Im EBM-Papst-Werk im Peterzeller Hagenmoos werden derzeit noch Antriebe gefertigt. Diese Produktion wird nach Oradea ausgelagert. Foto: Helen Moser

EBM-Papst verkauft seine Sparte Industrielle Antriebstechnik an Siemens. Das sind die Auswirkungen für den Standort St. Georgen, wo der Geschäftsbereich bislang unter anderem angesiedelt war.

EBM-Papst verkauft seinen Geschäftsbereich Industrielle Antriebstechnik (IDT) an Siemens. Wie der Ventilatoren- und Heizungshersteller aus Mulfingen mitteilt, haben die beiden Unternehmen eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben. Der Verkauf wird entscheidende Auswirkungen auf den Standort St. Georgen haben – einen der Orte, an denen das IDT-Geschäft bislang angesiedelt war.

 

Die Vereinbarung

EBM-Papst möchte seinen Geschäftsbereich IDT an Siemens abgeben, wie das Unternehmen mitteilt – wie hoch der Preis ist, darüber haben die beiden beteiligten Unternehmen Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion soll bis Mitte 2025 abgeschlossen werden; die Wettbewerbsbehörden müssen dem Kauf noch zustimmen. „Der Betriebsrat wurde frühzeitig in alle Planungen einbezogen und unterstützt das Projekt“, betont EBM-Papst in einer Mitteilung.

Folgen für die Mitarbeiter

Insgesamt sind rund 650 Mitarbeiter vom Verkauf des IDT-Bereichs betroffen: Die 80 Personen in St. Georgen arbeiten vor allem in Entwicklung und Vertrieb, während der Schwerpunkt in Lauf an der Pegnitz mit 290 Personen und im rumänischen Oradea mit 280 Personen im Bereich der Produktion liegt, wie EBM-Papst-Pressesprecher Hauke Hannig auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt.

Sämtliche Mitarbeiter, heißt es in der Unternehmensmitteilung, werden von Siemens nach Abschluss der Transaktion übernommen. „Für die rund 80 IDT-Beschäftigten, die in St. Georgen tätig sind, wird im nahen Umkreis eine Location gesucht, Lauf und der IDT-Bereich in Oradea werden von Siemens übernommen, sodass der Arbeitsstandort bleibt“, konkretisiert Hannig auf Anfrage.

Die Antriebe der industriellen Antriebstechnik, die derzeit noch im St. Georgener Werk Hagenmoos gefertigt werden, werden nach Oradea verlagert, heißt es in der Mitteilung weiter. In St. Georgen werden künftig ausschließlich Lüfterkomponenten produziert. Die Mitarbeiter, die im Hagenmoos derzeit in der Fertigung im IDT-Bereich arbeiten, werden Hannig zufolge „vollständig dort verbleiben“ und im Bereich der Lufttechnik tätig sein.

Die Hintergründe

Bei EBM-Papst ist man davon überzeugt, dass der Kauf für beide Seiten positiv ist, wie Unternehmenssprecher Hannig im Gespräch betont. „Siemens kennt uns als Lieferant bereits seit vielen Jahren und ist mit unseren Produkten bestens vertraut. Antriebe gehören zum Kernportfolio des Unternehmens. Zudem verfügt Siemens über eine sehr hohe internationale Marktdurchdringung, eine starke Vertriebskapazität, eine große Anzahl an bestehenden Kunden in den fokussierten Kernmärkten sowie einen durchgängigen Produktkonfigurator“, wird Raymond Engelbrecht, Chief Commercial Officer (COO) der Division Air Technology Europe und Chief Executive Officer (CEO) der Divisionen IDT und Automotive sowie des Unternehmens EBM-Papst St. Georgen, in der Mitteilung zitiert.

Für EBM-Papst ist die Veräußerung der Sparte IDT ein weiterer Schritt im Rahmen der seit 2022 verfolgten neuen Unternehmensstrategie. „Mit dieser Strategie will sich EBM-Papst auf das Kerngeschäft Luft- und Heiztechnik konzentrieren“, schildert Klaus Geißdörfer, CEO der EBM-Papst-Gruppe, in der Unternehmensmitteilung. Der Verkaufserlös für das IDT-Geschäft soll dafür verwendet werden, die Geschäftsfelder Heiz- und Lufttechnik weiter zu stärken sowie in Zukunftsfelder zu investieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Auswirkungen dieser Strategie am Standort St. Georgen spürbar werden: Bereits seit 2022 treibt das Unternehmen aktiv den Ausstieg aus dem Automotive-Geschäft voran – ebenfalls mit Folgen für das St. Georgener Tochterunternehmen.

Folgen für den Standort

Trotz des Ausstiegs aus Automotive und des Verkaufs des IDT-Bereichs sei St. Georgen weiterhin ein zentraler Standort für EBM-Papst, betont Unternehmenssprecher Hannig. 620 Mitarbeiter sind seinen Angaben nach im Bereich der Lufttechnik, auf dem fortan der deutliche Fokus liegen soll, tätig. „Hier wird weiterhin das Kompetenzzentrum für Kompaktlüfter sein. St. Georgen wird nach dem Verkauf des Geschäftsfelds IDT weiterhin wichtiger Technologiestandort der Lufttechnik und integraler Bestandteil der EBM-Papst-Gruppe bleiben.“ Für alle Beschäftigten in der Bergstadt sieht Hannig „gute und sichere Entwicklungsperspektiven und Zukunftsaussichten“.