Bunt, laut, unübersehbar
: Rund 500 Teilnehmer beim CSD Zollernalb in Balingen

Beim CSD in Balingen zeigte sich die bunte Vielfalt des Zollernalbkreises auf dem Marktplatz und anschließend in einer bunten Parade durch die Innenstadt.
Von
Beate Marschal und Jessica Müller
Oberndorf
  • Rund 500 Teilnehmer beim CSD Zollernalb in Balingen

    Marschal
  • Rund 500 Menschen sind am Samstag in Balingen zusammengekommen.

    Beate Marschal
  • Rund 500 Teilnehmer beim CSD Zollernalb in Balingen

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Seifenblasen, selbstgebastelte Schilder und vor allem viele viele Regenbogenfahnen waren beim ersten Christopher Street Day (CSD) in Balingen zu sehen.

Rund 500 Menschen hatten sich am Samstag, 6. September, versammelt, um Vielfalt und Toleranz zu feiern. Insbesondere wird für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans-Personen und anderen queeren Menschen demonstriert.

Die Organisatoren des CSD ZAK – die Jusos Zollernalb und der Verein Immerwaslos – luden unter dem Motto „Vielfalt zeigen, Haltung leben“ ein.

Unter anderem Peter Demmer von Immerwaslos, Dominik Ochs, Co-Kreisvorsitzender der SPD Zollernalb, die Jugendarbeit Balingen, Pascal Conzelmann, Bundessprecher der HuK-Jugend, Ramona Fuchs (SPD), Nadja Lück, Regionalleiterin der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau, Omas gegen Rechts sprachen vor und nach der Parade über die Wichtigkeit der Sichtbarkeit queerer Menschen in der heutigen Gesellschaft.

„Ich habe mich als queerer Mensch im ländlichen Raum immer ziemlich einsam gefühlt“, sagte Pascal Conzelmann, Mitveranstalter und Bundessprecher der HuK-Jugend (Homosexuelle und Kirche) bei der Kundgebung auf dem Balinger Marktplatz. Ihm haben als junger Mann im ländlichen Raum Vorbilder aus nächster Nähe gefehlt, die ihm zeigten, dass nichts dabei ist, anders zu sein, anders zu lieben, als es die Norm vorsieht.

Dass es auch auf dem Land viele Menschen gibt, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, wurde beim CSD deutlich: Etwa 500 Memschen, so schätzen es die Veranstalter vom Albstäder Verein Immerwaslos und den Jusos Zollernalb, haben sich auf dem Marktplatz versammelt, um zu zeigen, dass die Zollernalb bunter und vielfältiger ist, als man auf den ersten Blick sieht.

„Heute sind wir alle gleich“, betonte Mitorganistaor Peter Demmer zu Beginn der Kundgebung und betonte, dass Extremismus bei dieser Veranstaltung nichts zu suchen haben, sondern gegenseitiger Respekt an oberster Stelle steht.

Queergottesdienst in der Stadtkirche

Daniel Stamler und Lisa Klein von der mobilen Jugendarbeit der Stadt Balingen machten auf die Anfänge des Christopher Street Days aufmerksam, Pfarrer Wolfgang Braun erinnerte nochmals an den Queergottesdienst, der am Samstagmorgen in der Balinger Stadtkirche gefeiert wurde. Nadja Lück , Regionalleiterin der Caritas Schwarzwald Donau Alb appellierte an die gesellschaftliche Verantwortung, Toleranz und as Miteinander.

Haltung des Gemeinderats scharf verurteilt

Ramona Fuchs von den Jusos übte scharfe Kritik nicht nur an Teilen der Bundesregierung: „Wenn man diese Community mit einem Zirkuszelt vergleich, dann ist das beschämend“, sagte sie bezüglich einer dahingehenden Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Dabei schoss sie auch scharf gegen die Balinger Stadtverwaltung – schließlich wurde ein Antrag, dass an diesem Samstag während des CSD die Regenbogenflagge am Balinger Rathaus gehisst wird, mehrheitlich vom Gemeinderat abgelehnt.

Im ländlichen Raum Neuland

In Großstädten sind sogenannte „Pride Parades“ seit Jahren Usus, im ländlichen Raum jedoch weitestgehend Neuland. Das zeigte auch der feindselige Gegenwind, meist aus dem rechten Lager, mit dem die Organisatoren im Vorfeld der Kundgebung zu Kämpfen hatten. Beim letztjährigen CSD in Ebingen – der Premiere im Zollernalbkreis – haben Gegendemonstrationen aus dem Rechten Lager für Ärger gesorgt. Entsprechend groß war demnach am späten Samstagnachmittag die Polizeipräsenz in der Balinger Innenstadt.

Keine Zwischenfälle

Sowohl die Kundgebung als auch der anschließende Demonstrationszug verliefen ohne Zwischenfälle. Laut Mitveranstalter Dominik Ochs habe es lediglich einzelne Störenfriede gegeben.

Der Zug durch die Innenstadt wurde von einem mit Musikboxen beladenen Auto angeführt, hinter dem die rund 500 Demonstranten tanzten, Fahnen schwenkten und Schilder hochhielten: „Love is love“ – Liebe ist Liebe. Aus den Fenstern schauten neugierige Gesichter auf das bunte Treiben hinab und winkten den Teilnehmern freudig zu.

Die Parade war aber nicht nur wegen der vielen Regenbogenflaggen bunt, sondern auch die Menschen waren unterschiedlich: Teenager, die sich Queer-Flaggen um die Schultern gebunden haben, zwei Mittfünfziger, die händchenhaltend durch die Straßen spazierten, viele Demonstranten hatten Glitzer und Regenbogenflaggen im Gesicht, aber auch Eltern mit ihren Kindern setzten ein Zeichen gegen Homophobie.

„Starkes Zeichen für Balingen“

„Die Menschen waren mega happy, das war ein starkes Zeichen sowohl für Balingen, als auch für die queere Community im Zollernalbkreis“, resümierte Dominik Ochs im Nachgang. Die Veranstaltung sei aus Sicht der Veranstalter ein voller Erfolg gewesen.

Begleitend zur Kundgebung gab es Stände von verschiedenen Einrichtungen: Verein Feuervogel, die AIDS-Hilfe Tübingen-Reutlingen und der Verein für Antidiskriminierung im Zollernalbkreis sowie „Best friends for a second Life“ waren mit Infoständen vertreten.

ZAK News
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