Mehr Wettkampf oder mehr Freude an Bewegung?
: So sehen Schulen in der Region die Debatte um die Bundesjugendspiele

Die Bundesjugendspiele sorgen seit Jahren für Diskussionen. Künftig will die Landesregierung den Wettkampf wieder stärker betonen. Das sagen Schulen in der Region dazu.
Von
Celina Drews
Calw, Rottweil
Jetzt in der App anhören
Bei den klassischen Bundesjugendspielen gehört der 100-Meter-Sprint dazu. (Symbolfoto)

Bei den klassischen Bundesjugendspielen gehört der 100-Meter-Sprint dazu. (Symbolfoto)

Florian Wiegand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
  • Landesregierung plant: Der Wettkampfcharakter der Bundesjugendspiele soll wieder zählen.
  • Das Hermann-Hesse-Gymnasium Calw ersetzt sie seit Jahren durch Turniere mit mehr Bewegung.
  • Leibniz-Gymnasium Rottweil hält an den Spielen fest – Fokus auf Gemeinschaft und Staffellauf.
  • Viele Schülerinnen und Schüler wünschen Leistungsrückmeldung, doch Motivation variiert nach Alter.
  • Perrot-Realschule Calw betont ganzjährige Förderung durch Schule und Vereine statt eines Tages.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für manche sind die Bundesjugendspiele ein sportlicher Höhepunkt des Schuljahres, für die meisten aber vor allem eines: eine Pflichtveranstaltung. Nachdem die Bundesjugendspiele in den vergangenen Jahren an vielen Schulen stärker auf Freude an Bewegung und weniger auf den Leistungsvergleich ausgerichtet wurden, sollen Leistungen künftig wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Auslöser ist ein Vorstoß aus Baden-Württemberg: Kultusminister Andreas Jung (CDU) will den Wettkampfcharakter der Bundesjugendspiele wieder stärker betonen. Doch wie sehen Schulen in der Region diese Pläne?

Sportturniere statt Bundesjugendspiele

Das Hermann-Hesse-Gymnasium in Calw geht bereits seit mehr als zehn Jahren einen ganz eigenen Weg: Dort finden die klassischen Bundesjugendspiele gar nicht mehr statt. Der Grund sei vor allem die geringe aktive Bewegungszeit der Schüler während der Spiele. Daher setzt die Schule inzwischen auf verschiedene Sportturniere, die sich über das Jahr verteilen.

So wird in der Unterstufe Völkerball gespielt, in der Mittelstufe Basketball und in der Oberstufe Volleyball. Hinzu kommt am Schuljahresende ein Fußballturnier für die gesamte Schule. „Die Klassen bilden im Vorfeld Mannschaften, die dann auf mehreren Spielfeldern das Turnier austragen“, erklärt Markus Köcher, Schulleiter des Hermann-Hesse-Gymnasiums. „Diese Veranstaltungen genießen in der gesamten Schulgemeinschaft eine sehr große Akzeptanz.“

Zudem sorge diese Art der Spiele auch für deutlich mehr Bewegung und Motivation unter den Schülern. Auf leichtathletische Inhalte müssen sie dennoch nicht verzichten: Laufen, Springen und Werfen bleiben Bestandteil des regulären Sportunterrichts und werden dort auch bewertet.

Gemeinschaft und Wettkampf schließen sich nicht aus

Anders ist die Situation am Leibniz-Gymnasium in Rottweil. Dort gehören die Bundesjugendspiele weiterhin fest zum Schuljahr.

„Das Ziel der Bundesjugendspiele an unserer Schule ist es, ein gemeinsames Bewegungserlebnis für alle unsere Schülerinnen und Schüler zu schaffen“, meint Schulleiterin Silke Pach. Zwar würden individuelle Leistungen erhoben und ausgewertet, im Mittelpunkt stehe jedoch das Gemeinschaftserlebnis innerhalb der Klassen.

Ein besonderer Höhepunkt sei dabei der traditionelle Staffellauf aller Klassenstufen. Für diesen Wettbewerb gebe es jedes Jahr mehr Freiwillige als Startplätze. Die gesamte Schule feuere die Läufer an – ein Erlebnis, das den Zusammenhalt der Schulgemeinschaft stärke.

Auch den Leistungsvergleich bewertet das Gymnasium positiv. Vielen Schülern sei eine individuelle Rückmeldung über ihre sportlichen Leistungen wichtig. „Dass hier ein direkter Vergleich vorgenommen wird, ist klar. Das hat man aber auch bei jeder Leistungsmessung, ob im Stadion oder im Klassenzimmer, wenn der ein oder andere Test oder die Klassenarbeitsnote verglichen wird“, so Pach.

Allerdings beobachte die Schule auch Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während Kinder der Unterstufe den Bundesjugendspielen meist mit großer Begeisterung entgegensehen, lasse die Motivation in der Mittelstufe etwas nach. „Das liegt aber auch an anderen Phänomenen, die sich nicht auf den sportlichen Bereich des Unterrichts beziehen“, betont die Schulleiterin.

Freude an Bewegung entsteht nicht an einem Tag

Auch an der Heinrich-Immanuel-Perrot-Realschule in Calw wird die Diskussion differenziert betrachtet.

Grundsätzlich begrüße die Schule Maßnahmen, die Sport, Bewegung und die persönliche Entwicklung stärken. „Der Wettkampfgedanke gehört allgemein zum Sport dazu und kann Kinder motivieren, eigene Ziele zu verfolgen und über sich hinauszuwachsen“, meint Schulleiterin Claudia Hein-Lutz.

Entscheidend sei jedoch nicht die Ausgestaltung eines einzelnen Sporttages, „sondern wie es uns gelingt, Kinder und Jugendliche das ganze Jahr über für Bewegung zu begeistern und jedes gesteckte Ziel und jeden Fortschritt anzuerkennen.“

Eine wichtige Rolle spielen dabei nicht nur engagierte Sportlehrkräfte, sondern auch die Zusammenarbeit mit den örtlichen Sportvereinen. Die Schule verweist ausdrücklich auf ihre zahlreichen Vereinskooperationen und würdigt das ehrenamtliche Engagement. „Nur gemeinsam in der Verzahnung schaffen wir Erfolgserlebnisse, fördern individuelle Fortschritte und vermitteln gleichzeitig Leistungsbereitschaft, Fairness und Teamgeist“, so Hein-Lutz.

Mehr als nur Zeiten und Urkunden

Ein einheitliches Urteil über die Zukunft der Bundesjugendspiele gibt es nicht. Während die eine Schule den klassischen Wettbewerb längst durch schuleigene Turniere ersetzt hat, setzen andere weiterhin auf die Kombination aus Leistungsmessung und Gemeinschaftserlebnis.

Sollte der Wettkampfcharakter künftig wieder stärker betont werden, dürfte der Gestaltungsspielraum der einzelnen Schulen allerdings sinken. Wie sich das konkret auf Motivation, Organisation und Akzeptanz auswirkt, bleibt abzuwarten.

CW-News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Calw Montag bis Samstag im kompakten Überblick.