Platz in Trigema-Galerie
: Wolfgang Grupp: Affe Charly gehört zur Familie

Ex-Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp äußert sich positiv über den affigen Zuwachs in der Ahnen-Bilderreihe. Die Burladinger Künstlerin Hanna Bastian hat Charly mit Stolz gemalt.
Von
Matthias Badura
Oberndorf
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Hanna Bastian schuf Charly nach exakten Vorgaben der Trigema-Unternehmensleitung, erlaubte sich aber kleine Freiheiten für das 75 mal 60 Zentimeter große Ölgemälde des Firmenmaskottchens.

Privat

Unerhört. Ja, geht denn das? ist das nicht pietätlos? Inmitten, nein, sogar zentral (!) in der Ahnengalerie im Trigema-Großraumbüro hängt zwischen den Bildnissen von Wolfgang Grupp senior und seinem, von ihm hochverehrten Großvater Eugen Mayer das Bild eines Schimpansen.

Gut, es handelt sich immerhin um das bundesweit bekannte Firmenmaskottchen Charly – aber Affe bleibt Affe! Stilbruch, Sakrileg? Manche Beobachter empören sich. Wolfgang Grupp, deutschlandweit sicher noch bekannter als das Maskottchen und bis 2024 Geschäftsführer des Burladinger Textilunternehmens Trigema, gehört nicht zu den Empörten. Im Gegenteil.

Wolfgang Grupp: ein Ehrenplatz für Charly

Wie er im Interview mit ARD-Moderatorin Sandra Maischberger am Dienstag dieser Woche, 9. Juni, sagte, habe Charly schon entwicklungsgeschichtlich betrachtet eine Berechtigung zur Aufnahme in die Ahnenreine. „Wie man hört, stammt der Mensch ja vom Affen ab“, ulkte er. Das Maskottchen verdiene den Ehrenplatz zudem ganz grundsätzlich.

Es gehöre seit Jahrzehnten zum Firmenimage und „zur Familie“. Charly in die Ehrengalerie aufzunehmen, sei die Idee seiner Kinder Bonita und Wolfgang gewesen, die seit 2024 den Betrieb leiten. Er habe nichts dagegen einzuwenden gehabt. Wie Grupp gegenüber Maischberger zudem betonte, wurde das Bild „von einer Burladinger Künstlerin“ gemalt.

Also auch in dem Fall: Standorttreue, die bei Trigema als Markenzeichen der Firmenphilosophie großgeschrieben wird. Die Vermutung, dem stets auf Etikette bedachten Patriarchen könne der Zuwachs an der Wand schräg gegenüber seinem eigenen Schreibtisch nicht recht sein, scheint demnach unzutreffend. Er hätte sich in dem Fall vielleicht süffisant, aber anders geäußert.

Bekannt für humoristische Tierbilder

Die „Burladinger Künstlerin“ stammt ursprünglich aus Polen, hat sich jedoch längst die Anerkennung einer echten Einheimischen erworben. Ihre Herkunft merkt man Hanna Bastian lediglich noch an ihrem charmanten slawischen Akzent an. Die Grafikerin kam 1993 auf die Alb. Sie ist, Grund ihres Herkommens, mit Wolfgang Bastian verheiratet und Mitarbeiterin in seiner Grafik-Agentur (Bastian Grafik-Design, Sitz in Nellingen). Gatte Wolfgang gehörte schon, als sie sich kennenlernten, zur Künstlergruppe der „burladinger maler“. Inzwischen ist er deren Vorsitzender.

Hanna Bastian trat dem Verein gleichfalls bei. Und sie darf, ohne das Talent der anderen Mitglieder schmälern zu wollen, mit ihren fröhlich, frech, verspielten Bildern als eines der profiliertesten Mitglieder der Gruppe gelten. Bekannt ist sie vor allem für ihre humoristischen Tiermalereien: fliegende Kühe, tanzende Schweinchen, Hunde mit sehnsuchtsvollem Blick.

Daneben nahm sie auch schon mal den Folklorismus ihres Heimatlandes auf die Schippe. Sehenswert sind ebenso ihre Karikaturen, die sie bei Begegnungen mit anderen Menschen im Alltag nebenbei auf einen Notizblock kritzelt.

