Testlauf eines Prototypen von Quarero Robotics mit den Geschäftsführern Marcus Köhnlein (Mitte), Aaron Nagel (rechts) und Stratege Raphael Nagel. Foto: I. Flaig

Der Markt für Sicherheitsroboter boomt. Das Start-up Quarero Robotics aus Filderstadt setzt auf Hightech-Patrouillen im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Was noch dahinter steckt?

Der Markt für Sicherheitsroboter boomt und Quarero Robotics will dabei kräftig mitmischen. Das in der Schweiz gegründete Start-up, das nun auch in Filderstadt einen Standort hat, sieht in der Region Stuttgart gute Perspektiven und vor allem auch Standortvorteile.

 

Dabei spielen nicht nur die Nähe zum Flughafen, die im Vergleich zur Schweiz günstigeren Raumkosten und die Nähe zu industriellen Anwendern eine Rolle, sondern auch die Fachkräfte. Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen in der Autoindustrie gebe es in der Region viele extrem qualifizierte Arbeitskräfte. „Wir haben Mitarbeiter, die von großen Unternehmen freigestellt wurden und im Prototypenbau in der Autoindustrie gearbeitet haben. Die bewerben sich sonst nicht“, sagt Raphael Nagel, der als Stratege bei der Firma im Hintergrund die Fäden zieht.

Sicherheitsroboter auch für kritische Infrastruktur

In Deutschland sieht er enormes Potenzial für die Quarero-Roboter. „Wir stellen mobile Kameraträger her“, beschreibt es Nagel, mit deren Hilfe Industrieanlagen, Produktionswerke, Gewerbeparks, Logistik- und Einkaufszentren überwacht werden können, aber beispielsweise auch Flughäfen und kritische Infrastruktur – für letztere hat Deutschland erst jüngst strengere Sicherheitsvorgaben beschlossen, was die Branche zusätzlich befeuert.

Die Sicherheitsroboter patrouillieren im Gelände und liefern deutlich mehr Bildperspektiven als fest installierte Kameras. Wärmebildkameras etwa lassen auch bei völliger Dunkelheit Bewegungen erkennen. „Etwa wenn sich im Umkreis von 200 Metern jemand nähert“, sagt Nagel.

Roboter sollen keine Konkurrenz sein, sondern das Sicherheitspersonal entlasten. Foto: BDSW

Er und Quarero-Chef Marcus Köhnlein, der den Roboter mitentwickelt hat, sehen solche Roboter nicht als Konkurrenz zum Sicherheitspersonal, sondern vielmehr als Ergänzung, zumal sich die Sicherheitsbranche schwer tue, ausreichend Mitarbeiter zu finden. Tausende Stellen sind unbesetzt, neben dem Fachkräftemangel machen der Branche eine hohe Fluktuation und steigende Personalkosten zu schaffen – gleichzeitig nimmt der Sicherheitsbedarf zu.

„Die Roboter sind in der Lage große Areale abzufahren – bei Wind und Wetter“, sagen die beiden. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz könnten sie trainiert werden, monotone Standardrunden übernehmen, egal ob auf Parkflächen oder rund um Gebäude, und mit ihrer Kamera in alle Richtungen schauen und Unregelmäßigkeiten aufspüren – vom Geräusch bis zur Temperatur, weil sie mit unterschiedlichsten Sensoren ausgestattet sind. Bei Bedarf können sich Mitarbeiter auch auf das System schalten, sprechen oder Aktionen auslösen.

Robotik gilt als milliardenschwerer Zukunftsmarkt

Robotik gilt als milliardenschwerer Zukunftsmarkt – und geht längst über den Einsatz von Robotern in der Produktion hinaus. Nach Analysen des Marktforschungsunternehmens Fortune Business Insights dürfte der globale Markt für Sicherheitsroboter von rund 16,5 Milliarden Dollar (14,2 Milliarden Euro) im Jahr 2025 auf mehr als 46 Milliarden Dollar (fast 40 Milliarden Euro) bis 2032 wachsen, das entspricht jährlichen Zuwachsraten von gut 16 Prozent.

Das Marktvolumen in Deutschland beziffert man bei Quarero Robotics allein 2026 auf rund 280 Millionen Euro und geht von rund 600 installierten Sicherheitsrobotern hinaus – bis 2030 dürften es rund 3360 sein. Potenzial sieht das Start-up hierzulande zuhauf angesichts von und 14.500 Logistikzentren und Lagern, über 8200 Produktionsstandorten, 4800 größeren Gewerbeparks, etlichen größeren Einkaufszentren, Verkehrsknotenpunkten und rund 3200 Objekten der kritischen Infrastruktur.

Viele Sicherheitsfirmen setzen auf Roboter

Der anhaltende Personal- und Fachkräftemangel ist nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Lünendonk wesentlicher Treiber der Digitalisierung in der privaten Sicherheitswirtschaft, die angesichts vielfältiger Krisen und steigender Anforderungen einen immer wichtigeren Beitrag zur öffentlichen unternehmerischen Sicherheit in Deutschland leiste. Unter den Top 25 Unternehmen der Sicherheitswirtschaft, zu denen Unternehmen wie etwa Securitas, Kötter oder beispielsweise Wisag zählen, nutzten bereits die Hälfte Robotik und moderne Digitallösungen – bis hin zum Einsatz von Drohnen, um die Effizienz und Qualität der Sicherheitsleistungen auch in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld zu gewährleisten, so die Studienautoren.

Das Thema Roboter sei in der Branche sehr angesagt, sagt auch eine Sprecherin des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft. In diesem Bereich finde ein extremer Entwicklungsschub statt. Der Sicherheitsmarkt sei im Wandel, heißt es auch bei Quarero Robotics und hat dafür ein Geschäftsmodell. Die Sicherheitsroboter werden gegen eine monatliche Gebühr von 3500 Euro (inklusive Service und Wartung) an Kundenunternehmen vermietet, was Jahreskosten von rund 42.000 Euro bedeutet – deutlich weniger als ein vergleichbarer Personal-Posten, der rund um die Uhr im Einsatz ist, rechnet das Start-up vor.

Quarero setzt auf europäische Komponenten

Quarero, 2021 in der Schweiz gegründet, hat 2025 mit der Serienproduktion begonnen und rund 50 Systeme im Einsatz. Bis 2027 sollen es rund 300 sein, die mehrere Objekte parallel absichern. Der Standort Filderstadt sei mit Forschung und Entwicklung das technische Zentrum der Gruppe. „Schweizer Herkunft, deutsche Entwicklung, internationaler Einsatz“, bringt Nagel die Firmenstrategie auf einen Nenner. Dabei setze man auf europäische Komponenten.

Produziert werden die Sicherheitsroboter bei der PSB Engineering in Dreieich bei Frankfurt, der IT-Dienstleister gehört zur Heilbronner Bechtle-Gruppe. Im vergangenen Jahr hat Quarero fünf Millionen Franken (rund 5,5 Millionen Euro) von Investoren eingesammelt bei einer Unternehmensbewertung von 30 Millionen Franken (gut 33,2 Millionen Euro). Im dritten Quartal plant das 9-köpfige Team eine weitere Finanzierungsrunde, um die internationale Expansion, die Skalierung der Robotikflotten und den Eintritt in zusätzliche Schlüsselmärkte zu finanzieren, wie das Unternehmen mitteilte.