Burladinger Fasnetsspiel
: 600 Zuschauer sehen alte Fasnetstradition

Auch mehrere hundert Teilnehmer sorgte dafür, dass das Burladinger Fasnetsspiel auch bei seiner 19. Austragung ein echter Erfolg war. 2027 wird noch größer gefeiert.
Von
Matthias Badura
Oberndorf
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Eröffnung des 19. Burladinger Fasnetsspiels nach dessen Wiedergeburt. Läufer Oli Acker berichtete von kleinen Verfehlungen und Tolpatschigkeiten seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Matthias Badura

Eine Besucherin und Assistentin, die das Burladinger Fasnetsspiel erstmals erlebte, war zutiefst beeindruckt, „von den Socken“, wie sie selbst sagte. Sie wunderte sich nicht erst am Samstagnachmittag, sondern bereits am Morgen, als sie die Zunftstube der Burladinger Nautle in der Josengasse betrat, wo sich Lumpenmusikanten, Fasnetsspieler und „Hauzegslader“ beim Frühstück auf den Tag vorbereiteten: „Die sind ja alle so schön hergerichtet!“

Nein, sonderlich musikalisch bewandert waren diese Herren nicht.

Foto: Badura

Nicht nur die Brautpaare und Theaterspieler glänzten im feinsten historischen Zwirn, inzwischen ist es auch so, dass alle Musikerinnen und Musiker in altväterlicher Gewandung auftreten. Ein grandioses Bild – das die Stimmung beim Einmarsch und beim Theaterstück am Nachmittag enorm verstärkt.​

Unmusikalischer Haufen

Die Brautsträuße wurden verteilt, wunderschön gearbeitet vom Blumenhaus Deuringer: Rosen, Nelken und dazwischen – was war das? Eine Zwiebel und eine Mini-Wurst! Ein echt Alt-Burladinger Hochzeitsstrauß, konnte man da nur sagen.

Johannes Heinzelmann verlas auf der Bühne den Brautspruch. Oder vielmehr, er sang ihn als eine Art Moritat auf die Melodie der „Schwäb’schen Eisebahna“. Unten sang man den Refrain lautstark mit: „Trulla-Trulla-trullala (...), vom Tiefental bis an den Bach, ganz egal, ich lauf mein Sach.“

Einmarsch der 14 Gruppen, hier die Hexenmusik aus Hörschwag.

Foto: Badura

Diese Anweisung befolgten die Hochzeitspaare mit den Kassenbuben und Lumpenkapellen, die nun in die ganze Kernstadt ausschwärmten, um an jeder Haustür zu klingeln. Sie luden die Bewohner ein, der nachmittäglichen Theatervorstellung auf dem Fasnetswagen in der Josengasse beizuwohnen. „Und das Hochzeitsgeschenk würden wir gleich mitnehmen.“ Alteingesessene Burladinger schenken traditionell Eier und Speck. Erheiternde Szenen gab es, wenn Neubürger öffneten, die keine Kenntnis von dem Brauch hatten, die staunten, aber positiv reagierten.

„Hauzegslader“ werden freundlich empfangen

Nicht alle Pforten wurden geöffnet, hinter einigen standen jedoch Kaffeetafeln, Sekt, Bier oder ein Schnäpsle für die „Hauzegslader“ bereit. In der Besenwirtschaft „Alte Wäscherei“ wurde sogar ein komplettes Mittagessen kredenzt: mit Schnitzeln, Pommes, Spätzle und Kartoffelsalat. Fürstlich! In der Riege der Kassenbuben sah man wieder viele Prominente, so Berthold Wiesner, ehemaliger Stadtkämmerer und den amtierenden Bürgermeister Davide Licht, Rektor Johannes Hess, Pfarrer Christian Schmitt, die Landtagsabgeordneten Manuel Hailfinger (CDU) und Rudi Fischer (FDP) oder Andreas Glück, Mitglied des Europaparlamentes.

Spielleiter „Hubbe“ ist erleichtert

Um 14 Uhr fiel Spielleiter Hubert „Hubbe“ Pfister ein erster Stein vom Herzen: Alle Gruppen kamen pünktlich zum großen Einmarsch zurück. Die Fasnetsspieler mit ihren Hochzeitskränzen eröffneten den Zug, gefolgt von den Kapellen und den Ladern. Das „Narri Narro“ der Hauzegslader wurde aus 600 Kehlen treu und lautstark erwidert. So viele Besucher dürften es ungefähr gewesen sein.

Läufer Oli Acker verlas die Skandalchronik, bei der er Bürger und Nautle-Mitglieder durchnudelte, unter anderem ein weibliches. Die Närrin hatte versehentlich statt Scheibenwischwasser Bodenreiniger in den Wischwassertank im Auto eingefüllt.

Glückliches Brautpaar: Ralf Görlitzer mit Blumenstrauß und Fritz Hahn, zwei Urgesteine.

Foto: Badura

Die meisten Nerven benötigte an dem Tag Simon Riehle. Bei seiner „Musikerprobe“ auf dem Theaterwagen klappte gar nichts. Ein unbotmäßiger und in Noten nicht sonderlich bewanderter Haufen, den er da zu dirigieren hatte. Das Publikum freute das natürlich umso mehr. Der von viel Gelächter begleiteten Aufführung folgte großer Applaus.

So muss Fasnet sein: echt und unverfälscht

Am Schluss wurden die eingesammelten Eier und der Speck in der großen Pfanne gebraten und kostenlos verteilt. Fröhlich rund ging es anschließend in der Zunftstube, in den Wirtschaften und in Wohnstuben oder Garagen, in denen sich Freundeskreise zum eigenen Ausklang trafen.

Fazit: Wieder hat das Fasnetsspiel alle Ortsteile und Auswärtige zusammengeführt. Ein starkes, identitätsbildendes Stück Burladingen.

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