Wie wichtig ist es, dass der Bus am SRH Krankenhaus in Oberndorf hält? Unter anderem darum ging es im Gemeinderat. Foto: Jasmin Cools

Wie lässt sich das Bus-Angebot in Oberndorf optimieren? Dazu gibt es einige Ideen – die aber auch „Opfer“ erfordern. Ein Diskussionspunkt ist die Haltestelle am SRH Krankenhaus.

1998 wurde der Stadtverkehr in Oberndorf eingerichtet. Damals habe man vermutlich allen Bürgern eine Fahrmöglichkeit anbieten wollen, meinte Hartmut Jaißle von der beauftragten „nbsw Nahverkehrsberatung“. Dass immer noch alle – auch dünn besiedelte – Bereiche, abgedeckt werden, sei nicht mehr zeitgemäß und eine Überarbeitung daher sinnvoll. Wo es auf der einen Seite Optimierungen gibt, müssen die Oberndorfer auf der anderen Seite aber auch Abstriche machen.

 

Eine Fahrgastzählung im Sommer 2025 bildet die Basis für die Analyse des Nahverkehrsberaters. Das Ergebnis: Das größte Fahrgastpotenzial bestehe auf dem (neuen) Lindenhof, so Jaißle in der Gemeinderatssitzung. Er schlug dem Gemeinderat deshalb vor, das Potenzial dort zu nutzen und einen Halbstundentakt zum Oberndorfer Bahnhof herzustellen.

Er sprach sich zudem für einen Taktsprung zur Mittagszeit aus, sodass der Bus vormittags zum Zugzubringer und nachmittags zum Zugabbringer wird. Einzelne Fahrten könnten zusätzlich die Haltestellen Steinbeisstraße, Schlehenweg und Friedrich-List-Straße bedienen.

Dort soll der Betrieb eingestellt werden

Den Stadtbus-Betrieb einstellen könne man dafür in den Bereichen Irslenbach – Austraße und Altoberndorf – Webertal. Diese Strecken würden durch das Angebot des Landkreises abgedeckt: über die Linie 7444 oder neu die 47, die sich gerade in der Ausschreibung (Bündel Rottweil Nord) befinde. Für die Zeiten außerhalb des Schülerverkehrs und die schulfreien Tage sehe der Landkreis Rufbusverkehr vor.

Was die Strecke SRH-Krankenhaus – Wiesentalstraße – Aistaig angeht, so schlug der Nahverkehrsberater vor, diese ebenfalls einzustellen. Als Alternativen für die Haltestellen um das SRH Krankenhaus herum stünden die Haltestelle Talfriedhof zur Verfügung, die von zwei Regionallinien bedient werde, und der ZOB am Bahnhof.

Durchschnittlich nicht einmal ein Fahrgast

Auf dem Linienast Aistaig sei bisher, wenn man den Schülerverkehr außer Acht lasse, durchschnittlich nicht einmal ein Fahrgast pro Fahrt unterwegs, erklärte Jaißle. Aistaig werde durch die Linie 31 aus Freudenstadt ohnehin schon fast stündlich bedient.

Die Wiesentalstraße könnte als Fortsetzung der Linie 30 aus Schramberg (Bahnhof – Wiesentalstraße – Aistaig – Bahnhof) abgedeckt werden, so der Vorschlag. Die Linie habe ohnehin stündlich in Oberndorf Pause bis zur Rückfahrt. Diese Fahrten könnte man zunächst für die Dauer von drei Jahren dazubestellen, so der Vorschlag.

Entfernung zu weit?

„Der Halbstundentakt vom Lindenhof könnte eine Erfolgsstory werden“, meinte Christoph Seidel (CDU) und lobte den Ansatz. Thorsten Ade (CDU) sah den Wegfall der Haltestelle am Krankenhaus kritisch. Wenn man den Schülerverkehr ausblende, sei die Auslastung „ziemlich mau“ und „ernüchternd“, so der Nahverkehrsberater, der von hin und wieder mal ein bis zwei Fahrgästen sprach.

Was die Entfernung angehe, so halte die Linie des Landkreises am Abzweig Aistaig, dorthin sei es vom Neckarsteg aus nicht mehr weit. Bürger seien laut Erhebungen außerdem dazu bereit, im Durchschnitt eine Strecke von bis zu 500 Meter zu einer Bushaltestelle zurückzulegen, meinte Jaißle.

Reiner Emmerings (SPD) Bedenken bezüglich der großen Busse in der Wiesentalstraße, die aus seiner Sicht stark befahren sei, und in der dicht geparkt werde, konnten Jaißle und die Verwaltung ausräumen. Eng werde es vielmehr in der Brühlstraße und am Krankenhaus. Die Haltestellen seien schon jetzt schwer zu bedienen.

Einen leeren Bus finanzieren?

Eine Strecke vom Bahnhof zum SRH-Krankenhaus und wieder zurück würde laut Nahverkehrsberater pro Jahr (Montag bis Freitag) mit rund 1800 Euro zu Buche schlagen. Bürgermeister Matthias Winter meinte, man müsse sich überlegen, „ob wir wirklich einen leeren Krankenhaus-Bus finanzieren wollen“. Schließlich würden die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen. Dass der Bus eine andere Schleife nehme – über die Hochbrücke und die Neckarstraße, wie Thorsten Ade vorschlug – sei aufgrund der Pausenzeiten kritisch, so Jaißle.

Sabine Jaud (FWV) erklärte, sie habe gehofft, dass man, was den Schülerverkehr angehe, eine Runde über Hochmössingen und Beffendorf in den Stadtverkehr integrieren könnte. Das sei aufgrund der Linienverkehrsgenehmigung nicht möglich, so Hartmut Jaißle. Eine Konzession schütze das dort fahrende Busunternehmen vor „Konkurrenz“ auf der Strecke. Man könne allenfalls eine Bitte gegenüber dem Konzessionsinhaber aussprechen, so Jaißle, „aber oft geht da nichts, erst recht nicht in der Spitze beim Schülerverkehr“.

Vielleicht ändere sich das mit der Neuvergabe des Bündels: Ab dem 12. Dezember wird die SBG den Oberndorfer Stadtverkehr abdecken. Zuvor war das seit 1998 die RVS.

Übergangslösung für etwa ein halbes Jahr

Für die Zeit vom 13. Dezember 2026 bis zum 31. Juli 2027 müsse man sich ein Interimskonzept überlegen, da das Bündel Rottweil Nord und damit die Planungen für Aistaig und Altoberndorf erst ab 1. August 2027 greifen, erklärte Jaißle. Eine Möglichkeit wäre, übergangsweise Fahrten im Bündel Oberndorf dazu zu bestellen, was einmalig rund 20.000 Euro für sechs Fahrtenpaare an 158 Tagen (Montag bis Freitag) bedeuten würde.

Bisher koste der Stadtverkehr die Stadt Oberndorf rund 10.000 Euro pro Jahr. Für den Verkehrsunternehmer fielen bei rund 70.000 Kilometern jährlich etwa 225.000 Euro an Kosten an. Die Einnahmen lägen bei mindestens rund 147.000 Euro. Tatsächliche Kosten seien aufgrund des Betriebsgeheimnisses nicht bekannt.

Mit der neuen Linie Lindenhof würde sich die Fahrleistung auf rund 86.400 Kilometer pro Jahr erhöhen und die Kosten damit voraussichtlich auf etwa 277.000 Euro. Für die Stadt blieben rund 28.300 Euro an Kosten. Der Gemeinderat gab den Planungen einstimmig grünes Licht.