Der Gemeinderat diskutiert über die geplante Bauteile-Fabrik für den Pfaffensteigtunnel in Horb. Hat Horb bald 60 Arbeitsplätze mehr?
Jetzt muss es schnell gehen. Der Gemeinderat hat die Änderung des Bebauungsplans für die Tunnelteil-Fabrik von Uwe Gfrörer beraten. Schon im Frühjahr könnte der Startschuss fallen.
Gfrörer (Firmensitz: Empfingen) ist auch der Betreiber des Güterverkehrs-Terminals im Industriegebiet Heiligenfeld. Weil das nicht so läuft wie erwartet, soll auf dem Gelände des „Intermodalen Servicezentrums“ in Horb eine Tunnelteil-Fabrik entstehen. Sie soll Tübbinge (Teile der Tunnel-Innenverkleidung) für den Pfaffensteigtunnel herstellen.
Dazu fehlt noch der Satzungsbeschluss für die Änderung des Bebauungsplans. Gfrörer-Projektmanager Sven Wannenmacher hofft, dass das Rathaus es bis Februar 2026 schafft, den Aufstellungsbeschluss nach der öffentlichen Anhörung aufzustellen.
Wannenmacher: Februar 2026 soll Zuschlag kommen
Projektmanager Wannenmacher: „Ende Januar, Anfang Februar wird der Termin sein, an dem sich entscheidet, ob wir den Zuschlag bekommen.“
Bisher ist die Fabrik als Interim geplant. Sven Wannenmacher: „Wirtschaftlich wäre das ein Mehrwert bis zum Jahr 2034, um die etwas schwächelnde Konjunktur am Standort Horb auszugleichen.“
Im Gemeinderat gab es viel Lob, aber auch Gegenwind. OB Michael Keßler (CDU) sagt: „Ein Vorhaben, das 60 Arbeitsplätze in die Stadt bringen könnte.“
Neuer Lkw-Verkehr?
Doch viele haben Sorge vor dem Verkehr. Thomas Bauer (BiM): „Die Lkw werden da oben ziemlich belasten.“ FD/FW-Fraktionschef Anton Ade: „Das könnte Rexingen belasten.“ Rexingens Ortsvorsteher Mario Kamphoff meint: „Ob das so gut ist, wenn wieder mehr Schwerlast-Lkw durch Rexingen fahren?“ Uwe Gfrörer selbst greift zum Mikrofon: „Das sind alles unsere Fahrzeuge, die die Materialien liefern. Wir können sie so steuern, dass sie so fahren, wie wir sagen. Wir werden Rexingen vermeiden.“
Wannenmacher: Lkw-Zahlen nur „Worst Case-Szenario“
Laut Wannenmacher soll versucht werden, vom Gfrörer-Steinbruch bei Fischingen Zuschlagstoffe in die Fabrik zu liefern. Route: Fischingen-Dettingen-Horb. Der Projektmanager weist darauf hin, dass die Lkw-Fahrten im Verkehrsgutachten „Worst Case-Szenario“ sind.
Dort wird von täglich 34 Zulieferfahrten und 32 Fahrten von jeweils drei Tübbingen (über 7,5 Tonnen pro Stück) in die Baustelle des Pfaffensteigtunnels ausgegangen.
Bauer fordert Schienen-Quote
Gemeinderatsmitglied Thomas Bauer (BiM) sagt: „Es gibt das Güterverkehrsterminal. Warum werden nicht 50 Prozent aller Fahrten über die Schiene abgewickelt?“ OB Keßler: „Den Antrag nehme ich auf. Wollen wir die Wirtschaft behindern? Wir haben erfahren, dass Tübbinge für den Pfaffensteigtunnel nicht über die Schiene anzuliefern sind.“
Wannenmacher sagt: „Wie viel Warenimport für die Tübbinge-Produktion über die Schiene kommt, können wir aktuell noch nicht sagen. Es ist aber geplant. Beim Folgeprojekt (gemeint: Tunnel Offenburg, d. Red.) könnte der Export komplett über die Schiene laufen. Das ist aber noch weit weg.“
Können auch Horber im Betonwerk einkaufen?
Fakt ist: Für Gfrörers Tübbinge-Fabrik ist eine 220 bis 230 Meter lange Halle mit 25 Meter Breite geplant. 14 Meter Höhe, drei Deckenkräne. Daneben ein Betonwerk, Bürogebäude in Modulbauweise, Trinkwasserrecycling-Anlage.
Gemeinderat Gerhard Fassnacht (CDU) will wissen, ob auch andere Kunden im Betonwerk einkaufen können. Uwe Gfrörer: „Nein. Es wird Spezialbeton für Tübbinge produziert.“
Dann wird abgestimmt. Für die Schienen-Quote stimmt nur Thomas Bauer bei drei Enthaltungen. Für den nächsten Schritt zu Gfrörers Tunnel-Fabrik gibt es eine große Mehrheit.