darauf, dass die geretteten Tiere möglichst ungestört leben können – finanziert wird der Park jedoch aufgrund der Eintrittspreise und vor allem durch Spenden. Ganz ohne Besucher wäre die Arbeit demnach eventuell gar nicht möglich.
Was Besucher daher tun können, beziehungsweise sollten? Ruhig sein, die Tiere nicht lange anstarren oder zu lange an einer Stelle verharren.
Auch darauf weist die ein oder andere Infotafel hin. Beispielsweise bei Bär Agonis werden Besucher darauf hingewiesen, sofort weiterzugehen und den Bären zu ignorieren, wenn dieser an seiner Tatze nuckelt. „Dies ist ein traumatisches Fehlverhalten, das durch Menschen ausgelöst wird“, heißt es auf der Tafel. „Im schlimmsten Fall nuckelt er sich die Tatze wund“, was zu Infektion und starker Verletzung führen kann.
Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach
Öffnungzeiten und Preise
Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet. Von März bis Oktober jeweils von 10 bis 18 Uhr, von November bis Februar von 10 bis 16 Uhr und am 24. sowie 31. Dezember von 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 13 Euro, ermäßigt und für Kinder zwischen 5 und 14 Jahren dann 11 Euro. Menschen mit Schwerbehinderung zahlen 7 Euro. Hunde sind an einer festen Leine (keine Flexi- oder Schleppleine) erlaubt, jedoch müssen die Halter pro Hund drei Euro zahlen.
Tiere
Der Alternative Wolf- und Bärenpark gibt derzeit zehn Bären, fünf Wölfen und zwei Luchsen ein Zuhause. Die Bären stammen – mit Ausnahme von JJ4 „Gaia“ – alle aus Gefangenschaften. Die Bären stammen aus Zoos, Restaurants, illegalem Wildtierhandel oder wurden als „Selfie-Bären“ missbraucht. Vier der Wölfe waren in einem Kontaktzoo ebenfalls für Touristen-Fotos genutzt, eine Wölfin wurde als Welpe der Natur entnommen, als Haushund aufgezogen und mit dem Erwachsenwerden in eine Auffangstation abgeschoben. Die beiden Luchse stammen aus Zoos, wobei „Hero“ aufgrund einer Behinderung der Wildnis entnommen wurde.
