Alte Tradition in Alpirsbach
: Baumstämme donnern beim Riesfest in Reinerzau ins Tal

In Reinerzau wurde ein Stück Geschichte zum Leben erweckt. Dem Publikum wurde vorgeführt, wie früher geriest und geflößt wurde.
Von
Werner Hering
Oberndorf
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Hier wurde gezeigt, was passiert, wenn ein Baum ein Auto trifft.

Werner Hering

Bei hochsommerlichem Wetter fand das Riesfest in Reinerzau mit vielen hundert Besuchern statt. Schon zu Beginn waren fast alle Tische, vor allem die mit Sonnenschutz, belegt. Die Dorfgemeinschaft Reinerzau hatte das Fest organisiert. Die Besucher waren begeistert von der schnellen Bedienung. Kaum bestellt, waren Getränke und Speisen schon serviert.

Ortsvorsteher Thomas Gutmann erklärte, eine Flößung könne nicht stattfinden. Das Wasserwirtschaftsamt hatte aufgrund des Naturschutzes die Flößung auf der Kleinen Kinzig untersagt, da der Wasserstand in der Talsperre zu niedrig sei.

Floße auf der Kleinen Kinzig

Im Fokus des Fests standen Floßbau, Baumstämme schnetzen und schäpsen sowie Deichelbohren. Kinder konnten, organisiert vom Schwarzwaldverein, einen Nistkasten bauen. Hierfür gab es vorgefertigte Teile, die zusammengeschraubt wurden. Auch konnten sie kleine Floße bauen und auf der Kleinen Kinzig schwimmen lassen.

Es gab Führungen im Wasserwerk sowie geführte Wanderungen entlang des neu gestalteten Wasserpfads, der von Gerold Wein vorgestellt wurde. Die Neugestaltung mit Tafeln, auf denen die Bedeutung der Natur entlang des Pfads erklärt wird, wurde vom Schwarzwaldverein Alpirsbach gestemmt.

Flößer verbinden mit Wieden mehrere Stämme zu einem Floß.

Foto: Werner Hering

Moritz Klemm zeigte an einem Stamm, wie früher Wasserleitungen, sogenannte Holzdeicheln, hergestellt wurden. Der Stamm wurde der Länge nach durchbohrt.

Holzrücken mit dem Pferd

Michael Hamm kommentierte die einzelnen Attraktionen, darunter auch das Baumstämmerücken mit einem Pferd. Tobias Breite zeigte mit seinem Kaltblüter, der auf den Namen Chef hört, wie und mit welcher Genauigkeit das Holzrücken früher vonstatten ging. So mussten Hindernisse überwunden oder ein stehender Stamm punktgenau umgeworfen werden. Breite erklärte, dass das Holzrücken mit dem Pferd auch heute wieder gefragt sei.

Zwei Forstarbeiter führten vor, wie eine Tanne gefällt wird. Dem Publikum sollte gezeigt werden, wie gefährlich es sein kann, während eines Sturms mit dem Auto durch den Wald zu fahren. Für diesen Zweck war ein Schrottauto aufgestellt worden. Der gefällte Baum fiel direkt darauf.

Lange Trockenheit

Was das Riesfest ausmachte, war das Riesen von großen Stämmen. Die Riese mit einer Länge von 200 Metern ist mit Bundsandsteinplatten ausgekleidet. Die bis zu 20 Meter langen gefällten Stämme wurden circa 100 Meter oberhalb vom Floßplatz im Wald von Männern in die Riese gehievt und donnerten dann ins Tal.

Tobias Breite mit seinem Kaltblüter „Chef“

Foto: Werner Hering

Vor der Arbeit beteten die Waldarbeiter und stiegen dann die Riesen hoch. Jeder hatte eine bestimmte Position auf der Strecke. Von unten wurde ein Signal nach oben gegeben, dass die Riese frei ist. Wie Hamm erläuterte, hatte die Feuerwehr am Vormittag die Riese bewässert, da die Stämme aufgrund der langen Trockenheit nicht richtig rutschen konnten. Es wurden zwei Stämme geriest. Hamm erklärte, dass die ursprüngliche Riese bis zu 900 Meter lang und viel steiler war, so dass die Stämme mit bis zu 80 Stundenkilometer auf dem Floßplatz ankamen.

Dort wurden sie zu Flößen zusammengebaut und nach Holland geflößt. Die letzte Riese fand 1955 statt, 1893 wurde das letzte Mal geflößt. Dies hing auch damit zusammen, dass Wege, Straßen und Schienenverbindungen gebaut wurden und der Abtransport so leichter erfolgen konnte.

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