Pflegeeinrichtung in Krise
: Baukosten nicht gedeckt – was passiert mit der Augustenhilfe Albstadt?

Unter anderem das Neubauprojekt in Albstadt-Ebingen hat für finanzielle Schwierigkeiten bei der Stiftung der Diakonie Württemberg gesorgt. Wie es um die Chancen steht, was die Sanierer sagen, wie es für die Mitarbeiter weitergeht – eine Übersicht.
Von
red
Albstadt
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Neubau Augustenhilfe Ebingen

Der Neubau der Augustenhilfe in Ebingen weist eine Kostenunterdeckung auf.

Karina Eyrich (Archivfoto)
  • Augustenhilfe Albstadt startet ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung.
  • Grund sind Kostenunterdeckung beim Neubau in Ebingen und die Lage in der Pflegebranche.
  • Löhne von 244 Mitarbeitern sind für Oktober, November und Dezember 2026 durch Insolvenzgeld gesichert.
  • Betrieb der Pflegeeinrichtungen läuft weiter – Sanierungsteam und vorläufiger Sachwalter eingesetzt.
  • Stadt Albstadt und Diakonie unterstützen den Erhalt, ein gesunder wirtschaftlicher Kern ist vorhanden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für die Augustenhilfe Albstadt beginnt ein schwieriger Weg: Wegen finanzieller Probleme hat das Amtsgericht Hechingen ein vorläufiges gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung angeordnet. Das teilt die Augustenhilfe selbst per Mitteilung mit. Nun soll ein Expertenteam die Stiftung neu aufstellen.

Mit Beschluss vom 23. September 2026 kam das Gericht demnach dem Antrag des regionalen Trägers von Altenpflegeeinrichtungen auf eine Sanierung in Eigenverwaltung nach.

Die Stiftung Augustenhilfe als Mitglied der Diakonie Württemberg betreibt unter anderem das Seniorenpflegeheim Augustenhilfe in Albstadt-Ebingen sowie das Pflegeheim im Seniorenzentrum Albstadt-Tailfingen. Aufgrund einer Kostenunterdeckung eines Bauprojekts und der schwierigen Lage in der Pflegebranche geriet die Stiftung in eine angespannte finanzielle Situation, heißt es weiter.

Fortbestand der Einrichtung soll gesichert werden

„Der Gang in die gerichtliche Sanierung ist definitiv kein leichter Schritt. Aber er bietet uns die Chance, unsere Stiftung wirtschaftlich neu aufzustellen sowie weiterhin und ohne Abstriche für die Menschen da zu sein, die uns brauchen. Unsere Mitarbeiter wurden bereits informiert und stehen hinter uns“, sagt Torsten Marquardt, Vorstand und kaufmännischer Leiter der Augustenhilfe Albstadt.

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Die vorläufige Eigenverwaltung gibt der Leitung die Möglichkeit, das operative Geschäft weiterzuführen, während ein Sanierungsteam miteinsteigt.

Zu den Voraussetzungen, um die Stiftung neu aufzustellen und den Fortbestand der Einrichtungen zu sichern, wird erklärt: „Erste Maßnahmen zur Stabilisierung sind bereits eingeleitet worden.“ Löhne und Gehälter der 244 Mitarbeiter sind den Angaben nach für die Monate Oktober, November und Dezember 2026 durch das vorfinanzierte Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert. „Zudem wird der Geschäftsbetrieb rund um die Seniorenpflege ohne Einschränkungen fortgeführt“, erklärt Rechtsanwalt Christian Otto von der Kanzlei hermann wienberg wilhelm.

Er unterstützt und berät den Vorstand mit seinem Kollegen Michael Döhner, der zum Generalbevollmächtigten der Stiftung bestellt wurde, in allen insolvenz- und sanierungsrechtlichen Fragen.

Generalbevollmächtigter: gesunder wirtschaftlicher Kern

Zum Sanierungsteam gehört auch Simon Leopold, Geschäftsführer der ABG Consulting-Partner GmbH und Co. KG.

