Apotheker schlagen Alarm
: „Das Apothekensterben betrifft uns alle!“

Durch das geplante Apothekenreformgesetz sehen die Apotheker im Zollernalbkreis ein Verschlechterung der Situation in der medizinischen Versorgung. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiss hörte in Stadtapotheke Schömberg die Nöte der Branche.
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(bam/pm)
Oberndorf
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Caspar Spindler (von links) hatte den CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß in der Schömberger Stadtapotheke zu Gast. Dieser tauschte sich mit Apotheker Johannes Ertelt und Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger aus.

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Die Apothekenlandschaft sieht sich bedroht: Im vergangenen November gingen die Apotheker bereits auf die Barrikaden und machten mit einem Streiktag auf ihre Situation aufmerksam. In einem Austausch über die Zukunft der Apothekenlandschaft in Deutschland empfing die Stadtapotheke in Schömberg den CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß. Caspar Spindler, Inhaber der Stadtapotheke und Vorsitzender der Region ALB im Landesapothekerverband Baden-Württemberg, sowie Johannes Ertelt, ebenfalls Vorsitzender der Region ALB, hatten zu diesem Gespräch eingeladen.

Ertelt, betonte: „Es ist unerträglich zu sehen, wie das Gesundheitsministerium unsere Rolle in der Gesundheitsversorgung ignoriert. Ohne eine sofortige Erhöhung des Apothekenhonorars stehen viele Apotheken, die einen unverzichtbaren Dienst leisten, vor dem Aus. Das betrifft uns alle!“ Caspar Spindler ergänzte: „Apotheken bieten eine immense gesellschaftliche Leistung, die oft nicht ausreichend wahrgenommen wird. Die Bundesregierung schaut zu, wie unsere Strukturen zusammenbrechen, während sie mit Scheindebatten das wahre Problem verdeckt. Es braucht jetzt eine Veränderung, um die flächendeckende Versorgung zu sichern.“

Die Funktion von Apotheken

Apotheken sind oft die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen und bieten eine unkomplizierte und kompetente Beratung. Sie sind nicht nur für die sichere Abgabe von Medikamenten verantwortlich, sondern leisten darüber hinaus unverzichtbare und oft unsichtbare Dienste. Spindler nennt diese eine „Leuchtturm-Funktion“ in der Gesundheitsversorgung, in welcher den Apotheken die Rolle als „Partner der Ärzteschaft“ zukommen. Die Beratungs- und Lenkungsfunktion, die nicht vergütet wird, verhinderten oft unnötige Arzt- und Klinikbesuche.

Die beiden Apotheker aus dem Zollernalbkreis legten dem CDU-Politiker Zahlen vor: In Deutschland arbeiten etwa 160 000 Menschen in Apotheken, die überwiegend von Frauen geleistet werden. „Apotheken bieten einen direkten Mehrwert für die Bevölkerung und leisten wichtige Arbeit für die Gemeinschaft, oft unter schwierigen Bedingungen und mit finanziellen Verlusten“, erklärte Spindler.

Das ist in Berlin geplant

Bange blicken die Apotheker in Richtung Berlin, wo Bundesgesundheitsminister Karl-Lauterbach (SPD) mit dem „Apothekenreformgesetz“ eine Reform vorgeschlagen hat, die nach Ansicht vieler Fachleute und Betroffener die Situation weiter verschärfen und den Fortbestand vieler Apotheken gefährden.

Die beiden Apotheker zählten beim Politikerbesuch die kritischen Punkte des Reformgesetzes auf. Dazu gehöre in erster Linie die Anpassung des Apothekenhonorars, die erst nach Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband erfolgen soll. Diese Maßnahme werde als unzureichend angesehen, da die Apotheken in den vergangenen 21 Jahren keine ihrer Meinung nach angemessene Erhöhung des Fixhonorars erhalten haben. Die Folge: Viele Apotheken stehen kurz vor dem wirtschaftlichen Aus. Besonders in ländlichen Gebieten, wo die „Apotheke vor Ort“ oft die einzige Anlaufstelle für Gesundheitsfragen sei, könnte dies dramatische Auswirkungen haben.

Darüber hinaus sehen die Reformpläne vor, die vorgeschriebenen Anwesenheitszeiten von Apothekern in den Apotheken zu reduzieren. Spindler und Ertelt sehen darin eine Verschlechterung der Beratungsqualität, da nicht mehr gewährleistet wäre, dass stets ein Apotheker zur Verfügung steht. Durch die fehlende Anwesenheit der Apotheker sind einige Leistungen, wie zum Beispiel die Abgabe starker Schmerzmittel, nicht mehr zu den kompletten Öffnungszeiten verfügbar.

Auch in der Abgabe von Betäubungsmitteln sehen die Apotheker ein Problem, denn deren Abgabe stehe unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, zu denen die Apotheken verpflichtet sind.

Die neuen Regelungen könnten diese Anforderungen verschärfen, ohne gleichzeitig die dafür notwendigen personellen oder infrastrukturellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Aufruf zu politischem Handeln und Unterstützung der Petition

Thomas Bareiß zeigte sich besorgt über die aktuelle Entwicklung: „Die Apotheken sind ein wesentlicher Bestandteil unserer medizinischen Infrastruktur, besonders in ländlichen Gebieten. Wenn die Bundespolitik nicht umgehend handelt, verlieren wir nicht nur Apotheken, sondern auch ein Stück unserer gesellschaftlichen Sicherheit.“

Ertelt und Spindler halten ein schnelles Handeln der Bundespolitik als unumgänglich, um die flächendeckende Versorgung mit Apotheken zu sichern und die ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung der Bevölkerung weiterhin zu gewährleisten. Die Initiative des Hessischen Apothekerverbandes (HAV) hat bereits eine Petition auf „openPetition“ gestartet, die sich gegen die aktuelle Reform und für eine angemessene Anpassung des Apothekenhonorars ausspricht.

„Es ist Zeit, die Anliegen der Apotheken ernst zu nehmen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen“, fasste Bareiß das Gespräch mit den Apothekern zusammen und versprach, sich auf politischer Ebene dafür einzusetzen, dass die Apotheken in ihrer wichtigen Funktion erhalten bleiben und unterstützt werden.

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