Bärensichtung in Österreich
: Streifen Bären demnächst auch durch den Schwarzwald?

Wölfe sind längst zurück im Schwarzwald – folgt nun auch der Bär? Eine aktuelle Sichtung nahe der Landesgrenze wirft Fragen rund um die Rückkehr des großen heimischen Raubtiers auf.
Von
Anna-Sophie Zepf
Bad Rippoldsau-Schapbach
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ARCHIV - 08.08.2018, Bayern, Poing: Ein Braunbär klettert im Gehege im Wildpark Poing auf einem Baum. (zu dpa: «Bewaffnete Bärenbereitschaft? Ministerium reagiert verhalten») Foto: Lino Mirgeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Bär im Brandnertal in Österreich sorgt für Aufsehen, keine 100 Kilometer von der Baden-Württembergischen Grenze entfernt. Bedeutet das, dass Bären bald auch rund um den Schwarzwald heimisch werden könnten? (Symbolbild)

dpa
  • Nahe der österreichischen Grenze wurde ein junger Braunbär mehrfach per Kamera erfasst.
  • Laut Stiftung für Bären ist die Region ein Bärenerwartungsland – Distanzen überbrückt ein Bär leicht.
  • Gefahr für Menschen gilt als gering, wenn Regeln beachtet werden; Wildschweine seien riskanter.
  • Ansiedlung hängt von Nahrung, Revier, Artgenossen, Menschen und Infrastruktur ab.
  • Für eine Rückkehr braucht es Akzeptanz und Herdenschutz, problematisch ist vor allem menschliches Verhalten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Während sich die Wolfspopulation in Baden-Württemberg weiterentwickelt, sorgt eine Sichtung eines ganz anderen Beutegreifers aus Österreich für Aufsehen: Keine Hundert Kilometer von der Landesgrenze entfernt wurde ein Braunbär entdeckt. Bedeutet das, dass sich auch Bären zu den Wölfen im Schwarzwald gesellen könnten?

Anfang des Monats wanderte ein junger Braunbär durch das Brandnertal und wurde auf seinem Streifzug von einer Wildkamera abgelichtet. Nur zwei Nächte später sei ein Bär im Silbertal fotografiert worden, meint der zuständige Landeswildökologe Hubert Schatz und mutmaßt, dass es sich um dasselbe Tier handele. Danach wurde der Beutegreifer allerdings nicht mehr gesichtet und sein jetziger Verbleib bleibt ein Rätsel.

Besteht nun die Möglichkeit, dass er die Grenze zu Österreich überschritten hat und bereits den Schwarzwald erkundet?

Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt Christopher Schmidt, Pressesprecher der Stiftung für Bären – Wildtier- und Artenschutz, zu der auch der Alternative Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach gehört: Dass sich ein Bär nur rund 55 Kilometer von Baden-Württemberg entfernt aufgehalten habe, zeige, dass die Region grundsätzlich als Bärenerwartungsland einzustufen sei. „Für den Bären ist diese Entfernung eine Strecke, die er locker über Nacht zurücklegen könne.“

Wildschweine sind im Vergleich durchaus gefährlicher

Doch geht denn eine Gefahr von einem einzelnen durchziehenden Bären für Menschen aus? „In der Regel meiden Bären Menschen, Menschen sollten das Gleiche tun und die Tiere in Ruhe lassen“, erklärt Schmidt. Die realistische Gefahr, die von einem Bär ausginge, stelle sich als relativ gering dar – „richtiges Verhalten und Akzeptanz gegenüber den Tieren vorausgesetzt“. Wildschweine seien im Vergleich durchaus gefährlicher, als ein einzelner, männlicher Bär auf Wanderschaft.

Aber wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass sich ein frei lebender Bär in der Region niederlässt? Und wovon hängt das ab? Das hänge vom Nahrungsangebot, der Größe des Reviers, den Artgenossen, den Menschen und der Infrastruktur ab, meint Schmidt. Von Habitat und Nahrungsangebot her biete Baden-Württemberg einige Möglichkeiten für Bären.