Bastian über Trigema-Bild: Ich war richtig glücklich

Als bei ihr der Anruf der Trigema-Geschäftsleitung einging, ob sie sich vorstellen könnte, ein Portrait für die Firmengalerie zu malen, fuhr ihr vor Ehrfurcht der Schreck in die Glieder – erzählt sie. „Porträts können andere aus unserem Verein viel besser als ich.“ Als sie erfuhr, wen sie portraitieren sollten, habe sie auf der Stelle zugesagt: „Ich war richtig glücklich und hab’ mich gefreut, das machen zu dürfen.“

Affe Charly nimmt seit Ende Mai einen zentralen Platz in der Grupp-Familiengalerie ein. Links von ihm an der Wand des Zentralbüros Wolfgang und Elisabeth Grupp, rechts Josef Mayer, Gründer der heutigen Firma Trigema. Zufriedene Gesichter zeigen Mit-Geschäftsführerin Bonita Grupp, die Malerin Hanna Bastian, Vergoldermeisterin Sylvia Reh, die den Bilderramen schuf und Geschäftsführer Wolfgang Grupp junior.

Foto: Matthias Badura

Vollkommen freie Hand ließ man ihr bei diesem Auftrag nicht. Der Affe sollte nach einer Vorlage entstehen und dem neuen Erscheinungsbild entsprechen, das ihm KI-Programmierer jüngst gaben. Für das Bild freilich nicht ganz so leger, wie er neuerdings sonnenbebrillt in der Fernsehwerbung auftritt, sondern mit Anzug und Weste angetan. Hanna Bastian wich dennoch stellenweise von der Vorgabe ab und erlaubte sich kleinere Freiheiten. Sie traf damit jedoch den Geschmack der Auftraggeber. Familie Grupp zeigte sich bei der Enthüllung Ende Mai hochzufrieden. Den vergoldeten Rahmen des Bildes fertigte die Restauratorin Sylvia Reh aus München. Zwischen ihr und Hanna Bastian entwickelte sich bei dem Termin umgehend ein freundschaftliches Verhältnis, sie halten Kontakt. Man darf gespannt sein, was daraus künstlerisch entstehen könnte.

Polnische Ausstellung im Rathaus

Umgehend traf eine Flut von Nachrichten bei Hanna Bastian ein, bewundernde Kommentare und Glückwünsche zum gelungenen Werk; auch Kaufanfragen für Bilder waren dabei, die auf der Homepage der „burladinger maler“ zu sehen sind. Einen weiteren Auftrag einer ähnlich renommierten Firma wie Trigema erhielt sie bisher nicht. Das ist nicht weiter schlimm, nachdem die Künstlerin derzeit vollauf mit den Vorbereitungen für eine Gemeinschaftsausstellung beschäftigt ist. Zusammen mit ihrer Vereinskollegin Monika Borowski und deren Schwester Zdzislawa Kalwa gestaltet sie für Anfang Juli eine „Polnische Ausstellung“ im Burladinger Rathaus. In etwas weiterer Ferne naht auch die Jahresschau der „maler“, wiederum im Rathaus. Hier wird Hanna Bastian ebenfalls mit mehreren Arbeiten vertreten sein. Unter anderem mit Charly?

Charly auf Abstecher im Rathaus?

Als der Gedanke bei der Enthüllung im Trigema-Großraumbüro aufkam, zeigten sich die Grupps spontan einverstanden, das Bild als Leihgabe für die Dauer der Ausstellung oder zumindest für die Eröffnung außer Hauses zu geben. Doch das ist einstweilen nicht entschieden. Es wurden teils schon sehr wertvolle Bilder in den Jahresschauen gezeigt, etwa ein Originalgemälde aus der Hand des großen Malers Franz von Lenbach. Darüber, dass etwas verschwinden könnte, machte man sich bisher niemals Sorgen und dachte nicht an Sicherheitsvorkehrungen. Doch ein „echter Trigema“ im Goldmantel? Das könnte vielleicht doch Begehrlichkeiten wecken.

Tierischer Mitarbeiter seit 1990

Der Trigema-Affe Charly ist seit 1990 das Maskottchen des Textilunternehmens auf der Alb. Er gehört, wie die Firmenleitung sagt, „zur Unternehmenskultur und zur Familie“. Jüngst gaben ihm Programmierer ein etwas verändertes Aussehen als „Slow-Fashion-Influencer“. Den Namen Charly erhielt der Werbeträger von den damals noch kleinen Grupp-Kindern Bonita und Wolfgang. Videos von ihm sind im Internet auf YouTube oder auf der Trigema-Homepage abrufbar. Darunter auch die Entstehung des Porträts für die Familiengalerie.

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