Ex-Trigema-Chef
: Wolfgang Grupp und das Gebrauchtwerden

Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp geht offen mit seinem Suizidversuch um. Auch um das Gebrauchtwerden geht es in seinem Brief - in den vergangenen Jahren hatte er darüber immer wieder gesprochen.
Von
Julia Gern
Oberndorf
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Wolfgang Grupp zählt auch in diesen Zeiten auf seine Familie. (Archivfoto)

Sebastian Gollnow/dpa

Die Öffentlichkeit hat Wolfgang Grupp nie gescheut. Doch am Montag, 7. Juli, wurde es erst laut und dann sehr still um ihn.

Ein Rettungseinsatz nahe dem Trigema-Gelände war öffentlich geworden, am frühen Morgen, samt Hubschrauber und Polizei. Wenige Stunden später vermeldete eine Sprecherin des Unternehmens, der frühere Chef befinde sich im Krankenhaus, altersentsprechend gehe es ihm gut und: „Wir informieren Sie zu gegebener Zeit wieder.“

Was Wolfgang Grupp dann mitteilte, wie ausführlich, wie emotional, welche Einblicke er gewährte, damit war kaum zu rechnen. Ein langer Brief, in dem von Altersdepressionen die Rede ist, von einem Suizidversuch, von Reue.

Gerüchte hatte es zuvor gegeben, das Unternehmen äußerte sich nicht. Es ging um die Privatsphäre Grupps, um seine Persönlichkeitsrechte. Denn egal wie oft er im Fernsehen zu sehen war, in Talkshow-Runden saß, in Reden wortgewaltig seine Meinung zu Wirtschaft oder Politik kundtat: Er ist eben auch Privatmann – und so verwies Trigema im Zuge der Veröffentlichung des Briefes auf die Privatsphäre.

Wolfgang Grupp: „Gedanken darüber, ob man überhaupt noch gebraucht wird“

Eines fällt in seinem Brief auf: dass der 83-Jährige vom Gebrauchtwerden schreibt. „Ich bin im 84. Lebensjahr und leide an sogenannten Altersdepressionen. Da macht man sich auch Gedanken darüber, ob man überhaupt noch gebraucht wird.“

Immer wieder hat er in den vergangenen Jahren davon gesprochen, immer wieder betont, wie wichtig es sei, dass sein Rat noch gewünscht werde, noch nützlich sei.

Auch gegenüber unserer Redaktion äußerte sich Grupp dazu – im Interview 2022, damals noch Trigema-Chef: „Das Schönste im Leben ist es, von anderen das Gefühl zu bekommen, noch gebraucht zu werden. Wenn man Sie nicht mehr gerne sieht und Sie das Gefühl haben, alle wären froh, dass Sie weg wären, dann ist es fatal. Wenn Sie anderen zur Last fallen, dann ist das Leben nicht mehr lebenswert. Aber ich habe noch das Gefühl, dass ich gebraucht werde. Daher sitze ich noch hier.“

Ex-Trigema-Chef Grupp blieb präsent

Nach der Übergabe des Unternehmens an Bonita und Wolfgang Grupp Anfang 2024 war er häufig in seinem Büro anzutreffen, gab seinen Kindern Ratschläge, wenngleich er häufig betonte, nicht mehr zu entscheiden. Auch beim Tag der offenen Tür am 5. Juli in Burladingen war Grupp präsent, schüttelte Hände, stand für Selfies bereit. Ein Unternehmer mittendrin, wenn auch quasi in Rente, dennoch: gern gesehen und gebraucht, wie seine Familie immer betonte.

In einem Interview mit unserer Redaktion sagte Bonita Grupp im Jahr 2023: „Mein Bruder und ich wollten schon frühzeitig mit unserem Vater zusammenarbeiten und viel von ihm lernen, er ist unser bester Mentor.“

Grupp dankt seiner Familie ausdrücklich

Das geht weit hinaus über das, was er für Trigema eben auch ist: der Unternehmer, der seine Firma mit öffentlichen Auftritten extrem bekannt machte. Mittlerweile hat mit Bonita Grupp und Wolfgang Grupp junior die vierte Generation in Burladingen übernommen.

Grupp dankt seiner Familie und seinen Mitarbeitern im Brief ausdrücklich. „Unsere Mitarbeiter, Kunden und unser ganzes Umfeld bitte ich darum, sie dabei zu unterstützen und ihnen ihr Vertrauen zu schenken. Darauf sollen meine Kinder sich nun konzentrieren können. Ich bin sehr stolz auf meine Frau und meine Kinder.“

Anmerkung der Redaktion:

In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen - es sei denn, die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie bei der Telefonseelsorge unter 0800/1110111 oder 0800/1110222 und unter www.telefonseelsorge.de/. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: www.suizidprophylaxe.de/

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