Alltag eines Kuhgynäkologen in Dornstetten: Wenn der Kuhstall zur Kinderwunschklinik wird

Florian Fischer ist seit Jahren leidenschaftlicher Tierarzt mit Spezialisierung auf Kühe. Auf dem Benzinger Hof in Dornstetten gibt er einen Einblick in die Kuhgynäkologie – die Reproduktionsmedizin und Geburtshilfe bei Rindern.
Anna-Sophie Zepf- Kuhgynäkologie im Fokus: Tierarzt Florian Fischer arbeitet auf dem Benzinger Hof.
- Er untersucht 38 Kühe per Ultraschall und begleitet Trächtigkeit und Geburt.
- Prävention nimmt zu, Notfälle sinken durch Tracker in Halsbändern oder Ohrmarken.
- Bei Mangel oder Zysten markiert der Landwirt Kühe mit V oder P – Behandlung folgt.
- Schwere Geburten bleiben heikel, gelungene Einsätze bestärken Fischers Berufswahl.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Schultertief steckt Tierarzt Florian Fischer, der auf Kuhgynäkologie – die Reproduktionsmedizin und Geburtshilfe bei Rindern – spezialisiert ist, mit dem Arm in einer Kuh. Vollkommen in einen Überwurf aus Plastik gekleidet, umgeben von Rindermist, führt er der Reihe nach Ultraschalluntersuchungen an den Gebärmuttern von 38 Kühen auf dem Benzinger Hof in Dornstetten durch. Ob so viele Untersuchungen an einem Tag für ihn eine Ausnahme darstellen oder zum Arbeitsalltag gehören – wir haben nachgefragt.
Doch was hat Florian Fischer dazu bewogen, Tierarzt mit dieser Spezialisierung zu werden? Schon als Kind stand für den 44-Jährigen fest: Er wollte mit Tieren arbeiten, am liebsten draußen und handwerklich, berichtet er. Sein Großvater betrieb einen Bauernhof, der andere war selbst Rindertierarzt. So kam Fischer schon früh mit Rindern und der Landwirtschaft in Berührung.
Diese Nähe zu diesen Tieren prägt ihn bis heute – auch wenn sich sein Berufsalltag inzwischen verändert hat. Als selbstständiger Tierarzt müsse er sich tagtäglich mit bürokratischer Papierarbeit beschäftigen, sagt Fischer. Auch dem digitalen Fortschritt passe er sich fortwährend an.
Akut- oder Notfälle seien dank spezieller Fitnesstracker in Form von Halsbändern oder Ohrmarken, die die Gesundheit der Rinder genau überwachen, zurückgegangen. „Aber man ist vielmehr in der Präventionsarbeit und in der Bestandsbetreuung aktiv“, führt der Tierarzt aus. Das beinhaltet unter anderem Impfprogramme für die Tiere.
Doch das Kerngeschäft bleibe weiterhin die Arbeit mit Tieren vor Ort – und vor allem die Reproduktionsmedizin und Geburtshilfe, die Fischer augenzwinkernd als Kinderwunschklinik bezeichnet. Denn ohne ein Kalb gibt die Kuh auch keine Milch.
Daher stellt der Veterinär unter anderem fest, wann eine Kuh empfängnisbereit ist, verfolgt aber auch genau, wie die Trächtigkeit der einzelnen Tiere voranschreitet und wie es der Kuh nach der Geburt geht.
38 Kühe werden in einem Rutsch untersucht
Für diese Untersuchungen zieht sich Fischer einen Überzug aus Plastik, hohe schwarze Gummistiefel und lange Handschuhe an. Mit einem Ultraschallgerät zum Umhängen begibt er sich in den großen Stall auf dem Benzinger Hof und zu den 38 wartenden Kühen, die angebunden sind.
Die Untersuchung der Gebärmutter sei für die Tiere nicht unangenehm, erläutert Fischer. Stattdessen hätten die Kühe sogar Freude daran, denn es wird Oxytocin – das Glückshormon – ausgeschüttet. „Wenn man von vorn kommt mit einer Spritze, dann sieht das ganz anders aus“, scherzt Fischer.
Im nächsten Moment zeigt er mit einem Ultraschallgerät den Embryo eines zukünftigen Kälbchens. „Ab 28 Tagen sieht man das Herz schon schlagen“, erklärt er lächelnd und zeigt den Monitor. „Ich erkenne darauf nie etwas“, fügt Landwirt Felix Schwenk amüsiert hinzu und gibt dem Tierarzt nähere Informationen zu den einzelnen Kühen.

Die Ultraschall-Untersuchung einer Kuh auf dem Benzinger Hof in Dornstetten zeigt, dass man ab 28 Tagen das Herz eines Kuh-Embryos schon schlagen sieht.
Anna-Sophie ZepfAuch die Gesundheit der Kühe kommt bei den Untersuchungen nicht zu kurz: Fehlen etwa Vitamine oder bahnt sich eine Zyste in der Gebärmutter oder den Eierstöcken an, werden die Tiere vom Landwirt am Kopf entsprechend gekennzeichnet – ein V für Vitamine oder ein P für das Hormon Prostaglandin, das den Kühen gegen die Zyste helfen soll.
Kühe mit einem eigenen Kopf
Bekanntlich haben Kühe aber auch ihren eigenen Kopf und daher verläuft der Besuch des Doktors nicht immer reibungslos. Eine Kuhdame peitscht mit ihrem Schwanz immer wieder auf Fischer ein, während dieser das angrenzende Tier untersucht. „Das macht die mit Absicht, um mich zu ärgern“, sagt der 44-Jährige schmunzelnd und weicht dem Schwanz aus, während er mit der Untersuchung fortfährt.
Leider gebe es bisweilen auch ernste Vorfälle, insbesondere Schwergeburten. „Da geht es um zwei Leben, um das von der Kuh und um das vom Kalb gleichzeitig“, erzählt Fischer. „Da fährt man unter Druck zügig hin und lässt alles stehen und liegen, was man gerade in dem Moment macht.“
Aber umso schöner sei es dann auch, wenn Kalb und Kuh einige Zeit später wieder kerngesund seien, meint Fischer. „Das freut mich wirklich.“ Momente wie dieser bewiesen ihm immer wieder aufs Neue, wie glücklich er mit seiner Berufswahl sei, stellt der 44-Jährige beschwingt fest.









