Bosch will Zehntausende Stellen streichen. Nach harten Verhandlungen stehen nun Vereinbarungen für alle Standorte. Kündigungen bleiben ausgeschlossen – aber nur unter einer Bedingung.
Das Sparprogramm, mit dem der Stuttgarter Autozulieferer Bosch rund 22.000 Arbeitsplätze abbauen will, hat eine wichtige Hürde genommen. Für alle Standorte wurden inzwischen Vereinbarungen getroffen, erklärte der Betriebsratschef der Autosparte Mobility, Frank Sell, in Stuttgart. Er bestätigte damit eine Aussage, die Konzernchef Stefan Hartung bereits Ende Februar im Interview mit unserer Zeitung getroffen hatte.
Für den größten Standort Feuerbach mit 12.000 Beschäftigten wurde Sell zufolge über sechs Vereinbarungen verhandelt, von denen fünf abgeschlossen sind. Für die Digitalsparte Bosch Digital, die vor allem für die interne IT verantwortlich ist, laufen die Verhandlungen noch.
Die Verhandlungen seien „extrem schwierig“ gewesen und hätten seitens des Betriebsrats unter der Devise gestanden, das Schlimmste zu verhindern, so Sell. Ziel sei es gewesen, den Abbau zu reduzieren, möglichst viele Auszubildende zu übernehmen und Möglichkeiten zur Qualifikation zu schaffen. Auf eine signifikante Reduzierung des Programms ließ sich das Unternehmen aber offenbar nicht ein.
Entlassungen bei Bosch nur im äußersten Notfall
Allerdings konnte die Arbeitnehmerseite vereinbaren, dass betriebsbedingte Kündigungen je nach Standort und Bereich bis mindestens 2029, teilweise auch bis 2032 ausgeschlossen sind. Der Preis für diese Verlängerung ist allerdings eine Verschlechterung der Konditionen. Eine sogenannte „Hagelschlag-Klausel“ soll es der Geschäftsführung künftig ermöglichen, neue Verhandlungen aufzunehmen, wenn die jährlichen Ziele für den Stellenabbau, die in den Vereinbarungen für die einzelnen Standorte und Bereiche festgelegt werden, nicht erreicht werden.
Die Bedingungen für eine Aufhebung des Schutzes vor Entlassungen seien allerdings so restriktiv gefasst, dass keine Seite ein Interesse daran haben könne, davon Gebrauch zu machen, so Sell. Die Ziele seien so gewählt, dass man sich zutraue, sie mit dem Werkzeugkasten aus Abfindungen, Vorruhestand und Demografie hinzubekommen. Nicht berührt von der Vereinbarung ist die Zukunftssicherung für die deutschen Standorte der Kfz-Sparte Mobility, die Kündigungen bis 2027, teilweise auch bis 2029 ausschließt. Diese gilt weiter.