Ausstellung in Nusplingen: Wilhelm Friedrich Wendels Werke in der Alten Friedhofskirche

Die Werke von Wilhelm Friedrich Wendel veredeln den herrlichen Raum der Alten Friedhofskirche St. Peter und Paul.
Karina EyrichMehr als 50 Jahre lang war Wilhelm Friedrich Wendel als Maler tätig; er hat in dieser Zeit stilbildende Darstellungen der kargen Alblandschaft und des oberen Donautal in den verschiedenen Jahreszeiten geschaffen und am Ende ein reiches und vielfältiges Oeuvre hinterlassen.
Geboren wurde er 1908 in Ebingen; der Säugling wurde nach den beiden Kaisern Wilhelm I. und Friedrich III. benannt. Von 1922 bis 1925 absolvierte er eine Dekorationsmalerlehre; 1928 und 1929 besuchte er die private Malschule Heinrich Knirr, um sich auf das Akademiestudium in München vorzubereiten. Dieses musste er jedoch schon 1929 wegen des Todes seines Vaters abbrechen und nach Hause zurückkehren, Die Familie wohnte damals in Leonberg.
Freischaffender Künstler in politisch aufgeheizten Zeiten
Von 1929 bis 1931 besuchte Wilhelm Friedrich Wendel in Stuttgart die Abendzeichenkurse von Fritz Nuß; von 1931 bis 1932 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und gehörte der Zeichenklasse von Arnold Waldschmidt an – er beteiligte sich in dieser Zeit auch an den Ausstellungen der „Juryfreien“.
Aus finanziellen Gründen musste er aber auch dieses Studium abbrechen und hielt sich danach als freischaffender Künstler über Wasser. Es waren politisch aufgeheizte Zeiten und das Ende der Weimarer Republik und die Machtübernahme der Nazis nicht mehr fern.

Sohn Karl Wendel steht vor einem Bild seines Vaters, das die Mutter Leonora darstellt.
Foto: Wilfried Koch1935 heiratete Wendel und ließ sich mit seiner Frau Leonore in Hossingen nieder. Von 1939 bis 1945 war er im Krieg, zuerst in Frankreich, danach an der Ostfront, meist als Sanitäter. 1945 kehrte er nach Hossingen zurück; in den Nachkriegsjahren schuf er vor allem Kunstwerke mit religiöser Motivik – „sicherlich um seine traumatisierenden Kriegserlebnisse zu verarbeiten“, mutmaßte Referent Steidle.

Der Vorsitzende des Fördervereines Alte Friedhofskirche St. Peter und Paul, Roland Steidle (Zweiter von links) präsentierte gemeinsam mit (von links) Michael Wendel, Ursula Bodmer und Karl Wendel die Ausstellung „Porträt und Landschaften“.
Foto: Wilfried KochIn den Jahrzehnten nach dem Krieg erlangte Wilhelm Friedrich Wendel überregionale Bekanntheit als Landschaftsmaler und Porträtist. Er stellte 1960 und 1968 in Reutlingen, 1962 in Kirchheim unter Teck und 1968 und 1973 in Ebingen aus, nahm regelmäßig an Gruppenausstellungen teil und unternahm Studienreisen in die Mittelmeerländer. Er starb am 8. Mai 1993.
„Expressiver Realismus“ – der Begriff trifft es
Adolf Smitmans, der einstige Direktor der Städtischen Galerie Albstadt, hat für die Beschreibung von Wendels Kunst den Begriff „Expressiver Realismus“ geprägt; er taucht erstmal im Katalog der von Smitmans kuratierten Balinger Ausstellung von 2001 auf. Paradigmatisch für Wendels Schaffen ist das Ölgemälde, das den Torfelsen zeigt und 2003 von seinem Sohn Michael – er wohnte der Vernissage zusammen mit seinem Bruder Karl und seiner Schwester Ursula Bodmer bei – der Stadt Meßstetten vermacht wurde. Es hängt heute im Rathaus, nachdem es über 80 Jahre lang im Besitz der Familie gewesen war.
Wilhelm Friedrich Wendel war ein klassischer Plein-Air-Maler. Michael Wendel erinnert sich noch gut daran, wie der Vater seine Farben einpackte, die Staffelei aufs Motorrad spannte und ins Donautal zum Malen brauste. Nicht selten nahm er auch den Buben mit.
Lange unbeachtet und 2024 zu neuen Ehren gekommen
Ein anderes Bild von Wendel, das lange unbeachtet im Saal der Meßstetter Lamprechtskirche stand, ist dort 2024 zu neuen Ehren gekommen. Es zeigt den auferstandenen Christus, aus dem offenem Grab heraustretend, der direkt auf den Bildbetrachter zukommt. Im Hintergrund sieht man Golgatha mit den Kreuzen der beiden Schächer.
Die fortbestehende Menschlichkeit Jesu
Der Auferstandene hat keinen Heiligenschein und erstrahlt auch nicht in jenseitiger Glorie – Wendel betont vielmehr die fortbestehende Menschlichkeit Jesu und seine Verbundenheit mit der Welt.
Die Vernissage wurde musikalisch umrahmt von Marcel Buhl am Saxophon und Jonas Klötzl am Klavier.
Die Ausstellung ist bis zum 14. September jeden Sonntagnachmittag von 14 bis 17 Uhr zu sehen.