Fastenzeit in Balingen
: Keine Schokolade mehr für Pfarrer Schneider

Pfarrer Michael Schneider verzichtet auf Schokolade – das wird ihm schwer fallen. Worauf Dekanatsreferent Achim Wicker in diesem Jahr während der Fastenzeit verzichtet, und was die Fastenzeit für Christen bedeutet.
Von
Jessica Müller
Oberndorf
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„Alles in Maßen“ lautet ein bekanntes Sprichwort. In den nächsten Wochen wird der Maßstab bei vielen Christen aber etwas strenger angesetzt.

Pixabay/stevepb

Es ist wieder soweit: Im Christentum wird traditionell bis Ostern gefastet. Die sechs Sonntage sind vom Fasten ausgenommen, so dass 40 Fastentage bleiben – das entspricht der Zeit, die schon Jesus der Bibel zufolge nach seiner Taufe fastend in der Wüste verbrachte. Michael Schneider, Dekan des Kirchenbezirks Balingen, und Achim Wicker, Dekanatsreferent im Katholischen Dekanat Balingen, sprechen über das Thema Fasten und verraten, worauf sie selbst in diesem Jahr während der Fastenzeit verzichten.

„Ich verzichte dieses Jahr auf Schokolade“, sagt Schneider und fügt hinzu: „Das wird mir richtig schwer fallen.“ Unter den Kirchengemeindemitgliedern verzichten die meisten ganz klassisch auf Alkohol, vermutet er. Theoretisch könne man aber alles Fasten, was sonst im eigenen Alltag vorkommt. „Etwas zu fasten, was einen ohnehin nicht betrifft, macht keinen Sinn“, meint er. „Wenn ich zum Beispiel Zucchini fasten würde, wäre das kein fasten, da ich sowieso keine Zucchini esse.“

Er erklärt: „Der Sinn vom Fasten ist, bewusst auf etwas zu verzichten, um sich mehr auf sich selbst und auch auf Gott zu konzentrieren. Im Mittelalter ging es beim Fasten noch stark, um den Bußgedanken und Gott milde zu stimmen, das ist seit der Reformation nicht mehr so.“ Der Vorteil sei, dass man durch den bewussten Verzicht die „gewohnten Bahnen“ hinterfrage und das vielleicht auch wieder neue Kräfte freisetzten könne.

Das könne jeder und jede tun, nicht nur Christen. „Es gibt in sämtlichen Religionen Fastenzeiten. Und manche Menschen, die sich selbst als nicht religiös bezeichnen würden, fasten zwischen Aschermittwoch und Ostern aus Tradition“, so Wicker.

Mehr lesen, weniger am Handy

„Ich werde versuchen, möglichst auf Zucker zu verzichten, sowie an einzelnen Tagen auf Social Media“, erzählt derweil Kollege Wicker. „Dafür werde ich mir dann ganz bewusst Zeit für andere Dinge nehmen, beispielsweise in der Natur zu sein oder ein gutes Buch zu lesen.“

Bei den meisten seiner Gemeindemitglieder werde eher auf etwas zu Essen verzichtet, oder auf Alkohol. „Aber auch auch das Handyfasten oder Social-Media-Fasten findet Anklang.“ Die Fastenaktion der Kirchen für Klimaschutz und Gerechtigkeit „So viel du brauchst“ findet er zudem eine gute Sache. „Dabei geht es auch darum aktiv zu werden, zum Beispiel persönlich für sich klimafreundlichere Gewohnheiten zu etablieren, wie beim Landwirt vor Ort einzukaufen“, erklärt er.

„Fasten ist kein Selbstzweck“

„Fasten ist kein Selbstzweck, sondern hilft dabei, uns auf Wesentliches zu konzentrieren, im christlichen Sinne auf die Beziehung zu Gott.“Deshalb gebe es auch seit einigen Jahren Fastenkalender, bei denen es nicht darum geht, auf etwas zu Verzichten, sondern sich für etwas Zeit zu nehmen, zum Beispiel jemandem zu helfen, für jemanden zu beten, in der Bibel zu lesen und so weiter. „Im Fastenkalender finde ich jeden Tag einen Gedanken, der mich anregt oder auch ein Aufgabe“, sagt der Dekanatsreferent.

„Natürlich, es ist aber immer ein Vorteil, wenn man bewusst auf etwas verzichtet, um so bewusster zu leben und sich und seine Lebensgewohnheiten dabei auch einmal zu hinterfragen.“

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