Jubiläum in Ebingen
: „Die Waldheime sind einfach weit über normal“

70 Jahre Waldheim – die Ebinger sind den Tailfingern immer ein Jahr voraus. Beim Elternfest sind sie auf Zeitreise gegangen – und hatten hohen Besuch.
Von
Karina Eyrich
Oberndorf
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Viel zu sehen bekamen Eltern, Geschwister und Großeltern der Waldheim-Kinder beim Elternfest im 70. Jahr des Waldheims Ebingen.

Karina Eyrich

Nein: „Fremd“ geht Johannes Hartmann, der evangelische Waldheim-Pfarrer Tailfingen, nicht, wenn er seine Kollegin Ilze Druviņa in Ebingen besucht.

In herzlicher Eintracht gratulieren die beiden dem Team des Waldheim unter dem Schlossbergturm zu dessen 70. Geburtstag, der beim Elternfest groß gefeiert wird – bei herrlichem Sommerwetter. „Früher sind die Kinder zu Fuß gelaufen“, weiß Druviņa, „aber anderthalb Stunden – das wäre ‚weit über normal‘“, kontert Hartmann in Anspielung auf den Albstadt-Slogan. „Früher haben beide Waldheime Fußball- und Völkerballspiele gegeneinander ausgetragen“, so Druviņa weiter, und Hartmann erzählt von einer Frau Müller, die zu den ersten Tailfinger Waldheim-Kindern gehört habe und sich noch gerne an diese Spiele erinnere.

„Weit über normal“ – darin sind sich die beiden einig – ist in beiden Waldheimen aber das Engagement der Mitarbeiter, und beide seien die höchstgelegenen Waldheime in Baden-Württemberg. Es gibt also viele Gemeinsamkeiten. Nur das „Geburtsjahr“ nicht: „Die Ebinger sind uns immer ein Jahr voraus“, sagt Hartmann und fügt grinsend hinzu: „Da müssen wir schon nicht selbst rechnen.“

Gerechnet hat dafür Doris Burgmann, die mit ihrem Team der Waldheim-Küche beim Elternfest groß gefeiert wird: 450 Schnitzel haben sie bisher gebraten, 120 Liter Suppe gekocht und im Gaisburger Marsch zehn Kilogramm Fleisch, je 15 Kilogramm Spätzle und frisches Gemüse sowie zwölf Kilogramm Kartoffeln verarbeitet. Am liebsten aber hätten die Kinder den Fleischkäse in der vergangenen Woche verputzt: 40 Kilogramm. Satt.

In der Telefonzelle zurück zu den einstigen Höhepunkten

Gar nicht genug bekommen können Kinder und Waldheim-Mitarbeiter auch von den schönsten Programmpunkten der vergangenen Elternfeste. In einer Telefonzelle, wie sie früher noch auf dem Hof stand, wählen die Leiterinnen Anja Fritschi und Nicole Steinhöfer zuerst das Jahr 2016 an, in dem die „Waldknöpfle“ als Gruppe der Drei- und Vierjährigen gegründet wurden. Die drolligen Mäuse dürfen – wie damals – nochmals auf Weltraum-Reise gehen.

Das tun drei Gruppenleiter, die einst als Waldheim-Kinder angefangen hatten, im „Space-Taxi To The Sky“ und ernten für ihren kultigen Tanz Sonder-Applaus und viele Lacher. Danach tauchen Sternen-Krieger aus „Star Wars“ auf, die Maori-Tänzerinnen aus der Walt-Disney-Saison – jedes der 70 Jahre hatte ein eigenes Motto –, die Löwen, die „Hakuna Matata“ singen, die Piraten aus „Fluch der Karibik“, die Affen aus dem „Dschungelbuch“, die immer noch die geklaute Kokosnuss suchen, und die ziemlich coolen Tänzer aus dem Jahr 2024, die zu „I Feel Like I’m In Heaven“ fast wie Profis tanzen.

Mowgli gehört jetzt zum Leitungsteam

Der einstige „Mowgli“ aus dem „Dschungelbuch“ gehört inzwischen sogar zur „Erweiterten Waldheim-Leitung“ (EWL), die Nicole Steinhöfer und Dominik Speißer – diesmal als urkomischer indischer Space-Taxi-Fahrer im Einsatz – dann gemeinsam auf die Bühne holen: Manuel Kauffmann wird für 15 Jahre als Mitarbeiter geehrt, Jonas Broß und Anja Krauß für zehn, Anja Fritschi gar für stolze 25. Die Leiterin hat vor 31 Jahren, mit elf, ihren Fuß zum ersten Mal ins Waldheim gesetzt, erinnert sie sich, und ist dankbar für ihr tolles Team, zu dem darüber hinaus noch Marlene Korn, Tabea Hauer, Leonie Greiner und Dominique Muller gehören, der als Park-Direktor im Euro-Disney-Park abermals die fünfmillionsten Besucher begrüßen darf: Nicole Steinhöfer im Braut- und Anja Fritschi im Abendkleid werden diesmal allerdings gedoubelt.

Das dritte Kind der beiden Leiterinnen

Für beide ist das Waldheim ihr „drittes Kind“, wie sie betonen, und für Oberbürgermeister Roland Tralmer eine der wichtigsten Einrichtungen in Albstadt – deshalb habe die Stadt auch gerne wieder etwas spendiert, diesmal für neue Bänke. Dann muss er beichten: „Meine Eltern haben mich immer animiert, an der Waldheim-Freizeit teilzunehmen“, was ihm damals „suspekt“ gewesen sei, wie er bekennt. „Heute bereue ich es und möchte gerne zurückreisen in Eurer Zeitmaschine“, die am Ende eines ausgelassenen und nostalgischen Festes wieder in der Gegenwart landet. Immerhin, scherzt Tralmer, wäre er, hätte er damals teilgenommen, „nicht bei den ersten Waldheim-Kindern gewesen“, so wie Frau Müller in Tailfingen. Sie hat für nächstes Jahr ihr Kommen zugesagt, wenn auf dem Braunhartsberg das 70-jährige Bestehen gefeiert wird. Weit über normal.

Weitere Bilder vom Elternfest im Internet unter der Adresse www.schwarzwaelder-bote

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