Um die Spritpreise zu senken, hat sich die Regierung ein paar Maßnahmen einfallen lassen. Ob und was diese gebracht haben, berichten Tankstellenbetreiber aus dem Kreis Freudenstadt.
Die infolge des Iran-Krieg massiv gestiegenen Benzin- und Dieselpreise beschäftigen die Bevölkerung. Das Thema wurde zunehmend öffentlich diskutiert und setzte auch die Politik unter Druck. Die Bundesregierung setzte infolge dessen eine „Task-Force“ ein, die Lösungen gegen die gestiegenen Spritpreise finden sollte.
Heraus kam unter anderem das aus Österreich kopierte Modell, das zum 1. April eingeführt wurde. Nach diesem dürfen Tankstellen ihre Preise nun nur noch einmal täglich, um 12 Uhr mittags, erhöhen. Preissenkungen sind nach wie vor jederzeit erlaubt.
Die Hoffnung der Bundesregierung war, durch das Modell die Spritpreise zu senken. Doch wie hat das neue Modell die Preise an den Tankstellen tatsächlich beeinflusst? Und wie gehen Tankstellenbetreiber mit der neuen Regelung um?
Auch für Tankstellenbetreiber eine Herausforderung
„Die Energiebranche steht derzeit stark im Fokus der öffentlichen Diskussion. Viele Zusammenhänge sind jedoch komplexer als sie auf den ersten Blick erscheinen“, erklärt Matthias Pape, Geschäftsführer der Oest Energies, die unter anderem die Avia-Tankstelle in der Stuttgarter Straße in Freudenstadt betreibt.
„Die zunehmend emotionale Debatte ist auch für uns und unsere Mitarbeiter an den Tankstellen eine Herausforderung“, so Pape. Auf Nachfrage unserer Redaktion, wie er zu der neu eingeführten 12-Uhr-Regelung stehe, antwortete Pape: „Grundsätzlich halten wir von staatlichen Eingriffen in die Marktwirtschaft wenig. Wir akzeptieren dies und setzen es um.“
Weniger Überraschungen durch das Österreich-Modell
Auch Stefan Frey, Geschäftsführer der Haisch-Mineralöle, die die Haisch-Tankstelle in Dornstetten betreibt, blickt kritisch auf das Österreich-Modell. Für Verbraucher hat sich durch die neue Regelung laut Frey lediglich ein Vorteil ergeben: weniger Überraschungen.
Anders als zuvor, als die Tankstellen ihre Preise noch so oft am Tag ändern konnten, wie sie wollten, hätten die Verbraucher nun immerhin die Sicherheit, dass die Preise bis 12 Uhr nicht plötzlich in die Höhe schnellen.
Aus Sicht des ADAC hatte die Umstellung auf das Österreich-Modell das hohe Preisniveau jedoch nicht reduziert. „Stattdessen hat es die Entwicklung nach oben eher befördert. Die Bezeichnung ‚Preisbremse‘ hat es damit nicht verdient, stattdessen ist es eher kontraproduktiv“, schreibt der Automobilclub auf seiner Website.
Mineralölsteuer soll gesenkt werden
Die Bundesregierung hat jedoch bereits die nächste Maßnahme im Kampf gegen die hohen Spritpreise erarbeitet: Befristet auf zwei Monate soll nun die Mineralölsteuer gesenkt werden, konkret um 17 Cent pro Liter Diesel oder Benzin. Wann die Steuersenkung genau in Kraft tritt, stehe jedoch noch nicht fest.
„Der Verbraucher wird eine Entlastung spüren“, ist sich Saskia Weegels, Leiterin des Energiehandels bei Oest Energies, sicher. „Eine Steuersenkung kann dazu beitragen, die Preisbelastung abzufedern und die Kaufkraft zu stabilisieren“, erklärt sie. Gleichzeitig bedeuten kurzfristige, gesetzliche Änderungen für Tankstellenbetreiber jedoch auch „einen hohen organisatorischen und technischen Anpassungsaufwand.“
Steuersenkung muss auch bei Autofahrer ankommen
Der ADAC begrüßt die Steuersenkung. Gleichzeitig fordere er jedoch, dass sie auch bei den Autofahrern ankommt: „Es muss sichergestellt sein, dass sich die vollen 17 Cent an den Zapfsäulen niederschlagen“, wird ADAC Verkehrs- und Technikpräsident Karsten Schulze auf der Website des Automobilclubs zitiert.
Oest Energies plant laut Weegels damit, die Steuer weiterzugeben: „Steueranpassungen werden von uns grundsätzlich an die Verbraucher weitergegeben.“ Allerdings: „Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aller preisrelevanten Faktoren. Neben Steuern wirken sich auch Beschaffungskosten, Marktpreise und regionale Wettbewerbssituationen auf den Endpreis aus“, so Weegels.