„Wir haben da alle Bock drauf“
: Im Badischen Winzerkeller in Breisach hat die Weinlese begonnen

Es geht wieder los: Im Badischen Winzerkeller in Breisach hat dieser Tage die Weinlese begonnen. Die Lese 2026 fällt in eine Zeit des Umbruchs beim größten Weinproduzenten in Baden.
Von
Ralf Deckert
Breisach
Jetzt in der App anhören
Christian Schätzle überwacht die Traubenannahme in Breisach und nascht zusammen mit Kellermeister Manuel Mößner (links) ein paar Müller-Thurgau-Trauben.

Christian Schätzle überwacht die Traubenannahme in Breisach, links Kellermeister Manuel Mößner (links).

Ralf Deckert
  • Weinlese im Badischen Winzerkeller hat begonnen, die Hauptlese startet in der kommenden Woche.
  • Erwartet werden marktkonforme Mengen und gute bis sehr gute Qualitäten.
  • Trockenheit halbiert Niederschlag, Beeren klein, Saftausbeute sinkt auf etwa 60 Prozent.
  • Verarbeitung wird zum Balanceakt: Bitterstoffe, Zucker-Säure-Spiel und Aromaverlust fordern.
  • Branche im Umbruch – Gespräche über Stellenabbau laufen, Weinwerbung in Planung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Badische Winzerkeller (BWK) in Breisach ist der größte Weinproduzent in Baden. Jede zehnte Traube des Anbaugebiets wird hier verarbeitet, die Winzer in der Genossenschaft bewirtschaften rund 1500 der rund 15.000 Hektar Weinbaufläche Badens zwischen Bergstraße und Bodensee.

Am Dienstag hat die Anlieferung der ersten Trauben des 2026er-Jahrgangs begonnen. Müller-Thurgau und frühe Sorten wie der pilzresistente Solaris werden für badischen Federweißen und alkoholreduzierte Weine benötigt, so BWK-Produktionsvorstand Christian Schätzle.

In der kommenden Woche beginne dann die Hauptlese. „Man spürt: Alle haben jetzt Lust auf diese besondere Zeit, in der die Ernte eingefahren wird“, so Schätzle. „Wir freuen uns riesig auf den Herbst!“

Gute bis sehr gute Qualität

Der 2026er verspreche marktkonforme Mengen von 100 bis 105 oder 110 Kilo Trauben pro Ar Anbaufläche sowie gute oder gar sehr gute Qualitäten. Dank der Trockenheit der vergangenen Monate habe man in den Reben keinerlei Probleme mit Pilzerkrankungen gehabt. Schädlinge wie die gefürchtete Kirschessigfliege hätten keine Chance gehabt, weil die Trauben in diesem Jahr, bedingt durch die Sonne, eine besonders dicke Schale entwickelt hätten.

Schwabo7 am Morgen
Montag - Sonntag um 7.00 Uhr
Starten Sie Montag bis Sonntag mit den wichtigsten Nachrichten des Tages kompakt zusammengefasst in den Tag.

Defizit beim Niederschlag nicht mehr einzuholen

Was aber, so Schätzle weiter, für die Winzer und Kellermeister eine Herausforderung sei: Das Defizit beim Niederschlag im langjährigen Vergleich liege derzeit bei uneinholbaren 50 Prozent. Entsprechend klein seien die Beeren an den Reben und die Ausbeute beim Pressen. Statt der durchschnittlichen 80 Prozent Saftausbeute könne man in diesem Jahr vielleicht lediglich auf 60 Prozent hoffen.

Die Trauben hätten durch die Trockenheit zudem viele Bitterstoffe entwickelt, berichtet Schätzle weiter. Die könne man zwar bei der Verarbeitung loswerden, doch gehe dann auch Aroma verloren. Auch das Wechselspiel zwischen Zuckergehalt und Säure in den Trauben sei in diesem Jahr besonders heikel: Wer mit der Lese zu lange warte, bekomme zu viel Zucker und in der Folge zu viel Alkohol in den Wein.

2026 wird kein 08/15-Weinjahr

Wer zu früh ernte, bekomme ein Aromaproblem. Die Verarbeitung sei also ein Balanceakt, bei dem Winzer und Önologen zeigen müssten, was sie draufhaben. „08/15 ist dieses Weinjahr nicht. Aber das ist es ja eigentlich nie“, so Christian Schätzles Fazit. Ein wenig Regen am Tag und kühle Nächte bis in die kommende Woche hinein würden den Trauben jedenfalls jetzt noch guttun.

Die Lese 2026 fällt in eine Zeit des Umbruchs in der Branche allgemein und beim BWK im Besonderen. Der Alkohol- und Weinkonsum sind rückläufig, die Betriebe müssen sich an den Markt anpassen. Manche werden verschwinden, so Christian Schätzle. So eine Situation sei „immer schwierig“ und hochemotional.

Gespräche über Stellenabbau laufen

Auch beim BWK laufen derzeit Gespräche zwischen dem Unternehmen und dem Betriebsrat über einen Stellenabbau in noch nicht bekannter Größe. Er wolle da nicht vorgreifen, so Schätzle. Daher sage er zum Stand der Gespräche nichts. Generell sei die Stimmung in der Branche derzeit eingetrübt: „Wenn du über Jahre in dieser Branche tätig bist und der Konsum stets rückläufig ist, wie soll da die Stimmung schon sein?“

Ideen für gemeinsam finanzierte Weinwerbung

In den kommenden Tagen wollen das Land und die badischen und württembergischen Weinbauverbände ihre Ideen für eine gemeinsam finanzierte Weinwerbung vorlegen. Eigentlich eine gute Sache, von der alle profitieren dürften, so Schätzle. Aber auch hier stehe die Frage im Raum, ob man den Winzern ausgerechnet in der derzeitigen klammen Finanzlage auch noch Geld für Werbemaßnahmen abverlangen könne.

Der Umbruch ist eben überall spürbar im Weinbau. Aktuell aber blicke man vor allem auf die kommenden vier Wochen der Weinlese. Die seien zwar „unglaublich anstrengend“ für alle Beteiligten, so Schätzle. „Aber wir haben da alle Bock drauf.“