Wirtschaftsgespräche in Balingen
: Kampf gegen Hacker – FBI lobt Polizeiarbeit

Die Balinger Wirtschaftsgespräche in der Balinger Stadthalle waren Anlass, die Themen Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz in den Fokus zu rücken.
Von
Cornelius Eyckeler
Oberndorf
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Die Expertenrunde in der Stadthalle sprach zum Thema Cybersicherheit.

Eyckeler

„Die Frage ist nicht, ob Sie Opfer von Hackern werden, sondern wann. Es wird Sie irgendwann treffen“, wiederholte Daniel Lorch gebetsmühlenartig. Der Ermittlungsleiter Cybercrime der Kriminalpolizeidirektion Esslingen wollte damit keine Panik unter den Besuchern – viele Unternehmer – der Balinger Wirtschaftsgespräche in der Stadthalle verbreiten. Er will die Unternehmen warnen und auf dieses nicht abwegige Szenario vorbereiten.

Am Montagabend lud die Stadtverwaltung Balingen Interessierte in die Stadthalle, um über die Themen Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz (KI) zu sprechen. Hierzu stellte Niko Skarlatoudis von der Wirtschaftsförderung eine spannende Expertenrunde zusammen.

Polizei erlebte bereits einige Tragödien

Darunter der bereits genannte der Cyberexperte Lorch von der Polizei – und der konnte einiges berichten. „Wir sind keine Schreibtischtäter, wir sind vor Ort bei den Firmen und schauen uns die Schäden an, die die Hacker hinterlassen“, sagte er.

Dabei erlebten er und seine Kollegen bereits so manche Tragödie. „Wir waren schon in Firmen, die digital von Hackern komplett abgebrannt wurden. Da war nichts mehr übrig, die mussten wieder bei null beginnen“, so Lorch.

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Die Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2024“ bestätigt den Ernst der Lage. Demnach waren im Untersuchungszeitraum acht von zehn Unternehmen von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage betroffen. Der wirtschaftliche Schaden lag 267 Milliarden Euro.

Lorch mahnt zur Eile

Aus diesem Grund mahnt Lorch Unternehmer zur Eile, sich schnellstens um einen angemessenen Schutz zu bemühen und keine Investitionen zu scheuen. „Die Hacker haben sowieso die größere ‚Kriegskasse‘, die können immer weitermachen“, sagte Lorch.

So sieht es auch Marc Groß, geschäftsführender Gesellschafter der „ProTRONIC Computer GmbH“ aus Balingen. „Die Hacker-Angriffe werden durch die KI immer effizienter, deshalb müssen wir stetig nachrüsten und immer hochwertigere Produkte bereitstellen, die die Firmen noch besser schützen.“

Daniel Lorch

Foto: Eyckeler

Geld in die Hand nimmt auch das Land Baden-Württemberg. Darüber zeigte sich Cyberexperte Lorch sehr dankbar in Richtung Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, die ebenfalls vor Ort war. Die Balingerin verspricht, sich auch weiterhin in diesem Bereich zu engagieren und nannte zahlreiche Projekte, die man im Südwesten bereits umsetze.

So biete man diverse Beratungsangebote wie den Cybersicherheits-Check für kleine und mittlere Unternehmen an. An verschiedenen Forschungsstandorten im Südwesten treibt man das Thema Cybersicherheit ebenfalls voran.

Weitere Teilnehmer der Expertenrunde waren Thomas Ströbele, Geschäftsführer der „yourIT GmbH“, Andreas Föhrenbach von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Jochen Müller von Bizerba.

Bizerba wurde im Jahr 2022 gehackt

Letzterer konnte aus eigener Erfahrung sprechen, wie es ist, wenn der Arbeitgeber gehackt wird. Im Juni 2022 wurde der Waagenhersteller aus Balingen Opfer einer Cyberattacke.

„Das war ein Tag, den ich nicht mehr vergessen werde“, erinnerte sich Müller zurück. Es sei schlimmer gewesen als zunächst befürchtet. „Es funktioniert erst mal nichts mehr, niemand weiß, wie es jetzt weitergeht.“ Aufgrund von Backups und der Aufwertung der Systeme kam man dennoch glimpflich davon und sei auf mögliche künftige Angriffe vorbereitet.

Den Kampf gegen die Hacker hat die Polizei schon längst aufgenommen – und das laut Bericht von Lorch bereits sehr erfolgreich. So konnten die Ermittler in Zusammenarbeit mit Behörden weltweit – darunter auch das FBI – etwa das Hackernetzwerk „Hive“ zerschlagen. In einer Pressekonferenz erwähnte FBI-Chef Christopher Wray sogar die gute Arbeit der Ermittlungsgruppe um Daniel Lorch.

LKA bietet zentrale Ansprechstelle

Lorch appelliert an alle Unternehmer: „Wenn Sie noch keine Plan haben, machen Sie diesen umgehend. Erstellen Sie Backups, vernetzen Sie sich und schauen Sie genau, welche Daten und Bereiche den größten Schutz benötigen.“

Sollten Hacker dennoch Erfolg haben, bietet das LKA eine zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC), die telefonisch unter 0711/54 01 24 44 oder per Mail an cybercrime@polizei.bwl.de erreichbar ist.