Kulturlandschaft erschwert das Zusammenleben

Ein harmonisches Zusammenleben mit Bären stelle sich allerdings als schwierig dar: „Der Fakt, dass wir in Deutschland stark von einer Kulturlandschaft geprägt sind, steigert das Konfliktpotenzial natürlich und erschwert das Zusammenleben“, erläutert Schmidt. Den Bären störe dies jedoch eher weniger.

Slowakei, Rumänien, nicht zuletzt die in der autonomen Provinz Trentino im Norden Italiens lebenden Bären leben in ähnlichen Strukturen, nennt der Pressesprecher beispielhaft. „Der Mensch, beziehungsweise wir als Gesellschaft, spielen hierbei die entscheidende Rolle.“ Natürlich könne sich ein Bär im Schwarzwald ansiedeln und heimisch fühlen, die entscheidende Frage sei jedoch: „Sind wir bereit, Kompromisse einzugehen?“

Leider herrsche in Deutschland eine doch eher wenig tolerante Einstellung gegenüber Beutegreifern, hebt der Pressesprecher der Stiftung für Bären – Wildtier- und Artenschutz hervor. So sei die Bereitschaft der Gesellschaft, sich mit den Tieren zu arrangieren und sich darauf vorzubereiten, eine Grundvoraussetzung für die Niederlassung eines Bären.

Rückkehr von Bären in freier Wildbahn

Aus Sicht des Bärenparks sei die Rückkehr von Bären in freier Wildbahn in Mitteleuropa grundsätzlich als positive Entwicklung zu betrachten, meint Schmidt. „Bären sind in Mitteleuropa heimisch und gehören definitiv hierher, sie sind wichtig für das Ökosystem und eine Bereicherung für die Artenvielfalt. Die Natur profitiert sehr davon.“ Durchaus sei es ein Lob an die Menschen in Mitteleuropa, denn es zeige eine positive Entwicklung.

Nach dem massiven Raubbau an der Natur, der in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat, sei dies ein absolut wünschenswerter Trend. „Wir Menschen haben so viele Tiere aktiv ausgerottet, auch Bären“, stellt er fest. Daher gebe es also einiges wieder gutzumachen.

Bevor sich Bären ähnlich wie Wölfe wieder in der Umgebung niederlassen könnten, gebe es allerdings noch einige Herausforderungen zu meistern: „Denn wir müssten auf die Tiere eingehen, Herdenschutz optimieren und grundlegend rücksichtsvoller mit der Umwelt umgehen, denn ein Wildbär verzeiht keine Fehler“, so Schmidt.

Erfrischung für Tiere im Berliner Zoo: 19.06.2026, Berlin: Ein Braunbär sitzt bei großer Hitze in seinem Gehege im Berliner Zoo auf einem Felsen. Foto: Sven Kaeuler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Braunbär sitzt bei großer Hitze in seinem Gehege im Berliner Zoo auf einem Felsen. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch freilebende Bären sich in Zukunft in Deutschland oder auch Baden-Württemberg niederlassen könnten, schätzen Experten als hoch ein.

Sven Kaeuler/dpa

Es gebe ganze Bärenfamilien, die auffälliges Verhalten aufgrund von menschlichem Fehlverhalten an den Tag legten, erläutert er das Problem. Die große Herausforderung beziehungsweise Gefahr bestehe daher weniger in der Anwesenheit der Bären, als vielmehr im problematischen Verhalten der Menschen. „Und genau das sollte unser Ansatz sein, denn am eigenen Verhalten können wir arbeiten, es liegt letztlich in unseren Händen“, hebt Schmidt hervor. Denn der Bär sei heimisch in Mitteleuropa – und auch in Deutschland habe er eine Chance verdient.

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