Als weiterer Generalbevollmächtigter begleitet er die Augustenhilfe Albstadt mit seinem Team kaufmännisch. Er sagt: „Bei der Stiftung ist ein gesunder wirtschaftlicher Kern, und damit eine essenzielle Voraussetzung für die Neuaufstellung, vorhanden.“

Hechinger Kanzlei involviert

Um das nun eingeleitete Verfahren im Sinne der Gläubiger zu überwachen, ist Rechtsanwalt Thorsten Schleich von der Kanzlei Schleich & Partner Rechtsanwälte vom Amtsgericht Hechingen zum vorläufigen Sachwalter bestellt worden. Er ist guter Dinge, dass eine Restrukturierung der Stiftung gelingen wird: „Für viele ältere Menschen und ihre Angehörigen in der Region sind die Einrichtungen und Angebote alternativlos. Der Erhalt der Augustenhilfe ist allen Beteiligten deshalb ein sehr ernstes Anliegen“, so Schleich.

Der vorläufige Gläubigerausschuss hat unter diesen Vorzeichen bereits seine Arbeit aufgenommen, heißt es. Schleich: „Ich bin deshalb zuversichtlich, dass hier eine nachhaltige Sanierung gelingen wird.“

Tralmer: Stadt unterstützt

Auch Oberbürgermeister Roland Tralmer äußert sich. „Die Stadt Albstadt wird die Bemühungen der Augustenhilfe zur Neuaufstellung in jeder möglichen Hinsicht unterstützen“, erklärt Tralmer. Die Augustenhilfe ist aus Sicht der Stadt ein maßgeblicher sozialer Anker für eine generationengerechte Stadt. Eine Stadt Albstadt ohne „Augustenhilfe“ sei nicht vorstellbar, so Tralmer.

Für die Evangelische Landeskirche und die Diakonie Württemberg steht während des Verfahrens das Wohlergehen der betreuten und beschäftigten Menschen im Mittelpunkt. Sie setzen sich dafür ein, dass die Arbeits- und die Pflegeplätze in diakonischer Trägerschaft erhalten bleiben.

Die Augustenhilfe Albstadt

Die diakonische Stiftung kann auf eine fast 200-jährige Historie zurückschauen. Sie wurde 1840 in Ebingen als evangelische „Kinderrettungsanstalt“ gegründet. Seit 1938 werden in dem vormaligen „Waisenhaus“ in Ebingen alte und pflegebedürftige Menschen betreut. In späteren Jahrzehnten wurden die Kapazitäten ausgebaut.

Ursachen für die finanzielle Schieflage sind demnach etwa die branchentypisch steigenden Kosten – vor allem Verluste bei der Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts eines Ersatzneubaus in Albstadt. Er wurde errichtet, um das Haus Sonnenstraße/Ulrichstraße zu ersetzen, das nicht mehr dauerhaft für die Alterspflege genutzt werden kann. Dadurch und durch Personalvorhaltekosten für den zweiten Bauabschnitt hatte sich der Betrieb der Stiftung zunehmend defizitär entwickelt.

Überdies waren die Baukosten nicht mehr vollständig gedeckt, heißt es. Es drohte Zahlungsunfähigkeit. Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand bei Gericht ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt, um eine Fortführungslösung für die Stiftung beziehungsweise für die betroffenen Pflegeeinrichtungen zu erreichen.

Drei Standorte in Albstadt

Die Stiftung Augustenhilfe mit Sitz in Albstadt-Ebingen bietet älteren und pflegebedürftigen Menschen umfassende Pflege- und Betreuungsangebote. Die Historie der Stiftung geht bis auf das Jahr 1840 zurück. An den drei Standorten Haus Sonnenstraße, Haus am Waisenwegle und Haus Ulrichstraße stellt die Stiftung vollstationäre Pflege bereit. Im Mittelpunkt stehen eine bedarfsgerechte pflegerische Versorgung und die Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner im Alltag. Daneben wird mit der Wohnungsbaugenossenschaft Tailfingen betreutes Wohnen angeboten.