Auch in Freiburg ein Streitthema: Eine neue Studie bezweifelt die Wirkung einer Verpackungssteuer

Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Freiburg eine Verpackungssteuer auf Einweggeschirr. Eine Studie zweifelt an der Wirkung einer solchen Abgabe.
Alexander Heinl/dpa- Studie bezweifelt Wirkung der seit dem 1. Januar 2026 in Freiburg geltenden Verpackungssteuer.
- GVM und ifeu rechnen bundesweit nur 0,04 Prozent weniger Verpackungsaufkommen.
- Kosten würden stark steigen: ohne Steuer etwa 100 Mio. Euro, mit Steuer laut Studie 4,1 Mrd.
- In Freiburg: 50 Cent je Einwegverpackung, 20 Cent je Einwegbesteck – Einnahmen erwartet 2,2 Mio. Euro.
- Gemeinderat will die Freiburger Steuer im Oktober prüfen, frühere IHK-Umfrage meldete Probleme.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Freiburg wurde schon über sie diskutiert, da war sie offiziell noch gar nicht eingeführt: die Verpackungssteuer. Seit dem 1. Januar 2026 gilt die neue Steuer nun und soll für weniger Müll in der Stadt sorgen und gleichzeitig Mehrwegalternativen fördern. Glücklich darüber sind in Freiburg längst nicht alle.
Bereits nach 111 Tagen stellte die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) eine Umfrage unter Händlern und Gastronomen vor. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Unternehmen äußerte Bedenken und berichtete von mehr Bürokratie, Diskussionen mit den Kunden und – teilweise großen – Umsatzrückgängen.
Im Auftrag von unter anderem der Deutschen Industrie- und Handelskammer und dem Bundesverband der Systemgastronomie hat die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) gemeinsam mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) aus Heidelberg die Folgen einer kommunalen Verpackungssteuer untersucht. Am Donnerstag wurde die Studie vorgestellt.
Studie geht hypothetisch von Tübinger Modell in ganz Deutschland aus
Das Fazit von GVM-Geschäftsführer Kurt Schüler zu Verpackungssteuern im Allgemeinen: „Überflüssig wie ein Kropf.“ Zuvor hatte er knapp 30 Minuten Zahlen und Fakten aus der Studie vorgestellt, die von der hypothetischen Annahme ausging, dass in ganz Deutschland eine Verpackungssteuer nach dem Tübinger Modell gilt.
Dieses Modell, das vom Bundesverfassungsgericht im Jahr 2025 bestätigt wurde, gilt auch als Vorbild für die Freiburger Steuer. Diese geht jedoch noch etwas weiter und hat weniger Ausnahmen, wie Schüler sagte. In die Studie hatte das jedoch keinen Einfluss.
Viele Verpackungen fallen nicht unter die Steuer
Untersucht wurde darin etwa der Einfluss einer deutschlandweit geltenden Verpackungssteuer auf den gesamten Verpackungsverbrauch im Land. „Es wird nur ein kleiner Bruchteil des Aufkommens versteuert“, erklärte Schüler dazu. Denn den haushaltsnahen Verbrauch von Verpackungen sowie den Verbrauch in Gastronomie und sonstigen Servicebereichen erfasse eine solche Steuer nicht.
Insgesamt, so rechnet die Studie, vermeidet eine Verpackungssteuer nach dem Tübinger Modell 6,4 Prozent des verpackungssteuerpflichtigen Verbrauchs. Das gesamte Verpackungsaufkommen in Deutschland würde eine bundesweite Steuer nur um 0,04 Prozent senken, so die Studie weiter.
Gleichzeitig würde die Verpackungssteuer jedoch deutlich mehr Kosten pro Verpackung produzieren: Während ohne Steuer deutschlandweit etwa 100 Millionen Euro anfallen, wären es mit Steuer laut Studie 4,1 Milliarden Euro, die zum überwiegenden Teil vom Konsumenten zu tragen wären. Zudem belaste der bürokratische Mehraufwand einer Verpackungssteuer die betroffenen Betriebe stark.
Steuereinnahmen versus Verwaltungskosten
Und auch die Steuereinnahmen seien zudem deutlich geringer als die reine Zahl. Denn nach Berechnungen der Studienautoren liegen die Verwaltungskosten bei rund 10 bis 15 Prozent des Steueraufkommens. Gleichzeitig sei das Einsparungspotenzial beim Ausstoß von Treibhausgasen pro Kopf gering. Bei Ausweitung auf das gesamte Bundesgebiet würden durch eine Verpackungssteuer die deutschen Treibhausgasemissionen um 0,0013 Prozent reduziert.
Das Steuermodell in Freiburg
50 Cent werden seit 1. Januar für jede Einwegverpackung und -geschirr in Freiburg fällig, jedes Einwegbesteck(-set) kostet 20 Cent. Die Preise werden dabei für jede Verpackung einzeln fällig. Wer also bei McDonald’s einen Burger, eine Portion Pommes und ein Getränk bestellt, bezahlt dreimal 50 Cent Verpackungssteuer – zuzüglich Mehrwertsteuer. Ab vollständiger Umsetzung rechnet die Stadt mit Einnahmen von rund 2,2 Millionen Euro pro Jahr.
Neben Freiburg haben auch Tübingen und Konstanz eine Verpackungssteuer. Das Freiburger Modell erfasst jedoch die meiste Verpackungsmenge, schreiben die Macher der Studie. So werden in Freiburg auch Verpackungen aus dem Drive-in-Verkehr versteuert, für die es in Tübingen Ausnahmen gibt. Auch in Potsdam ist derzeit eine Einführung der Verpackungssteuer geplant.
Die Macher der Studie kommen daher zu dem gleichen Schluss wie die Auftraggeber: Eine Verpackungssteuer ist nicht zielführend – zumal fast 90 Prozent der betroffenen Verpackung bereits anderen regulatorischen Instrumenten und Abgaben unterliegen.
Gleichzeitig stellte Schüler klar, dass es keine „Gefälligkeitsstudie“ sei. Das sagte auch Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt und Industrie bei der DIHK. „Die Zahlen sind sehr belastbar“, sagte er. Eine Verpackungssteuer bezeichnete er als „reines Geldschöpfungsinstrument für Kommunen“.
Bleibt die Frage, was die Ergebnisse für die Studie nun konkret für Freiburg zu bedeuten haben. Die Antwort: Zunächst einmal nichts. Die Verpackungssteuer wurde eingeführt. Bereits seit Längerem ist jedoch klar, dass der Gemeinderat im Oktober die Steuer auf den Prüfstand stellen wird.
Freiburger Steuer kommt im Oktober auf den Prüfstand
Ursprünglich wollte die Stadt die Steuer erst in zwei Jahren evaluieren. Nach einem entsprechenden Antrag im Gemeinderat kommt das jedoch früher. Mit entsprechenden Informationen wird sich dann zeigen, ob die am Donnerstag vorgestellten Zahlen auch so für Freiburg gelten.


