Der Widerstand der IG Lebensraum Oberes Kandertal gegen Windenergieanlagen rund um Malsburg-Marzell geht weiter. Zum Info-Abend kamen mehr als 50 Bürger.
Die Interessengemeinschaft (IG) Lebensraum Oberes Kandertal hatte zum Info-Abend unter dem Motto „Unser Wald – ein Ökosystem in Gefahr“ eingeladen. Knapp die Hälfte der Vorranggebiete für Windenergieanlagen (WA) auf der Gemarkung Malsburg-Marzell wurden beim zweiten Vorentwurf der Teilfortschreibung Windenergie zurück gezogen, statt 411 der 2488 Hektar großen Gemarkungsfläche sind nun 220 Hektar für Vorranggebiete (VRG) vorgesehen. Pro VRG sind mindestens drei WA ohne Höhenbegrenzung möglich.
Bürgermeister Mario Singer stellte fest, er sehe Möglichkeiten für die Herausnahme weiterer Windkraftflächen aus Malsburg-Marzells Gemarkung. Derzeit lägen die ausgewiesenen Flächen im Gebiet des Regionalverbands (RV) Hochrhein-Bodensee noch 55 Hektar über dem angestrebten Flächenziel von 1,8 Prozent VRG. Die Gemeinde, sagte Singer, arbeite ihre Stellungnahme an den RV aus.
Seine große Sorge sei die künftige Trinkwasserversorgung der Gemeinde: „Ich bin ein Verfechter erneuerbarer Energien, aber nicht zu jedem Preis.“ Wie der frühere Wassermeister Bernd Wehrle sagte, versorge sich die Gemeinde über ihre eigenen Quellen. Wehrles Befürchtung: Durch die Druckwellen der Sprengungen für Windrad-Fundamente im hiesigen zerklüfteten Granitgestein könnten Quellwasserleitungen verschüttet werden.
Daniela Meier, Kreisrätin und Mitglied der Verbandsversammlung, stellte ernüchtert fest, im Austausch mit einem weiteren Verbandsmitglied sei sie zu folgender Option gekommen: „Malsburg-Marzell muss jetzt sagen, welches Gebiet das absolute No Go ist.“ Dazu brauche es Angaben zur genauen Lage und Größe der Fläche: „Fokussieren Sie sich darauf.“
In rund drei Jahren, sagte Meier, werde die Regierung ihre Gebietskulissen überprüfen, auch im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit von WA-Standorten. Dann gehe es darum, wo ein WA-Bau aufgrund sehr aufwändig herstellbarer Zuwegung und Fläche unrentabel sei. Es lohne sich also, sich an die große Politik zu wenden.
IG bietet Hilfestellung
IG-Sprecher Karlheinz Beyerle moderierte die Veranstaltung und eröffnete den Abend mit Bildern, darunter Motive der Landschaft, des naturnahen Walds und steinerner Naturdenkmäler. Da zur zweiten Anhörung zu Windkraftvorrangflächen im Verbandsgebiet nur noch digitale Stellungnahmen zulässig sind, gab die IG hierfür Hilfestellung und Hinweise.
Infos an Stationen
Auch die weiteren fünf Stationen widmeten sich kritisch dem Thema. Es gab Postkarten mit Zeichnungen des Künstlers Johannes Beyerle von zehn windkraftsensiblen heimischen Tierarten samt Infos, verbunden mit dem Aufruf, diese Karten an Politiker zu schicken. Wehrle informierte über die Gefährdung der Quellen und Trinkwasserversorgung. Über forst- und landwirtschaftliche Aspekte sprach Landwirt und Forstwirtschaftsmeister Matthias Wehrlin. Er sah unter anderem Erosionsgefahr durch die für die Zuwegung geschaffenen steilen Böschungen ohne ihre vorige wasserspeichernde Humusdecke. Auch würde mangels Humusdecke der Waldsaum oberhalb solcher Böschungen immer weiter zurückweichen.
Eine Station zeigte Computersimulationen zur Sichtbarkeit der WAs auf Basis eines 3D-Geländemodells, erarbeitet von Physiker Peter Apian-Bennewitz. Eine weitere Station präsentierte Fotos vom Kahlhieb auf der WA-Fläche Sirnitz.
Stellungnahmen
Bis zum 31. Juli
können Bürger noch digitale Stellungnahmen an den Regionalverband schicken per E-Mail an beteiligung@hochrhein-bodensee.de. Vorlagen für Stellungnahmen können bei der IG angefordert werden, E-Mail: lebensraum-ok@web.de.